| 18:16 Uhr

Fernab von jeglichem Voyeurismus

Uta Kilian-Moes: "Öffnungen" sorgen für Neugier.
Uta Kilian-Moes: "Öffnungen" sorgen für Neugier. FOTO: Gabi Zahn/gzn1
Berlin/Schlieben. Im repräsentativsten "Schaufenster" des Landes Sachsen-Anhalt in Berlin – es ist das Gebäude der Landesvertretung – ziehen noch bis Mai Kunstfotografien von Uta Kilian-Moes interessierte Blicke auf sich. Der größte Teil stammt aus ihrem Buch "Öffnungen". Gabi Zahn

"Die Fotografien von Uta Kilian-Moes - sie ist in Schlieben (Landkreis Elbe-Elster) aufgewachsen - sind keine Schnappschüsse, sondern inszenierte Bildnisse, von denen einige fast wie Gemälde anmuteten." So bekundet Staatssekretär Dr. Michael Schneider (CDU). Als Hausherr jenes Gebäudes, das zu DDR-Zeiten als Künstlerclub "Möwe" bekannt war und in dem seinerzeit unter anderen Bertolt Brecht, Helene Weigel, Hans Eisler, Sophia Loren, Gustav Gründgens und Hans Albers ein und aus gingen, freut er sich, erste Besucher begrüßen zu können. Schneider bezeichnet die Arbeiten von Kilian-Moes fernab von jeglichem Voyeurismus als "Ergebnisse sehr persönlicher Begegnungen zwischen der Fotografin und den porträtierten Menschen." Achtungsvoll und wertfrei seien Frauen, Männer und Kinder abgelichtet.

"Bauchgefühl"

Uta Kilian-Moes fühlt sich von diesen Worten verstanden und bemerkt: "Es hat mitunter mehrere Anläufe gebraucht, bis der Raum offen genug war, das jeweilige Bild entstehen zu lassen. Jeder sollte selbst bestimmen, wie und in welcher Umgebung er sich ablichten lassen will." Quer durch Brandenburg, Sachsen-Anhalt und andere Bundesländer habe sie Menschen "aus dem Bauchgefühl heraus" angesprochen, um sie zum (Mit-)Gestalten ihrer Fotografie zu bewegen. Deren Namen und Wohnorte blieben für die Öffentlichkeit jedoch anonym: "So wurde es vereinbart. Es geht nicht darum, wer auf den Motiven zu sehen ist, sondern wofür diese Menschen stehen, auf welcher Welle sie schwingen und welche Wirkung das alles auf uns hat." Die Worte der Künstlerin machen die Galeriebesucher geradezu neugierig, die Bilder ausgiebig zu betrachten, zu interpretieren und wahrzunehmen, welche "Szenen" am meisten berühren: Ist es das Bild der Witwe, die in ihrer schönsten Tracht im altertümlichen Schlafzimmer mit dem Engelbild an der Wand vor dem frisch bezogenen Ehebett einsam verharrt? Oder fasziniert die hochschwangere Frau, die sich im Wald an einem Baum sitzend in nahezu mystischer Weise postiert? Der Anblick eines Kindergesichts - grasgrün geschminkt und frech grinsend - fordert den Betrachter geradezu zum Zurück-Lächeln heraus. Pralle Lebenslust, Leidenschaft, Machtgehabe, ein erfülltes Leben - andererseits auch Distanziertheit, Trauer, Gekränktsein, depressive Stimmung bis hin zur beinahen Resignation: Wer die Arbeiten von Uta Kilian-Moes betrachtet, wandelt quasi durch fast alle Facetten des Lebens.

Ermutigung

Unter den ersten Gästen der Ausstellung weilt auch die Chefin des ConferencePoint-Verlages, Kunstwissenschaftlerin Dr. Almut Weinland aus Hamburg. Sie hat das Buch "Öffnungen" herausgebracht und ermutigt zu weiteren Projekten.

Die freischaffende Künstlerin Uta Kilian-Moes, Jahrgang 59, hat viele Jahre in der Elbe-Elster-Region gelebt und gearbeitet. Sie wohnt jetzt in Niedergörsdorf (Landkreis Teltow-Fläming) und hat kürzlich die Atelierleitung der Hauptwerkstatt des Augustinus-Werkes in Lutherstadt Wittenberg übernommen. Außerdem doziert sie an einer Berliner Altenpflegeschule über Farb- und Raumkonzepte.

Zum Thema:
Der Sitz der Landesvertretung Sachsen-Anhalt befindet sich nur etwa 15 Gehminuten vom Berliner Hauptbahnhof entfernt in der Luisenstraße 18 im neuen Regierungsviertel. Grundsätzlich haben Bürger nach Anmeldung die Möglichkeit, das Haus - und damit auch die wechselnden Ausstellungen - zu besuchen. Kontakt: Telefon 030 / 243 45 80, Fax: 030 / 243 45 837 oder per E-Mail: poststelle@lv.stk.sachsen-anhalt.