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"Feuerwerk ist große Kunst"

Feuerwerk vor atemberaubender Kulisse gibt es am Samstag, 22. Juli, an der F60 in Lichterfeld.
Feuerwerk vor atemberaubender Kulisse gibt es am Samstag, 22. Juli, an der F60 in Lichterfeld. FOTO: Sattler/sam1
Lichterfeld. Am 22. Juli finden in Lichterfeld die "Pyro Games" statt. leu1

Einer der Feuerwerker und seit Jahren regelmäßiger Gewinner des Wettbewerbs ist Jürgen Matkowitz. Vor seiner Karriere als international erfolgreicher Pyrotechniker war er in der DDR Chef der Hardrockband Prinzip, die damals die einzige Pyro-Laser-Bühnenshow im Osten bot. Ein Gespräch über seine Raketenbau-AG in der Schule, seinen Berufskollegen Till Lindemann von Rammstein, und was der Philosoph Adorno mit Feuerwerks-kunst zu tun hat.

Herr Matkowitz, waren Sie schon als Kind pyrobegeistert?
Matkowitz Ja, schon in der Schule in Leipzig hatte ich als Mitglied einer Arbeitsgemeinschaft Raketen gebaut. Die flogen auch richtig. Ich war ein echtes Chemie-Ass und kann, ihnen noch heute die Formeln aller Mischungen nennen. Passiert ist übrigens nie was bei meinen Feuershows. Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch, wenn der Wind nicht stimmt, mache ich kein Feuerwerk. Man darf den Respekt vor den Elementen nicht verlieren.

Sie zitieren gern den Philosophen Adorno, wonach Feuerwerk die perfekteste Form der Kunst sei. Wo sehen Sie persönlich im großen, bunten Knallwerk die Poesie?
Matkowitz Die entsteht für mich durch den Einklang mit der Musik und dadurch, dass ich wie ein Maler den Himmel bemalen kann. Die Zuschauer sind immer wieder richtig angerührt durch die Kombination von Laser- und Pyroshow. Bei den "Pyro Games" kommt einerseits Musik vom Band, die meistens von meiner Frau komponiert wurde und in Richtung Filmmusik geht. Andererseits untermale ich die visuelle Show teilweise auch live auf der E-Gitarre.

Ältere Musikfans kennen Sie noch als Gitarristen von Prinzip. Die bekannteste Hardrock-Band der DDR in den 1970ern und 1980ern hatte einen legendären Ruf wegen ihrer Pyro-Laser-Show. Wie kamen Sie in der DDR an die teure Technik?
Matkowitz Wir spielten damals oft in der Sowjetunion, wo wir so bekannt waren wie die Puhdys in der DDR. Nie unter 65 Konzerte pro Tour und das in Hallen ab 10 000 Leute. Als wir zufällig mal bei einem Konzert der berühmten Schlagersängerin Alla Pugatschowa vorbei guckten, sahen wir eine Show mit Laserstrahlen! Ich war baff. Kolja von der Band erklärte mir, dass es ein Laser aus russischer Produktion war. Eigentlich fürs Militär, aber die hatten sie auch zur Orientierung für Flugzeuge auf Landebahnen und für Schiffe unter Brücken eingesetzt. An die Dinger ranzukommen, ging eigentlich gar nicht. Aber irgendwie ging es dann doch.

Und wie?
Matkowitz Wir mussten natürlich ordentlich Geld auf den Tisch legen, über 50 000 Ostmark. Als unser Bandsänger "Bummi" Bursi die Summe hörte, hat er seine Beteiligung gleich zurückgezogen. Ich habe Kolja das Gerät abgekauft, und so wurden wir die einzige DDR-Band mit einer Lasershow.

Wie finden Sie die Rammstein-Mischung aus Rock und Pyro?
Matkowitz Ich habe sie letztes Jahr in der Berliner Waldbühne gesehen. Tolle Show, und die Musik ist auch gut. Ich kenne ja die Musiker von früher, und vor einigen Jahren habe ich für Rammstein auch mal eine Lasershow gemacht, als sie beim Bikertreffen in Biesenthal spielten.

Rammstein-Sänger Till Lindemann ist ebenfalls ausgebildeter Pyrotechniker. Tauscht man sich da aus?
Matkowitz Nein. Till muss zwar auch alle fünf Jahre zur Nachprüfung, aber wir sind nicht im selben Prüfungs-Turnus. Außerdem kann man das, was wir machen, schwer vergleichen. Bei Rammstein geht es mehr um Bühnenpyro, bei mir mehr um Höhenfeuerwerk. Bei ihnen ist die Pyro mehr Beiwerk zur Musik, bei mir ist es umgekehrt. Ich lasse die Musik zum Feuerwerk aus der Konserve abspielen, während ich bei den Lasershows zum Halbplayback live Gitarre spiele. Kein Prinzip-Medley, sondern zum Beispiel Tschaikowskys "Nussknacker", die "Zauberflöte" oder Carmina Burana. Eben viel klassische Musik, das kommt durch meine häufige Zusammenarbeit mit Orchestern.

Wie schafft man es, die Musik und das Feuerwerk sekundengenau zu synchronisieren?
Matkowitz Das ist tatsächlich die große Kunst, ansonsten wäre es ja nur wie Silvester. Ich berechne alles, einschließlich des Schalls, am Computer und programmiere den Laser und den Flammenprojektor exakt auf die Musikeinspielung.

Mit Jürgen Matkowitz

sprach Gunnar Leue

Jürgen Matkowitz an seinem Arbeitsplatz.
Jürgen Matkowitz an seinem Arbeitsplatz. FOTO: Gunnar Leue/leu1