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| 13:45 Uhr

Noch immer Publikumsliebling
Wie ein Stern

Noch immer  Publikumsliebling: Frank Schöbel.
Noch immer Publikumsliebling: Frank Schöbel. FOTO: Sebastian Willnow / dpa
Berlin. Kein Ruhestand in Sicht: Frank Schöbel feiert seinen 75. Geburtstag. dpa

Von A wie „Alles im Eimer“ bis Z wie „Zeit zum Kuscheln“: 600 Lieder hat er bisher gesungen, davon 350 selbst komponiert. „Und ich kann noch viel zu viele auswendig“, sagt Frank Schöbel, der seit 55 Jahren auf der Bühne steht. Schon vor fünf Jahren bekam der Schlagerstar die „Goldene Henne“ für sein Lebenswerk. Doch dieses ist noch längst nicht beendet. 2018 sei schon jetzt gut ausgebucht, berichtet der blond-gelockte Publikumsliebling, der am heutigen 11. Dezember 75 Jahre alt wird. Immerhin:

Fast wäre alles anders gekommen. Der Sohn einer Opernsängerin, der im gleichen Jahr geboren wurde wie Aretha Franklin, Paul McCartney, Lou Reed und Jimi Hendrix, wollte einst gar kein Musiker werden – sondern Meteorologe. Doch als der Leipziger sich mit 16 um eine Ausbildung bewerben wollte, war er noch zu jung dafür. Der neue Berufswunsch kam dem Bühnenleben schon näher: Kameramechaniker. Nach Abschluss der Mechanikerlehre hielt es Schöbel aber nur einen halben Monat aus. Dann beschloss er, zu singen.

1962, im Gründungsjahr der Rolling Stones, fing seine Karriere beim Leipziger „Tanzorchester der Sonderklasse Heinz Müller“ an. 1964 nahm Schöbel seine ersten Songs auf. Die mag er heute nicht mehr. Seinen ersten Solotitel „Jede Frau wünscht sich gern ein paar Blu-hu-men“ habe er 1964 im Funk eingesungen - und dann nie wieder, berichtet er. „Er gehört zu den Liedern, die die Welt nicht braucht“, sagt Schöbel. Den Titel „Hey, hey Klaus, es sieht nach Schnee aus“ aus dem gleichen Jahr, mit dem er auf Anhieb in die DDR-Hitparade kam, bezeichnete er später als „grauenvolle Nummer“.

Athletische Figur, blaue Augen, Jeans, Lederjacke. Schöbel war immer ein Frauenschwarm. Zwei schöne Damen hatte der Sänger vor dem Mauerfall zugleich privat und beruflich an seiner Seite. Mit der gleichaltrigen Chris Doerk bildete er ein umschwärmtes Traumpaar der 60er-Jahre, das mit humorvollen, frechen Schlagern den Nerv des Publikums traf und Millionen Schallplatten verkaufte. Nach sieben Jahren zerbrach die Ehe, auch das Bühnen-Paar gab es lange nicht mehr.

Für Schöbel ging es solo weiter, Hit für Hit. Evergreens wie „Ich geh vom Nordpol zum Südpol zu Fuß“, „Wie ein Stern“ bis „Gold in Deinen Augen“ schafften es Anfang der 70er-Jahre auch in die westdeutschen Hitparaden. Zehn Mal wurde er zum Fernsehliebling der DDR gewählt.

Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Aurora Lacasa und den Töchtern Odette und Dominique war er jahrelang an Heiligabend ein fester Programmpunkt im DDR-Fernsehen. In „Weihnachten in Familie“ sangen die Vier gemeinsam in ihrem Wohnzimmer. Die gleichnamige Schallplatte gilt als meistverkauftes Album der DDR-Plattenfirma Amiga. 1,7 Millionen Mal ging sie über den Ladentisch. Die Ehe mit Aurora Lacasa ging 1996 nach 20 Jahren zu Bruch.

Knapp drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall hat Schöbel, Spitzname „Frankie-Boy“, noch immer ein treues Publikum im Osten. 2018 sei schon gut ausgebucht mit Veranstaltungen, auch mit einigen TV Sendungen, sagt er. Wie hält er sich fit? „Mittwoch 15 Uhr ist Fußballtraining der Ü70-Mannschaft von Eintracht Mahlsdorf, danach meist Fußballschauen beim Nachbarn und jeden dritten Tag geht‘s ins Fitness Studio. Naja – und im Garten warte auch die ein oder andere Arbeit“, sagt der Künstler, der deutlich jünger aussieht als er ist.

Derzeit bereitet er unter anderem seine Jubiläumsgala beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) vor (16.12./20.15 Uhr). „Ich habe mir Kollegen eingeladen, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Mit allen Musikern und Sportlern interagiere ich“, sagt Schöbel. Mit dabei sind unter anderem die Rennradlegende Täve Schur, mehrere DDR-Fußball-Nationalspieler sowie die ebenfalls in der DDR großgewordenen Sänger Andreas Holm, Thomas Lück, Regina Thoss und Monika Herz.

2018 geht die „Tour de Frank“ weiter. Allerdings: Sie führt nur durch den Osten Deutschlands. Auf die Frage, ob ihn dies grämt, sagt er: „Dass wir keine Veranstaltungen im Westen haben, können Sie mir nun wirklich nicht vorwerfen. Das müssen andere beantworten. An mir liegt das nicht, obwohl es einen großen Vorteil hat: Ich muss nicht so weit fahren.“

Hat er eigentlich noch einen offenen beruflichen Wunsch?: „Ein neuer Musikfilm – lustig und nicht dumm.“