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| 17:08 Uhr

Neuorientierung
Festspielhaus Hellerau macht mit neuer Chefin wieder mehr Musik

Das Europäische Zentrum der Künste Hellerau bringt die Musen wieder ins Gleichgewicht.
Das Europäische Zentrum der Künste Hellerau bringt die Musen wieder ins Gleichgewicht. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Dresden. ( Das Europäische Zentrum der Künste im Dresdner Festspielhaus Hellerau verschiebt Akzente seiner bisherigen Arbeit. Während bislang der zeitgenössische Tanz eine dominierende Rolle spielte, ist er nun Musik, Theater und Performances gleichgestellt.

Die neue Intendantin Carena Schlewitt sprach am Mittwoch bei der Präsentation ihrer ersten Spielzeit von einem „Haus der Vielfalt und Vielseitigkeit“. Unter dem Motto „Geschichten - Kunst - Katastrophen“ soll es unter anderem um Geschichte sowie um Lebensentwürfe in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche gehen. Im Herbst ist ein Festival des aktuellen polnischen Theaters geplant.

Einige Linien ihres Vorgängers Dieter Jaenicke will Schlewitt weiterführen. Dazu gehören das Musikfestival „Tonlagen“ und Kooperationen mit der freien Szene in Dresden. Die Dresden Frankfurt Dance Company hat wie bisher eine Residenz in Hellerau. Die langjährige Zusammenarbeit mit der russischen Tanztheatercompagnie Derevo setzt Schlewitt aber nicht fort. „Für uns war es wichtig, das Haus für neue Ensembles und Stimmen zu öffnen“, sagte die Intendantin. Einen wesentlichen Fokus wolle man in den kommenden Jahren auch auf den Nachwuchs setzen. Die Stadt kündigte unterdessen eine weitere Förderung von Derevo in einer anderen Spielstätte an.

Mehr als bisher spielt die Musik im Hellerau-Konzept eine Rolle. Musiker der Staatskapelle Dresden sollen fortan bei der Reihe „Happy New Year“ das neue Jahr mit neuer Musik einleiten. Außerdem ist eine Konzertserie für zeitgenössische Kammermusik geplant. Als Partner der Kulturstiftung des Bundes ist Hellerau Gastgeber für den „Tanzkongress 2019“. Erste Premiere ist am 14. September das Stück „Krieg und Terpentin“ nach dem gleichnamigen Buch von Stefan Hertmans. Dabei widmet sich die belgische Needcompany menschlichen Schicksalen im katastrophenreichen 20. Jahrhundert. Am 21. September bekommt der Jazzdrummer Günter „Baby“ Sommer zum 75. Geburtstag ein Ständchen. Dann tritt er im Duo mit dem Trompeter Till Brönner auf. Das Festspielhaus Hellerau entstand 1911/12 nach einem Entwurf von Heinrich Tessenow. Der Schweizer Komponist Émile Jaques-Dalcroze gründete hier eine Bildungsanstalt für Rhythmus und Bewegung und machte den Vorort von Dresden bekannt. Aus ganz Europa kamen Gäste, unter ihnen Franz Kafka, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Sergej Rachmaninow und Upton Sinclair. Der Erste Weltkrieg beendete die glorreichen Zeiten. Später nutzte es unter anderem das Militär. 2006 wurde es nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnet.

(dpa)