Zum ersten Mal zeigt die BASF Arbeiten von vier Familienmitgliedern in einer Ausstellung, und zum ersten Mal sind die Werke der vier Tischendorfs - Malerei, Collage, Skulptur und Design - in einer Werkschau vereint zu sehen.

Leuchtende Farben dominieren die Ausstellung bei allen vier Künstlern von Meerblau über Gold und Korallenrot bis zum unirdischen Leuchten geisterhaft wirkender Weißschleier. Trotz aller Unterschiede in den künstlerischen Ausdrucksformen und Sujets kann der Ausstellungsbetrachter in der neuen BASF-Ausstellung auf Spurensuche nach Gemeinsamkeiten gehen. Reiner und Sabine Tischendorf sind künstlerisch von der Dresdner Malschule an der Hochschule für Bildende Künste in der DDR geprägt worden, Sohn Ekkehard ab Ende der 90er-Jahre durch das Studium der Malerei, Grafik und Buchkunst in Leipzig und Uta ein paar Jahre später durch die Ausbildung zur Textildesignerin an der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle.

Familiär, so Ekkehard Tischendorf, habe es keine Vorbildklischees durch die Eltern gegeben, sondern eine sanfte Führung zur Selbstentdeckung von künstlerischen Wegen. So seien ästhetische Kriterien spielerisch übertragen worden, die sich dann unterschiedliche Wege gesucht hätten.

Den Eingangsraum der Ausstellung beherrscht Sabine Tischendorf mit narrativen, farbintensiven und flächig aufgebauten Werken. Aus Farbe und Formvorstellungen entwickelt sie ihre zumeist skurril-humorvollen Personendarstellungen im geometrischen Gestus. ,,Das Thema entwickelt sich bei mir erst im Prozess der Arbeit." Dabei arbeitet sie bei ihren Acryl-Gouache-Bildern häufig collagenhaft mit Abdeckungen. Der Betrachter hat große Freude beim Betrachten ihrer Bilder mit lakonischer Aussage ,,Du wirst Vater" oder der vom Blumenwuchs überraschten ,,Gärtnerin" mit humorigen Wirkungen.

Auf den ersten Blick dominiert den großen Saal Ekkehard Tischendorf mit großformatigen Öl- und Acrylarbeiten. Sie wirken auf den Betrachter zunächst mit scheinbar abstrakt nebulösen Farbkonstellationen, bevor sie sich gegenständlich und mit häufig ikonenhafter Bilddarstellung unabhängig vom Bildinhalt erschließen. Als ,,Festung gegen gewohnte Realität" und Sehweisen versteht Ekkehard Tischendorf seine Bilder. Sie erscheinen häufig als Träume von einer Welt zwischen Schönheit und Ahnung von Katastrophen wie mit ,,Nachtprogramm" als Metapher von glitzernder Metropolenwelt mit all ihren Verführungen.

Auf den zweiten Blick zieht Reiner Tischendorf den Betrachter mit Bildzeichen, Symbolsprache und Reduktion in den Bann. So finden sich durch das verwendete Blattgold dominierte Collagen wie ,,Fremdes Land", die in Anlehnung an ägyptische Hieroglyphen einfache Sachverhalte wie Heimat und Flucht vermitteln, während seine Collagen-Malereien wie ,,BahnübergangNeue Häuser" architektonische Grundformen überhöhen. Mit radikaler Reduzierung auf die Aussage hin zeigen sich seine humorvollen Objekte wie der ,,Goldene Käfig" als Vogelbauer mit Blattgold.

Leuchtende Blickfänge voller Schönheit sind die Gewebearbeiten von Uta Tischendorf. Besonders ihre Korallendarstellungen, die in verführerischen Farben aus Geweben herauswachsen, faszinieren und zeigen die Natur in ihrer Vielfalt als unerschöpfliche Quelle für die junge Designerin. Momentaufnahmen des Sehens werden von ihr in gestalterischen Formen festgehalten. Das gelingt ihr auch mit ihren verblüffenden geometrisch-plastisch geformten Geweben.

Für den Ausstellungsbesucher bietet sich eine spannende Entdeckungsreise durch Tischendorf künstlerisches Gruppenbild in leuchtenden Farben und Gedankenlandschaften.

Zum Thema:
Die Ausstellung ,,4xTischendorf" ist bis zum 10. Januar im Kulturhaus der BASF Schwarzheide zu sehen. Am 24. November sowie vom 1. bis 10. Dezember bleibt sie geschlossen. Am 5. Januar um 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung gibt es Führungen durch die Ausstellung.