Doch aus einem Einblick in das gegenwärtige Schaffen ist unerwartet der Anspruch einer Gedenkausstellung entstanden. Gudrun Bröchler-Neumann ist nach schwerer Krankheit im August dieses Jahres verstorben (LR berichtete). Ihr Tod hat der im Umfang bescheidenen Ausstellung ein besonderes Gewicht gegeben und Erwartungen geweckt, die sie kaum befriedigen kann.

Ausdrucksstarke Porträts

Man steigt die schmale Treppe ins Obergeschoss (wo die Kunstsammlung insgesamt untergebracht ist) und steht in einem weiten Raum mit guten Lichtverhältnissen.

In nicht wenigen zurückliegenden Ausstellungen hingen hier besonders charakteristische und gelungene Arbeiten der Ausstellenden - Auftakt und Rückbesinnung.

Auch diesmal wird der Besucher überrascht von künstlerisch höchst eindrucksvollen Landschaften. Doch sie sind nicht von Gudrun Bröchler-Neumann, sondern von Harald Metzkes als Teil der ständigen Kunstsammlung. Erst im anschließenden Gang finden sich Gudrun Bröchler-Neumanns Pastelle vom Anfang der Neunziger Jahre. In drei Motiven "Wolken überm Land" werden Wolken zu bedrohlich steinernen Gebilden, die auf karges Land zu stürzen drohen.

Gegenüber hängen ausdrucksstarke Porträts von Männern und Frauen aus Kreta.

Denn dorthin zog es seit 1993 die Künstlerin, dort suchte sie sich wiederzufinden nach den existenziellen Umbrüchen wie Einbrüchen im eigenen Land. In kürzester Zeit brachte sie sich selbst Griechisch bei, suchte auf der Insel fern jeden Tourismusbetriebes die Nähe zur Ursprünglichkeit von Natur und Menschen, scheute kein Wetter und war davon überzeugt, in dieser Landschaft ihre eigenen, verschütteten Wurzeln gefunden zu haben.

Einzigartige Landschaften

Ein künstlerisch phänomenal reichhaltiges Werk mit zahlenmäßig kaum überschaubaren Pastell-Skizzen entstand, ein Material, aus dem im Atelier anschließend von elementarem persönlichen Erleben durchdrungene, in Form- und Farbfindungen einzigartige Landschaften Bild wurden.

Die Kunsthistorikerin Gerlinde Förster beschrieb diesen Prozess der Bildwerdung anlässlich einer zurückliegenden Ausstellung treffend: "Sie sucht das visuell Sichtbare, um dem Unsichtbaren in der Wirklichkeit mit ihrer künstlerischen Individualität ein Bild zu geben".

Die Senftenberger Ausstellung versucht einen Einblick in diese Landschaftsmalerei zu geben. Dass daraus bei der getroffenen Auswahl nur eine Ahnung entsteht, kann man der Ausstellung nicht zum Vorwurf machen. Die schmalen Gänge haben einfach kein Licht, um diese mit selbst gefertigten Erdfarben geschaffenen Pastelle zum Leuchten zu bringen - es sei denn, man hätte den erstgenannten Raum dafür genutzt.

Frühe Arbeiten

Die schon frühe Beziehung der Künstlerin zur vor Jahrzehnten neu eingerichteten Kunstsammlung Lausitz wird abschließend dokumentiert mit drei frühen Sammlungs-Arbeiten aus den siebziger Jahren, darunter ein Selbstbildnis und eine Auftragsarbeit - die Figur einer Schwangeren - aus den späten achtziger Jahren. Eine Vitrine enthält einen unbedingt lesenswerten Erlebnisbericht aus Kreta, ein Büchlein mit Texten, Gedichten und Zeichnungen der Künstlerin und eine Reihe plastischer Studien in Speckstein.

Die Ausstellung ist ein Versuch, einen Einblick in ihre Malerei zu geben. Doch der Blick ist allzu eingeengt. Eine dem Gesamtwerk verpflichtete Gedenkausstellung - wo auch immer - steht noch aus.

Zum Thema:
Gudrun Bröchler-Neumann wurde 1934 in Freital/Hainsberg geboren. Sie erhielt eine Ausbildung als Porzellanmalerin und ging danach zum Studium der Wandmalerei bei den renommierten Künstlern Erich Fraaß und Heinz Lohmar an die Hochschule für bildende Künste in Dresden. Nach erfolgreichem Studium arbeitete sie freischaffend in Lübbenau, Cottbus und Sellendorf, wo sie seit 1976 ansässig war.Ausstellung in Senftenberg bis 5. Januar 2014, Öffnungszeiten: November von Dienstag bis Sonntag 13 bis 16 Uhr, vom 7. Dezember bis 5. Januar täglich 10 bis 18 Uhr( 24. und 31.12. geschlossen)