Carlfriedrich Claus (1930-1998), Thomas Ranft (*1945), Dagmar Ranft-Schinke (geb.1944), Michael Morgner (*1942) und Gregor-Torsten Schade (geb. 1948; heute Kozik) - sie alle sind Clara Mosch. Der Name der 1977 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, gegründeten Künstlergruppe setzt sich aus einzelnen Bestandteilen der fünf Namen zusammen, ist Ausdruck übereinstimmender künstlerischer Überzeugungen - auch wenn die einzelnen Handschriften sehr verschieden sind. Eigentlich sind sie bis auf Carlfriedrich Claus, der als Schreibender ohnehin eine Sonderrolle in der Gruppe einnahm, Vertreter der Leipziger Schule, hatten an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert. Was sie aber einte, war die Ablehnung des einengenden Diktats der Hochschule. Sie wollten Freiraum für die künstlerische Entfaltung, für das Experiment. "Ihr Ding machen", wie es Kustos Jörg Sperling nennt.

Drei Ziele

Clara Mosch habe drei Ziele gehabt, so Jörg Sperling. Erstens sollte eine eigene, selbstbestimmte Galerie möglichst vielen Individualisten unter den Künstlerkollegen Ausstellungsmöglichkeiten verschaffen, die ihnen sonst verwehrt blieben. So verzeichnen die 29 Ausstellungen klangvolle Namen wie Max Uhlig, Wolfgang Petrovsky, Albert Wiegand oder Gerhard Altenbourg. Natürlich wurden auch eigene Arbeiten gezeigt. Zweitens sei es den fünf Künstlern darum gegangen, eigene Editionen herausgeben zu können. "Viele Kunstmappen,Videos entstanden in dieser Zeit." Und drittens wollten sie neue Kunstformen ausprobieren.

In der Ausstellung ist unter anderem in Filmen nachzuvollziehen, wie viel davon den Künstlern in nur fünf Jahren gelang. Landart - in der DDR völlig unbekannt - ist mit dem Leussow-Recycling-Projekt dokumentiert. Metamorphosen der Kunst - ein wichtiges Thema der Gruppe - ins Extrem getrieben: Die geschaffenen Kunstwerke werden am Ende verbrannt. Vier Reagenzgläschen mit Asche sowie Fotografien von der Aktion werden in einem Koffer aufbewahrt.

"Metamorphosen der Fünftracht" hingegen zeigen, wie sich ein Blatt unter der Hand der einzelnen Künstler wandelt. Einer beginnt mit einer Grundform, reicht es an den nächsten weiter und so fort, bis am Ende vom Anfang kaum noch etwas erkennbar ist. Eine Grafik in fünf Stufen.

Das Arbeiten im Freien, Pleinairs gemeinsam mit Künstlerfreunden etwa in Ahrenshoop, die oft den Charakter von Happenings annahmen, seien von Anfang an bestimmend für Clara Mosch gewesen, sagt Jörg Sperling. Eine Fotografie von Ralf Rainer Wasse, der Gruppe sehr verbunden, später als IM Mosch enttarnt, zeigt drei der Künstler nackt auf einem Baum hocken.

Aus ungewohnter Perspektive

Auf Tausenden Bildern aus der Happening-Zone hat Wasse Leben und Arbeit der Künstlervereinigung verewigt, ist mit den Freunden aber auch in künstlerischen Dialog getreten. Wasse fotografiert aus ungewohnter Perspektive - zerklüftete Krater, widerborstige Landschaft, Brüche, Bunker. In den Grafiken von Schade, Morgner, Ranft und seiner Frau Dagmar Ranft-Schinke finden sich die Ansichten wieder. Der besondere Reiz liegt in den unterschiedlichen Ausdrucksformen der einzelnen Künstler. Thomas Ranft etwa lässt in seiner Radierung "Die große Landschaft" eine von Salvador Dali inspirierte surreale Landschaft entstehen, ineinandergeschachtelt. In der Mitte ein an den Turm von Babel erinnerndes Gebäude. Landschaft als Projektionsfeld gesellschaftlicher Verhältnisse.

"Clara Mosch, dieses Energiebündel der Fantasie ausstrahlend nach fünf Richtungen, denn jeder von und war und blieb in sich und seinem Schaffen ein Individuum . . . der Westen sprach von einer Keimzelle des Avantgardismus in der DDR", schrieb Ranft-Schinke. Die Ausstellung gibt ihr Recht - was die Fantasie betrifft ebenso wie die interessanten und zum Teil experimentellen künstlerischen Handschriften.

Nur fünf Jahre bestand Clara Mosch. Das Plakat von Lutz Dammbeck zu ihrer Eröffnung war einer Personalausweisseite nachgestaltet, mit den besonderen Kennzeichen Galerie, dem Geburtsdatum 30. 5. 1977 und Monstern in den Wasserzeichen. Das Plakat zum 5. und letzten Geburtstag zeigt den vom Fernsehen abfotografierten Sprecher der Aktuellen Kamera Klaus Feldmann, überdruckt mit Clara Mosch, 5 Jahr.

Bis zum Schluss die Auseinandersetzung mit dem Regime, in der sie unterlagen. Die Maßnahmepläne der Staatssicherheit und die Vereinnahmung durch den Kulturbund hatten die Künstlergemeinschaft entzweit. Das künstlerische Werk bleibt.

Ausstellung bis 3. Juli, dkw, Cottbus, Uferstraße/Am Amtsteich 15. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Telefon 0355 / 49 49 40 40.