Es prickelt, es fesselt, es fasziniert: Verschiedenste Töne hallen aus den Proberäumen. Die Nervosität ist greifbar. Schüler, Eltern und Lehrer huschen emsig auf den Fluren im Cottbuser Konservatorium vorbei. Das Lampenfieber ist auch am Freitag bei allen Protagonisten im Haus zu spüren, die in irgendeiner Form an diesem 54. Landeswettbewerb "Jugend musiziert" mitwirken.

Im Fokus stehen Wertungsspiele von Klavier, Blechbläsern und einem eher außergewöhnlichen Instrument: der Harfe. Elf- bis 21-Jährige dürfen sich dabei in unterschiedlichen Altersklassen mit einem jeweils rund 15-minütigen Beitrag präsentieren. Alles unter den Augen einer vierköpfigen Jury, bestehend aus Meistern des Fachs, die ebenfalls Harfe spielen.

Der zarte Klang beeindruckt die Zuhörer immer wieder. Noch faszinierender ist die filigrane Fingertechnik beispielsweise von Friederike Müller oder Serafina Jaffé, die dem Instrument mehr als nur eine würdige Beachtung schenken.

Friederike spielt Harfe seit der fünften Klasse, inzwischen ist sie 17 Jahre. Und damit fast sieben Jahre an dem Instrument dabei. Auch das Klavier- und Orgelspiel haben es der Schülerin aus Ressen am Schwielochsee (Landkreis Dahme-Spreewald) angetan. Zweifellos übt die Harfe aber eine besondere Faszination aus, die sich aus ihrer Zueignung als Himmelsinstrument oder wegen ihres feinen, oft als sphärisch bezeichneten Klangs und nicht zuletzt aufgrund ihres ausgesprochen edlen Aussehens herleitet. Die Darbietungen sind an diesem Freitag allesamt verträumt und verzaubernd, intensiv und harmonisch, perlend und prickelnd.

"Man spürt zwischendurch schon, ob es gut wird", sagt Friederike unmittelbar nach ihrem Auftritt. Soeben hat sie eine Sonate von John Parry auf die Bühne gezaubert und das schwierige "Absidioles" von Bernard Andres gemeistert. Ihre Aufregung hielt sich in Grenzen. "Mir macht es einfach Spaß auf der Bühne", so die 17-Jährige.

Zur Vorbereitung auf solch einen Wettbewerb dient das gesamte Schuljahr. Schafft man beim Regionalwettbewerb die Qualifikation zum Landeswettbewerb, hat man dort die Chance auf das Bundesfinale. Unterstützt wird Friederike bei den Proben und Konzerten von ihrer Familie. "Wir sind ein eingespieltes Team. Ich bin allen dankbar, dass es so gut funktioniert", sagt die Schülerin.

Auf das Instrument gekommen ist Friederike bei einer Familienvorstellung am Staatstheater Cottbus, wo verschiedene Instrumente präsentiert und die Familien mit ihrem Nachwuchs neugierig auf das Musizieren gemacht werden. Obwohl sie an der Harfe sichtlich Spaß hat und auch die entsprechende Qualität mitbringt, soll es ein Hobby bleiben. "Ich werde es später nicht zum Beruf machen", sagt Friederike.

Der Wettbewerb "Jugend musiziert" findet noch bis Samstagabend in Cottbus statt. Das Bundesfinale steigt dann vom 1. bis 8. Juni in Paderborn.

Zum Thema:
Friederike Müller, Larissa Klaus und Juliette Maulbrich vom Konservatorium Cottbus erzielten mit der Harfe je einen ersten Preis. Viele weitere Preise gingen an den ersten beiden Wettbewerbstagen nach Cottbus und die Musikschulen der Region. Die Harfe als Saiten- bzw. gemäß der Tonproduktion als Zupfinstrument ist weltweit verbreitet. Heute weiß man, dass es schon 4000 vor Christus, also vor über 6000 Jahren, Harfen in Ägypten gab. Im nördlichen Europa erschienen die ersten Harfen in Irland um etwa 800 nach Christus. Im Mittelalter war die Harfe so beliebt, dass sie sogar in das irische Landeswappen aufgenommen wurde. Auch heute noch sieht man die Harfe auf der Rückseite der irischen Euro- und Centmünzen.