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Feinstaub trifft Wutbürger

200 Pulverfässer aus Blech tun sich vor den Stuttgarter Kommissaren Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) in ihrem jüngsten Fall "Stau" auf. Eine junge Frau wurde überfahren und sterbend zwischen Mülltonnen zurückgelassen.

Der Mörder muss zwangsläufig in den Stau in der Weinsteige geraten sein, Stuttgarts kaputter Lunge, wo der Verkehr am Ende jedes Berufstags steht. Das lässt sich der Wutbürger von heute nicht lange gefallen. Die Lage brodelt, sie eskaliert, denn den Autofahrern wird zu lange schon die freie Fahrt verwehrt. Feinstaub trifft auf Wutbürger, unweigerlich denkt man an die Krawalle von "Stuttgart 21".

Ein dichtes Kammerspiel entwickelt sich, in dem die Kommissare bei der Suche nach dem Täter den Querschnitt der Gesellschaft erleben. Jede kleine Privathölle auf vier Rädern, in die Lannert und Bootz während ihrer Untersuchungen blicken, ist in sich schlüssig aufgebaut. Angefangen bei der Musik, die sich stets kommentierend oder entlarvend kontrapunktisch zu den Fahrern der überwiegend hochgerüsteten Automobile verhält: Zorn, Verzweiflung und Anmaßung in Dolby Surround.

Die Figuren in diesem Tatort sind knapp charakterisiert, führen im Ensemblezusammenspiel aber zum dramaturgischen Kern. Das Paar, das ausgerechnet auf dem Weg zum letzten rettenden Therapeutentermin aufgehalten wird. Die Ballett-Mom, die in ihrer agilen Mütterlichkeit ein Monstrum auf dem Rücksitz produziert hat. Die brutal dynamische Managerin, die ihren Chauffeur drangsaliert, bis der das Weite sucht: Alle diese Figuren fügen sich zusammen zu dem Bild unserer Gesellschaft, die an ihrer eigenen Mobilität zu verrecken droht. Auch wenn "Stau" die typische Action fehlt, ist ein interessanter, konfliktreicher Film herausgekommen, bei dem die wichtigsten Hinweise auf den Tathergang von einem Kleinkind kommen. Überzeugend fügt sich ein brabbelnder kleiner Junge in die Handlung ein.