Es erklangen das Doppelkonzert für Violine und Violoncello des norddeutschen und eine "Festliche Ouvertüre" sowie die 6. Sinfonie des russischen Meisters. Die obligatorische Uraufführung kam aus Japan.

Hiroyuki Itoh nannte sein kleines feines Werk "A Chant from the East". Der zerbrechliche und undefinierbare Klang von Vierteltönen bestimmte den elegischen Gesang aus dem Osten. Getragen von einem zarten Klangteppich der Streicher verlor sich die solistische Oboe in eine zart fortgesponnene, innige Melodie. Hiroyuki Itoh hatte mit seinem Werkchen einen Nerv des Publikums getroffen; der Beifall für das kurze Stück war ungewöhnlich herzlich.

Am Anfang des Konzerts stand eine Kuriosität, die "Festliche Ouvertüre" op. 96 von Dmitri Schostakowitsch. Das Stück beginnt mit einer knalligen Fanfare. Was dann folgt, ist billigstes russisch-folkloristisches Tongeklingel. Es mutet an, als hätte irgendjemand Stravinskis "Petruschka" für den Musikantenstadl bearbeitet. Dass Dmitri Schostakowitsch, dem selbst für Operette, Filmmusik, Kinderlied oder einen kleinen Walzer Geniales einfiel, eine derart hohl lärmende Musik verzapfte, muss eine außermusikalische Ursache haben. Lew Nikolajewitsch Lebedinski, sowjetischer Musik-Funktionär und wahrlich kein Freund Schostakowitschs, erinnert sich an die Entstehung dieser für den 37. Jahrestag der Oktoberrevolution komponierten Ouvertüre. Der Dirigent des Bolschoi-Theaters habe kurz vor dem Termin kein passendes Stück bei der Hand gehabt und Schostakowitsch flehentlich gebeten, ihm aus der Klemme zu helfen. Schostakowitsch sagte zu. "Die Geschwindigkeit, mit der er schrieb, war wirklich erstaunlich. Zudem konnte er sich, während er Unterhaltungsmusik schrieb, unterhalten, scherzen und gleichzeitig komponieren - wie der legendäre Mozart. Er lachte und kicherte, derweil ging die Arbeit weiter und die Musik wurde notiert. Nach ungefähr einer Stunde rief der Auftraggeber an: ,Hast du etwas fertig für den Kopisten? Sollen wir einen Kurier kommen lassen?' Es gab eine kurze Pause und Dmitri antwortete: ,Schick ihn her'."

Es ist offensichtlich ein Spott, den sich Schostakowitsch mit der "Festlichen Ouvertüre" erlaubt hat. Marc Niemann und das Philharmonische Orchester zogen sich sozusagen mit ungerührten Mienen aus der Affäre.

Schostakowitschs 6. Sinfonie schien einen ganz anderen Komponisten zu offenbaren. Schon die Gliederung der Sinfonie mit einer langen Largo-Eröffnung, der zwei schnelle kurze Sätze folgen, ist außergewöhnlich. Mit einem markanten dunklen Streicher-Unisono beginnt das Werk ernst und voller Pathos. Danach entspinnt sich ein ganz und gar subjektiver innerer Monolog. Man folgt ihm und die Fantasie malt ein ganzes Lebensbild mit Qualen und Unentrinnbarkeiten, mit einer herzzerreißenden Sehnsucht nach einer Leichtigkeit des Seins. Man vermeint eine Flucht in eine andere Welt hören; die Celesta gibt den "himmlischen" Ton dazu. In dem langen und langsamen Stück hat es Marc Niemann verstanden, die Spannung zu halten und mit dem Orchester glanzvolle Farben zu kreieren. Im ersten der schnellen Sätze ließ Schostakowitsch sein immer wieder erschreckendes gellend fratzenhaftes Gelächter hören, im zweiten dagegen wirkliche Heiterkeit, gewürzt mit einem herrlich schrägen Violinsolo.

Zwei junge Musiker, der Geiger Erik Schumann und der Cellist Dimitri Maslennikow, waren die Solisten im Doppelkonzert a-moll von Johannes Brahms. Nachdem das Orchester im Eröffnungssatz kurz das Hauptthema anspielt, haben beide Solisten erst einmal Gelegenheit zu einer ausdrucksstarken Solokadenz. Das Cello legt los und Maslennikow wühlte sich geradezu in sein Instrument hinein. Erik Schumann antwortete etwas eleganter aber auch er ist ein von dem legendären russischen Violinpädagogen Sachar Bron geprägter, sehr intensiv aufspielender Musiker. Beide veranstalteten ein Festival klanggesättigter Töne auf ihren wunderbaren Instrumenten, atmeten im gleichen Rhythmus, ließen im 2. Satz Brahms' schöne Melodie ungehindert strömen und verliehen dem hüpfenden Rondo-Thema des Finales die gehörige Portion des Brahmsschen grimmigen Humors. Die große Musizierlust der beiden Solisten erwies sich noch einmal in der typischen Doppelkonzert-Zugabe, der Bearbeitung einer Händel-g-Moll-Passacaglia von Johan Halvorsen. Der Jubel war groß.