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27. Filmfestival Cottbus
Die  Sorgen und das Hoffen

Und gleich legt Sandow los. Die Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin  Momo Kohlschmidt moderierte die Eröffnungsveranstaltung im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus.
Und gleich legt Sandow los. Die Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin Momo Kohlschmidt moderierte die Eröffnungsveranstaltung im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der neue Spreewaldkrimi funktioniert. Vier weitere Spielfilme starten im Wettbewerb. Peter Blochwitz

  Wir sind mittendrin im  27. Filmfestival Cottbus, die ersten vier Spielfilme im Hauptwettbewerb liefen am Mittwoch, weitere vier starten am heutigen Donnerstag.

Offiziell eröffnet worden war das Festival am Dienstag von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der auch Festival-Schirmherr ist. Zur Eröffnung gab’s mit dem  zehnten Spreewaldkrimi „Zwischen Tod und Leben“ gleich eine Filmpremiere.  Hauptdarsteller Christian Redl erklärte augenzwinkernd, er habe das Gefühl, so langsam mit der Spreewaldlandschaft zu verwachsen. Für Co-Star Thorsten Merten wiederum war der Abend ein Wiedersehen mit Cottbus: Vor knapp 20 Jahren spielte er am Staatstheater  im Olsenbande-Stück. Und gestand, sich die Premieren seiner Filme gar nicht ansehen zu können. „Das mache ich nach drei Jahren“, erklärte er schmunzelnd gegenüber der RUNDSCHAU. „Dann kann ich sagen: Wie schlecht war ich doch damals. Und heute bin ich ja besser . . .“ Aber neugierig war Merten  doch: „Hat der Film funktioniert?“

Er hat. Er kam ein bisschen schwer in die Gänge, der Zuschauer muss die verschiedenen Handlungsebenen zunächst begreifen. Dabei ist es hilfreich, die vorherigen Spreewaldkrimis zu kennen, da „Zwischen Tod und Leben“ darauf Bezug nimmt.  Aber ein Kommissar, der im  Koma seinen persönlich Fall löst, während er von einem Toten durch die Fließe gestakt wird – das hat was und passt ausgezeichnet zum   Spreewaldkrimi mit seiner mystischen Ader.

Mystik verbreitete auch die Band Sandow, die diesmal den musikalischen Part der Eröffnungsveranstaltung bestritt. Sandow stellte Titel aus der neuen CD „Entfernte Welten“ vor. Und zwar mit Wucht! Mit einer Wucht, die das Publikum in die Sessel drückte. Leider war Sänger Kai-Uwe Kohlschmidt dabei nur schwer zu verstehen.

Von der Mystik zu den Fakten: Insgesamt bietet das Festival in diesem Jahr acht Weltpremieren, 25 internationale Premieren und 85 Deutschland-Premieren. Rund 200 Filme aus 42 Ländern werden zu sehen sein – mit einer Gesamtlaufzeit von 217 Stunden,  berichtete Momo Kohlschmidt, die Moderatorin der Eröffnungsveranstaltung.

Schirmherr Woidke sprach dann von Cottbus als der  stolzen und weltoffenen Kinohauptstadt Brandenburgs und erklärte: „Das Filmfest schlägt Brücken zwischen West und Ost. Denn es ist wichtig, dass die Gesellschaften einander verstehen und sich zu verständigen lernen. Gerade hierfür leistet die Arbeit der Filmschaffenden – ihre Kunst, Hoffnung und Sorge der Menschen zu reflektieren und auf die Leinwand zu bannen – einen wertvollen Beitrag.“

Hoffnungen und Sorgen der Menschen: In dem russischen Wettbewerbsspielfilm  „Ein Kopf. Zwei Ohren“ des   Independent Regisseurs Vitaly Suslin wird der junge  Ivan  in der tiefsten  Provinz  von einem Fremden angesprochen: Ob er sich nicht einen Job in der Großstadt vorstellen könnte? Ivan ist begeistert, wird für kriminelle Machenschaften eingespannt, schließlich aber eiskalt abserviert. Was tun? Allein in der fernen Stadt, ohne Job, ohne Wohnung, ohne Geld? Nun, der Bauernjunge ist zwar zunächst naiv, lernt aber schnell . .  Der Film läuft am heutigen Donnerstag um 14.30 Uhr in der Stadthalle Cottbus und am Freitag um 17 Uhr im  Cottbuser Weltspiegel.

„Breaking News“:  Bei einem Einsatz stirbt ein Kollege des Sensationsjournalisten Alex. Im Auftrag des TV-Senders, der im Kampf um Einschaltquoten über Leichen geht, fährt Alex zur Familie des Kameramanns. Es ist kurz vor Weihnachten, dem Sender käme  ein Bericht über die trauernde Familie gerade recht. Aber der Reporter  stellt sein eigenes Handeln zunehmend infrage. Welche Konsequenz wird er ziehen? Der Film der jungen  Regisseurin  Iulia Rugina aus Rumänien ist heute, 17 Uhr, in der Stadthalle und am Freitag, 15 Uhr im Weltspiegel zu sehen.

Mit  „I’am a Killer“ geht Regisseur Maciej Pieprzyca ins kommunistische Polen der 70er-Jahre zurück. Ein Serienkiller treibt sein Unwesen. Endlich gelingt dem  jungen Kriminalkommissar eine Festnahme, er wird als Held gefeiert. Staat und Partei wollen eine schnelle Verurteilung. Korrumpiert durch die Privilegien des Regimes, vertuscht  der Kommissar Fahndungsfehler . .  In dem Thriller wird sehr viel geraucht, es fließt nicht minder viel Wodka. Heute, 19.30 Uhr, Stadthalle und morgen, 10 Uhr, Weltspiegel.

Der vierte Wettbewerbsfilm, der heute ins Rennen geht, ist „Black Level“ von  Valentyn Vasyanovich aus der Ukraine:  Ein Fotograf, dem man seine bald 50 Jahre zwar noch nicht ansieht, aber irgendwie doch anmerkt. Er hat keine Lust auf die 50. Man schaut ihm bei seinen täglichen Verrichtungen zu, bei der Arbeit, im Haushalt, beim Sex im Auto, beim Klettersport. . .  Melancholie legt sich zunehmend über diesen Film. Seine Besonderheit: Es sind zwar Geräusche zu hören, aber keine Dialoge. Läuft prima!  Heute, 22 Uhr Stadthalle und morgen, 12.30 Uhr, Weltspiegel.

Trailer von den Festivalfilmen kann man sich ansehen unter

Fotos vom Festival:

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Filmfestival 2017 - Logo - sw FOTO: Filmfestival Cottbus / LR