Im Juli 1960 weilte er dort erstmals für einige Tage, um die Musik zum seinerzeit in Dresden gedrehten Film "Fünf Tage - fünf Nächte" zu komponieren, der dem Schicksal der Schätze der Dresdner Kunstsammlungen nach Kriegsende nachgeht.

Vor allem aber wurde in Gohrisch eine seiner gewichtigsten kammermusikalischen Schöpfungen geboren - das 8. Streichquartett c-Moll op. 110. In Erinnerung an die Opfer des Krieges und des Faschismus geschrieben, wurde es zugleich zu des Meisters wohl persönlichster Kammermusik. Noch ein zweites Mal, 1972, hielt sich der Komponist, Erholung suchend, in Gohrisch auf.

An all das wollen die erstmals 2010 veranstalteten Internationalen Schostakowitsch-Tage Gohrisch erinnern. Das einzige Schostakowitsch-Festival weltweit! Ausgezeichnet die dramaturgische Konzeption, die immer wieder auch kaum bekannte Tonzeugnisse des Gefeierten aufspürt. Zugleich aber auch Brücken schlagen will zu Zeitgenossen und kompositorischen Wahlverwandten. Ein landwirtschaftlicher Zweckbau, durch Umrüstung zur Konzertscheune mit guter Akustik geadelt, dient als Veranstaltungsstätte.

40 Jahre nach dem Tod des Komponisten wollte man ihm in Gohrisch in besonderer Weise Ehre erweisen. Da traf es sich, dass das legendäre Borodin-Quartett auf seiner Welttournee anlässlich des 70-jährigen Gründungsjubiläums auch in der Gohrischer Konzertscheune Station machte. Ehrensache, dass die Musici unter ihren Präsenten auch das 8. Streichquartett im Gepäck hatten. Überwältigend war die Gestaltungskraft, mit der die Borodins das von biografischen Bedrängnissen und Seelenqualen gezeichnete Tondokument tiefschürfend ausformten. Faszinierend auch ihre Ausdeutung der Quartette Nr. 3 und 6. Folgerichtig, dass das Ensemble jetzt in Gohrisch mit dem Schostakowitsch-Preis geehrt wurde.

Trotz renommierter Gastformationen wären die Gohrischer Festtage ohne die hervorragenden Musiker der Sächsischen Staatskapelle nicht denkbar. Da konnte man sogleich zum Auftakt - interpretiert von Konzertmeister Matthias Wollong und seinen Kollegen - mit den Zwei Stücken für Streichquartett op. 36 eine Rarität des jungen Tonsetzers erleben.

Eine Entdeckung der besonderen Art markierten die 24 Präludien und Fugen für Klavier solo aus der Feder des hier völlig unbekannten Vsevolod Zaderatsky (1891-1953). Entstanden sind sie während seiner Lagerhaft im sibirischen Gulag, wohin der Komponist wegen "Verbreitung faschistischer Musik" (womit sein Einsatz für Werke von Wagner und Strauss gemeint war) von 1937 bis 1939 verbannt war. Einen Höhepunkt bezeichnete die Abschlussmatinee der Dresdner Staatskapelle mit Vladimir Jurowski am Pult.