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| 15:13 Uhr

Großartiges Finale
Lust auf weitere Steinway-Konzerte

Das Weimarer Klavierquartett mit Astrid Schütte (2. v. l.) als Gast beim Abschlusskonzert des diesjährigen Finsterwalder Kammermusikfestivals.
Das Weimarer Klavierquartett mit Astrid Schütte (2. v. l.) als Gast beim Abschlusskonzert des diesjährigen Finsterwalder Kammermusikfestivals. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Das Finsterwalder Kammermusikfestival hat mehr als 1000 Besucher in die Sängerstadt gelockt. Von Jürgen Weser

Ein großartiges Finale des 8. Finsterwalder Kammermusikfestivals begeisterte das Publikum. Das Weimarer Klavierquartett mit Astrid Schütte als Gast spielte in der Trinitatiskirche Edvard Griegs unvollendetes Klavierquintett B EG 118 in der Vollendung durch Michael Finissy und dazu mit Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 eines der bekanntesten und meistgespielten Kammermusikstücke überhaupt.

Ein besonderes Erlebnis war das Konzert für Johanna Zmeck vom Weimarer Klavierquartett und als Mitorganisatorin des Festivals. Sie spielte auf einem hochwertigen Steinway-Flügel, mit dessen Klang sich die Pianistin beglückte und das Publikum verzauberte. Finsterwalder Kulturfreunde möchten ein solches Instrument, das diesmal von einem Förderer ausgeliehen worden war, in der künftigen Stadthalle stehen haben. Dafür sammelt der Förderverein der Stadthalle K3 Geld und hat bereits knapp 50 000 Euro beisammen.

Das Weimarer Klavierquartett plus 1 konzertierte neben Johanna Zmeck mit Barbara Seifert, Astrid Schütte (beide Violine), Jakob Tuchscherer (Viola) und Nassib Ahmadieh (Cello). Zu Beginn des Konzertes waren 200 Takte Grieg zu hören, dann machten die fünf Musiker die hervorragende, 120 Jahre später geschaffene Ergänzung des Grieg-Torsos durch Finissy in Einheit mit Edvard Griegs Komposition und gleichzeitig als bewussten Bruch dazu deutlich hörbar.

Bestens instrumental aufeinander abgestimmt, entwickelten die fünf Musiker eine kreative Reise zur von Finissy so gewollten Kammersinfonie in allen Schattierungen. Finissy, so Musikkritiker, sei hier eine besondere Liebeserklärung an Edvard Grieg gelungen.

Dem Weimarer Klavierquartett plus 1 gelang als Stammensemble beim Finsterwalder Festival eine adäquate Liebeserklärung mit besonders sensiblem wie temporeichem Spiel.

Reges Leben sei in dem Stück, urteilte Robert Schumann über das von ihm 1842 „im schwärmerischen Schaffensrausch“ komponierte Klavierkonzert Es-Dur op. 44. Das ist kein Wunder, schließlich war das Quintett seiner Frau Klara zum 24. Geburtstag gewidmet, die es auch zur Premiere 1843 in Leipzig am Klavier zu Gehör brachte. Diesmal entlockte Johanna Zmeck dem Steinway-Flügel im Kirchenschiff voluminös und verspielt aufsteigende Töne, perfekt von kraftvoll-dramatisch über getragen-marschmäßig bis fröhlich temporeich und stimmungsvoll im Allegro ma non troppo gespielt. Dabei gelang es den Streichinstrumenten, entsprechend und punktgenau-einfühlsam zu begleiten und eigene Akzente zu setzen. „Auf einem solchen Instrument spielen zu dürfen, ist ein Geschenk“, jubilierte Johanna Zmeck und schenkte mit ihren Musikerkollegen dem begeistert applaudierenden Publikum einen Haydn-Satz als Zugabe.

Den Festivalorganisatoren Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh ist es gelungen, innerhalb von acht Jahren mit tatkräftiger Unterstützung durch die Stadt und zahlreicher Förderer die Kammermusik mit hochwertigen Konzerten junger Ensembles und Solisten in der Sängerstadt nachhaltig zu etablieren. Das achte Festivaljahr mit dem Komponisten Edvard Grieg als zentralem Komponisten für alle Konzerte ist das bisher erfolgreichste mit mehr als 1200 Besuchern.

Die sechs Konzerte im Normalprogramm waren ausverkauft oder sehr gut besucht, die Neuerung Kammermusik junior mit drei Konzerten, gestaltet durch Musikschultalente, wurde gut angenommen, und die zwei Kinderkonzerte für Grundschulen waren bestens gebucht.

Besonders freute die Organisatoren, dass der norwegische Liederabend mit Griegs Liederzyklus „Haugtusse“ (Bergfee) ein besonderer Erfolg war. Die Sängerstadt Finsterwalde hat sich zur Stadt der Kammermusik gemausert. Die nächsten Jahre braucht man keine Bange um den Bestand des Kammermusikfestivals zu haben.