Noch nicht weg, noch nicht da: Das Kunstmuseum sitzt zwar nicht auf gepackten Kisten, aber die Räumlichkeiten haben sich bereits in eine Art Wartehäuschen verwandelt - der Zug zum Dieselkraftwerk ist gebucht. Die Existenz in einer Auf- und Umbruchssituation ist für das Haus nichts Neues.
1977 wurde die Galerie Kunstsammlung als ausgegliederte Abteilung des Bezirksmuseums Branitz gegründet. Initiatoren waren unter anderen Günther Friedrich, Rudolf Graf, Dieter Dressler und Kurt-Heinz Sieger vom Künstlerverband des Bezirkes. Das Ziel, so urteilt Kustos Jörg Sperling, ein Doppeltes: einerseits der örtlichen und regionalen Kunst ein Forum zu bieten, andererseits das Kulturschaffen im Sinne der DDR-Obrigkeit zu kontrollieren.
Prägend über die sozialistische Ära hinaus war Heinrich Schierz, der das Museum als Nachfolger des kommissarischen Leiters Frank Schmieder ab 1978 als Direktor übernahm und in die Eigenständigkeit führte. Unter seiner Regie wurde es 1984 zu Staatlichen Kunstsammlungen Cottbus aufgewertet und 1991 als Brandenburgische Kunstsammlungen in den Rang eines Landesmuseums gehoben. Schierz und seine Mitarbeiter trafen inhaltliche Entscheidungen, die bis heute richtungsweisend sind: Sie begannen 1979, Fotografie und Plakatkunst zu Schwerpunkten der Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit zu machen.
Das Kunstmuseum gilt seit jeher als experimentierfreudig. Sicherlich habe es vor allem offizielle Kulturströmungen repräsentieren müssen, sagt Jörg Sperling, der seit 1986 in der Spremberger Straße tätig ist. Doch die inhaltlich Verantwortlichen hätten versucht, „Grenzen hinauszuschieben“ , „Räume zu erweitern“ oder „das Machbare zu testen“ .
Die im Vergleich zu Berlin, Dresden und Leipzig provinzielle Lage in der Lausitz war ein Vorteil. Dem allzu aufmerksamen Blick der Kulturobrigkeit entrückt, erlaubte sich das Haus, vom enggefassten Leitbild eines sozialistischen Realismus abzuweichen - so fanden neo-expressionistische Bilder von Hans Scheuerecker, Walter Libuda oder Johannes Heisig sowie ungegenständliche Malerei von Hermann Glöckner oder Herbert Kunze - um nur einige Künstler zu nennen - in Cottbus ihre museale Heimat. „Entscheidend war die künstlerische Qualität“ , blickt der inzwischen 73 Jahre alte Heinrich Schierz zurück. Es habe keine thematischen und formalen Einschränkungen gegeben.
Ab 1991 übernahmen nacheinander Schierz' ehemalige Stellvertreter Ullrich Wallenburg und Reinhild Tetzlaff die Führung der Sammlungen, blieben aber nur kurze Zeit. Seit 1994 ist Perdita von Kraft als Direktorin im Amt, sie hat eine inhaltliche Neuausrichtung des Museums vorgenommen. Die Themen Raum und Landschaft stehen nun zusätzlich im Fokus. Ausstellungen blicken über die Bespiegelung der Region und Ostdeutschlands hinaus auf die nationale und internationale Kunstszene. „Ein Landesmuseum hat die Kunst des Landes zu repräsentieren und sich mit anderen Landesmuseen zu messen“ , ist die Devise der Chefin. Die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit sind nicht die einfachsten. Zu DDR-Zeiten stand laut Heinrich Schierz ein jährlicher Ankaufsetat von bis zu 350 000 Mark zur Verfügung. Und die Kunstpreise waren niedrig. Perdita von Kraft hat allenfalls einen kleinen fünfstelligen Eurobetrag zur Hand - dafür bekommt man auf dem aktuellen, sich hysterisch gebärdenden Markt gerade mal ein größeres Format eines international beachteten Nachwuchskünstlers. Die Besucherzahlen lagen bis 1989 bei über 31 000 Gästen im Jahr, nun sind es unter 19 000.
Um die Jahrtausendwende stellten Sparzwänge die Existenz des Museums infrage. Die rechtliche und personelle Verschmelzung mit dem Cottbuser Staatstheater in der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus war insofern eine Notlösung. In der zweiten Jahreshälfte soll der Umzug ins Dieselkraftwerk - ein lang gehegter Wunschtraum der Direktorin - Wirklichkeit werden. Damit tritt das Kunstmuseum die Flucht nach vorne in größere Räumlichkeiten an. Werden sie ein größeres Publikum anlocken?
Das Potenzial dazu ist da. Die Sammlung birgt wichtige deutsche Werke der klassischen Moderne und der DDR-Malerei, insbesondere Arbeiten von Carl Lohse und Clemens Gröszer. Die Picasso-Ausstellung 1998 führte zu einem Besucheransturm. In den letzten Jahren konnte das Museum einige interessante zeitgenössische Arbeiten erwerben. Perdita von Kraft verweist auf ein solches Schaustück: das Bild „Candy Station“ von Klaus Hartmann. Es ist in der aktuellen Ausstellung „Ein letztes Wiedersehen in der Sprem“ zu sehen. Hartmanns Gemälde könnte symbolisch für die Lausitz stehen. Es zeigt ein verlockend buntes Bahnwärterhäuschen inmitten einer noch wüsten Seelandschaft. Die Schranken stehen offen. Wer weiß, wohin die Reise geht.

Termine Das Jubiläumsprogramm
 Am Montag widmet sich die Reihe „Bildgeflüster“ ab 19.30 Uhr Günther Brendel und seinem Werk. Am Dienstag, 16.30 Uhr, findet eine Führung durch die Ausstellung „Gartenträume - Plakatkunst von Mucha bis Staeck“ statt. Zum Frauentag am Mittwoch ist für 17.30 bis 20 Uhr ein Keramikworkshop angekündigt. Höhepunkt der Festwoche ist der Jubiläumsempfang am Freitag, ab 17 Uhr. Am Sonntag, 11. März, führt Jörg Sperling ab 16 Uhr durch die Schau „Ein letztes Wiedersehen in der Sprem“ .