Nun treibt er auch im Staatstheater Cottbus sein vergnügliches Unwesen! "Peter Pan" gilt seit seiner "Geburt" 1904 durch den britischen Autor James Matthew Barrie als der Junge, der nie erwachsen werden will. Eigentlich hilft er durch sein Beispiel anderen Jungen, sich ins Erwachsenwerden zu fügen.

Die kleine Cottbuser Ballettcompagnie, über die Landesgrenzen hinaus ein Garant für spannende Neuinszenierungen von stilistisch beachtlicher Breite, hat dafür einen Choreografen gewonnen, der sich auskennt im Geschäft. Manuel-Joël Mandon, in Berlin ansässig, ist auf drei Kontinenten aufgewachsen, hat deren Gaben in sich versenkt und gibt sie nun weiter, wohin man ihn verpflichtet. Ballettchef Dirk Neumann bewies damit wiederum eine glückliche Hand. Denn was Mandon den Ensembletänzern und ihren Gästen auf den Körper choreografierte, ist nicht nur, wie im Untertitel zu lesen, ein Märchenballett für alle ab 5, sondern macht die ganze Verwandtschaft froh.

Die anderthalbstündige Großproduktion fürs Große Haus beginnt sehr persönlich. "Vater" Niko König betritt durch den Saal mit seinem Lieblingsschiff die Vorbühne, putzt es zärtlich und begrüßt die Gäste per Handschlag. Schon sind wir alle Teil der Familie. Die verbirgt sich im Zimmer hinter dem Vorhang. Michael und Schwester Wendy müssen das Schiff bewundern und dürfen danach auf dem Bett im Buch vom Nimmerland schmökern. Das ruft mit akrobatischem Feuer dessen Bewohner Peter Pan und die flügelbewehrte Fee Tinkerbell in den Raum, doch auch schon die Piratenarmee und die "verlorenen Jungs", hier Mädchen der Ballettschule Werhun.

Mandon hat ein untrügliches Talent für gute Show. Ständig passiert etwas, spielen die Gestalten miteinander, gibt es parallele Aktionen. Und stets enden seine Bilder mit einer zünftigen Fotopose. Viel Witz bringt der Choreograf ins Geschehen ein, etwa wenn sich der kleinste "Junge" mutig von Peter stemmen lässt oder unter seinem Arm durchkriecht, statt darüber zu springen. Das schafft gute Laune und sorgt für reichlich Szenenapplaus.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Der Vater erteilt Wendy Tanzunterricht zwischen Lambada, Tango und Charleston, die Mutter richtet, was Kinder so lieben, Michael das Haar, der ficht zu einem Flötenmarsch mit dem Säbel gegen den Vater und seinen Regenschirm - und beschädigt im Eifer das Schiff. Schuldbeladen schläft der Sohn neben seinem Stoffkrokodil ein. Im Traum werden sich die Geschwister, Peter und Tinkerbell rasch eins: Zu "Fly with me" fliegt die Fee am Seil vornweg, Michael, Wendy und Peter folgen in der zur Gondel umfunktionierten Truhe an Luftballons. Und landen im lila Nimmerland, wo Michaels Krokodil leibhaftig umherwatschelt, Captain Hook und seine Piraten, teils auf Pumps, mit den Säbeln fuchteln, bis das Kroko dem Captain einen Arm abbeißt. Wenn unterm Sternenhimmel Quallen funkeln, könnte es so romantisch sein, würde Tinkerbell nicht aus Eifersucht eine Intrige spinnen.

Aus den folgenden Kämpfen mit den Piraten gehen die "verlorenen Jungs", Peter und die Geschwister als Sieger hervor, bewahren großmütig, wie es sich im Kinderstück gehört, den Captain vor dem gefräßigen Maul des Krokodils und schließen begeistert Freundschaft. Dreimal müssen die Tänzer ihr Finale tanzen, so groß ist der Jubel im Saal.

Was die Mannschaft mit dieser überbordend lebendigen Inszenierung gezaubert hat, ist hinreißend. Adriana Mortellitis fantasievolle Kostüme, ob elegant oder glitzernd, und Juan Léons wundersame Bühne, ein Schiffswrack für die trunkenen Piraten, bieten "Peter" René Klötzer, "Tinkerbell" Denise Ruddock, "Wendy" Greta Dato, "Michael" Stefan Kulhawec, "Hook" Niko König und allen anderen den Rahmen, der sie spielerisch, tänzerisch und artistisch zu Höchstleistungen anstachelt. Mandons Bewegungssprache vom Folklorezitat bis zu HipHop auf eine Collage schmissig-romantischer Filmmusiken ist unwiderstehlich - auch wenn alles vielleicht "nur" ein turbulenter, aber herrlich bunter Traum war.

Zum Thema:
Für die Vormittagsvorstellungen in dieser Woche sind Karten erhältlich, für den 25. und 28. Dezember (11 Uhr beziehungsweise 16 Uhr) gibt es derzeit noch Restkarten im Besucherservice oder online buchbar über www.staatstheater-cottbus.de