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| 17:44 Uhr

"Früher kriegte ich von Manne manche Spitze"

Uschi Brüning bringt auch Titel ihres neuen Soloalbums "So wie ich" mit.
Uschi Brüning bringt auch Titel ihres neuen Soloalbums "So wie ich" mit. FOTO: Gunnar Leue/leu1
Uschi Brüning war schon in der DDR eine international anerkannte Jazzsängerin. An die gemeinsame Bandzeit mit Manfred Krug hat sie zwar zwiespältige Erinnerungen, dafür tourt sie heute mit ihm umso lieber. Weiteres Ergebnis ihrer Rastlosigkeit: das neue Soloalbum "So wie ich"

Frau Brüning, auf Ihrem Album covern Sie den alten Peggy-March-Schlager "Mit 17 hat man noch Träume". Welche hatten Sie, Mitte der 60er, mit 17?
Sängerin zu werden und berühmt! Damals ging ich noch auf die Oberschule in Leipzig und lebte meinem Abitur entgegen. Ich habe zwar nebenbei Amateurmusik gemacht, suchte aber nach einem richtigen Beruf. Eigentlich wollte ich Lehrerin für Musik und Deutsch werden, bekam jedoch keinen Studienplatz.

Sie wurden dann erstmal Gerichtssekretärin, verloren die Musikerlaufbahn aber nie aus den Augen . . .
Keineswegs, parallel spielte ich noch in der Amateurband Studio Team Leipzig.

Sogar Bassistin in der Band, eine echte Seltenheit in den 60ern, oder?
Also, das kann man nicht so ernst nehmen. Die Bassgitarre musste ich mir kaufen, um nicht aus der Band zu fliegen. Ich beherrschte nur ein einfaches Beatstück und konnte nicht annähernd so gut spielen wie zum Beispiel Suzi Quatro. Irgendwann haben sich die Jungs in meiner Band einen richtigen Bassisten geholt, aber ich durfte trotzdem in der Gruppe bleiben. Und eines Tages bekam ich tatsächlich einen Anruf aus Berlin. Der bekannte Big Band-Leader Klaus Lenz hatte von mir gehört und fragte, ob ich nicht bei ihm einsteigen wolle. Das war der Ritterschlag, denn die Lenz Combo galt als die Topband im Osten, zu der wollte jeder.

Ihr Talent sprach sich dann rasch herum, sie wurden mit Ella Fitzgerald verglichen . . .
Es war eine wunderbare Zeit. In der Jazzszene gab es so viele klasse Musiker und Bands wie SOK, Modern Soul und Panta Rhei. Die machten tollen Jazz, der sich klar an dem orientierte, was aus dem Westen kam, aber in manchen Punkten vielleicht sogar offener war, weniger puristisch. Es ging nicht nur streng jazzig zu, auch etwas poppig. Es gab viel Freiheit in der Kreativität.

Wurden die Jazzer von den Kulturfunktionären mehr als die Rockmusiker in Ruhe gelassen?
Das einerseits, andererseits gab es bei denen, die uns verwalteten, wohl auch eine große Unkenntnis über das, was wir musikalisch trieben. Sicher hat die Stasi auch ein Auge auf die Jazzszene geworfen, aber die meisten Kulturfunktionäre hatten überhaupt keine Ahnung. Die sahen nicht durch und konnten erst recht nicht belegen, was denn an unserer Musik konkret staatsfeindlich sein könnte. Dadurch hatten wir wahrscheinlich etwas mehr Freiheiten als andere Musiker in der DDR.

Sie sangen in der Klaus Lenz Big Band auch zusammen mit Manfred Krug, der bereits ein Gesangsstar in der DDR war. Heute bestreiten Sie wieder zusammen Konzerte, weil es schon damals so toll war?
Nee, als ich als Sängerin in die Lenz Band kam, traf ich nicht gerade auf einen glücklichen Manfred Krug. Der war stinksauer. Er war ja der Berühmte und als das Publikum nun "Uschi, Uschi" rief, war ihm das nicht egal. Das wäre mir wohl auch so gegangen. Jedenfalls waren wir nicht gleich Freunde, was er auch gezeigt hat. Ich kriegte so manche Spitze ab. Manchmal verstanden wir uns blendend und ich hätte ihn ohne Weiteres als duften Kumpel, Freund und Beschützer betrachtet, aber am nächsten Tag war wieder alles anders. Wenn er einen Gag auf Kosten anderer machen konnte, hat er es getan. Da war unsere Freundschaft noch nicht so dicke wie heute. Aber als er dann die DDR verließ, war ich aber doch sehr, sehr traurig, denn er war eine Institution.

Sie galten als das größte ostdeutsche Jazzgesangstalent. Träumten sie mal von einer Karriere im Westen?
Daran hat doch jeder irgendwann gedacht. Wir brannten für unsere Musik und natürlich wollten wir auch mal dort hin, wo die allerbesten auftreten.

Sie konnten in den 80ern auch im Westen auftreten. Haben Sie nie überlegt, selbst dazubleiben?
Wenn ich allein im Westen war, wollte ich nie weg. Als ich mit meinem Mann Ernst-Ludwig Petrowsky (ein renommierter Jazz-Saxophonist/d.R.) reiste, hab ich schon mal überlegt. Aber eigentlich hätte ich es nicht fertiggebracht, die zu verlassen, die uns lieben. Man hängt ja auch an dem, was man als Heimat bezeichnet. Umso mehr tat es weh, als nach der Biermann-Geschichte so viele weggingen.

Viele Ost-Künstler hatten nach der Wende das Problem, dass ihr Stammpublikum erstmal nur noch Bock auf Westkünstler verspürte. Hatten Sie das auch?
Ich habe schon darunter gelitten, in welcher Art und Weise die Wende ablief. Von heute auf morgen brach alles zusammen, was Heimat war und ich habe auch die Leute nicht verstanden, die sich für Bananen und Cola so entblößten. Was unsere Auftragslage als Musiker betraf, so war auch unser Publikum zum Teil weg. Also haben wir Projekte angeleiert, die teilweise aus der Not geboren waren. Zum Beispiel "Vier Frauen im Konzert" mit Barbara Kellerbauer, Anne-Kathrin Bürger und der Opernsängerin Carola Nossek, das sich als ein ausgesprochen erfolgreiches Projekt herausstellte.

Die Musik auf Ihrem jüngst veröffentlichten Soloalbum "So wie ich" bezeichnen Sie teilweise als "gehobenen Schlager". Ein besonders schönes Lied ist die Holger Biege-Adaption "Wenn der Abend kommt". Haben Sie das als Ausklang der Platte gewählt . . .
. . . Sie meinen, um Abschiedsstimmung auszudrücken? Nein, ganz und gar nicht. Dazu habe ich noch viel zu viele Zukunftspläne. Der Kosmos der Musik, die ich noch machen möchte, wird immer größer. Ich bin da sehr offen und hoffnungsfroh. Abendstimmung will ich nicht verbreiten.

Warum haben Sie den alten Ost-Hit ausgewählt?
Weil ich den Biege-Song stets geliebt habe und schon jahrelang mal aufnehmen wollte. Mich hat auch immer etwas geärgert, dass Xavier Naidoo mit einer Art Musik berühmt wurde, die Holger Biege schon viel früher sang. Aber gut, dafür kann der Naidoo ja auch nichts.

Mit Uschi Brüning

sprach Gunnar Leue/leu1

Konzert: Manfred Krug, Uschi Brüning & Band, 21. Februar, Lausitzhalle Hoyerswerda. Tickettelefon: 0355/481 555.