| 17:06 Uhr

Berlin
Überragende Diane Kruger

Berlin. Fatih Akins NSU-Drama „Aus dem Nichts“ ist nun auf der Leinwand zu erleben.

Es ist einer der größten Skandale der jüngeren Polizeigeschichte: Innerhalb mehrerer Jahre werden zehn Menschen ermordet. Weil die meisten von ihnen eine ausländische Herkunft haben, vermuten die Ermittler, dass die Opfer selbst in kriminelle Geschäfte verwickelt gewesen sein müssen. Erst viel später stellt sich heraus, dass die rechtsextreme Terrorvereinigung NSU hinter der Mordserie steckte.

Wie aber erging es den Angehörigen der Opfer? Denjenigen, denen statt Mitgefühl Schuldzuweisungen und Anfeindungen entgegenschlugen? Darüber hat nun Fatih Akin, Sohn türkischer Einwanderer, einen hochaktuellen und bemerkenswerten Film gedreht: „Aus dem Nichts“ mit Hollywoodstar Diane Kruger in der Hauptrolle.

Katja (Kruger) ist mit dem Kurden Nuri verheiratet. Gemeinsam haben sie einen kleinen Sohn und leben in Hamburg. Dann aber, „Aus dem Nichts“, zerbricht Katjas Leben. Bei einem Bombenanschlag sterben ihr Mann und Sohn. Die Polizei vermutet schnell, dass Nuri mit Drogen gehandelt oder die Wut irgendwelcher Krimineller auf sich gezogen hat. Dann aber – deutlich schneller als bei den NSU-Fällen – nehmen sie zwei Tatverdächtige fest, ein junges Neonazi-Pärchen.

Das Werk will keine umfassende Analyse des komplexen Themas sein, sondern fokussiert auf Katja und ist dabei erzählerisch in drei Teile geteilt: den Anschlag, den anschließenden Prozess vor Gericht und Katjas Wunsch nach Rache. Genau das ist aber auch ein Schwachpunkt, oszilliert „Aus dem Nichts“ so etwas zwischen Gerichtsfilm, Thriller und Drama. Und doch erinnert der Film in seiner Wucht an Akins größten Erfolg „Gegen die Wand“ (2004), für den er mehrfach ausgezeichnet wurde.

Denn auch dieses Mal beweist der 44 Jahre alte Regisseur viel Einfühlungsvermögen und ein gutes Gespür für seine Hauptfigur. Er erzählt auf beklemmende Weise von Katjas scheinbar aussichtslosem Kampf um Gerechtigkeit.

Die eigentliche Stärke des Dramas ist allerdings Diane Kruger. Geboren in Hildesheim machte sie Karriere in Hollywood. „Aus dem Nichts“ ist nun ihr erster Film auf Deutsch. Die 41-Jährige verausgabt sich emotional und körperlich; schreit, weint und kämpft und verkörpert diese starke Frau äußerst glaubwürdig. Wahrscheinlich ist es Krugers beste Schauspielleistung bisher; beim Filmfestival Cannes wurde sie dafür als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Aus dem Nichts, Deutschland 2017, 106 Min., FSK ab 16, von Fatih Akin, mit Diane Kruger, Denis Moschitto, Numan Acar

Tolle Darsteller: Diane Kruger und Ulrich Tukur in „Aus dem Nichts“.
Tolle Darsteller: Diane Kruger und Ulrich Tukur in „Aus dem Nichts“. FOTO: Gordon Timpen / dpa
(dpa)