Das Sorbische Nationalensemble, die Stiftung für das Sorbische Volk, die Domowina und der Bund sorbischer Gesangsvereine hatten zur Premiere des neu bearbeiteten Oratoriums "Naleco" (Frühling) eingeladen, der am gestrigen Sonntag eine weitere Aufführung in Kamenz folgte. Am 1. Juli wird sie in Prag und am 19. August in Dresden zu erleben sein.

Milena Vettraino, Intendantin des Bautzener Ensembles, das in diesem Jahr bereits 60 Jahre besteht, konnte zu diesem Konzert, mit dem die Veranstaltungen zu 100 Jahre Domowina eingeleitet wurden, 350 sorbische und deutsche Besucher aus allen Teilen der Lausitz, aus Berlin und weiteren Orten begrüßen. Dabei hob sie hervor, dass das sorbische/wendische Lied sehr wichtig für das Volk und seine Sprache ist.

Fast zwei Stunden lang erklangen die Melodien aus dem Oratorium "Naleco", dem wohl bekanntesten und beliebtesten Teil aus dem Zyklus "Die Jahreszeiten", für den Handrij Zejler (1804 bis 1872) die lyrischen Gedichte verfasste und Korla Awgust Kocor (1822 bis 1904) die Musik komponierte. Nach der Erstaufführung 1861 wurde das Werk noch mehrere Male neu einstudiert und aufgeführt. Es gehört zu den bedeutendsten Kompositionen auf dem Gebiet der sorbischen Musikkunst und zeichnet sich durch seine große Volksverbundenheit aus. Viele Lieder werden in den Chören gesungen, so das Abschlusslied "Herrlich, herrlich ist's auf Erden".

Mit minutenlangem Beifall unter dem Lobesgesang "Ehre, Ehre, ihnen Ehre" bedankte sich das Publikum für die hervorragenden Leistungen der Künstler. Dazu gehörten die rund 130 Sängerinnen und Sänger des Chores des Sorbischen Nationalensembles, die vier sorbischen Laienchöre aus der Oberlausitz, die Musiker des Dresdner Kammerorchesters "Sinfonietta" und die vier Solisten Tanja Donath (Alt), André Khamasmie (Tenor) und Jörg Hempel (Bass) und Susanne Thielemann (Sopran), die aus Werben stammt.

Am Dirigentenpult stand Judith Kubitz. Sie wirkte mehrere Jahre als erste Kapellmeisterin am Cottbuser Staatstheater und kehrte somit für diesen Abend wieder an ihre alte Wirkungsstätte zurück. "Für mich war es ein großes Erlebnis, dieses herrliche Musikwerk mit den Künstlern einzuüben und zu dirigieren. In ihm bilden Musik und Sprache eine einmalige Einheit", sagte die sorbische Künstlerin, die in der Saison 2011/12 Einladungen zu Orchestern in Johannisburg, Amsterdam und Bern annahm.

Vor dem Konzert würdigte in einer kurzen Festansprache die Vorsitzende des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz, Dr. Madlene Norberg, die Gründung und die Entwicklung der Domowina in den vergangenen 100 Jahren. Die Domowina, die durch Höhen und Tiefen gegangen ist, habe sich einen guten Ruf erarbeitet. Sie stelle damit eine große Bereicherung des gesamten kulturellen Lebens in der Lausitz dar.

Das sollte man aber nicht durch eine stark begrenzte finanzielle Förderung aufs Spiel setzen, sagte die Regionalvorsitzende. Für die Domowina in der Niederlausitz war dieses Konzert gleichzeitig der Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Organisation der Sorben/Wenden, die 1912 in Hoyerswerda gegründet wurde.