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Falladas bildstarkes Zuhause

Hans Fallada ist in diesem Jahr wieder in aller Munde. Sein 70.

Todestag im Februar war nicht nur Anlass, zwei neue Biografien über den Schriftsteller Rudolf Dietzen (1893-1947) herauszubringen, der unter dem Pseudonym Hans Fallada weltbekannt wurde. Seine Romane und Geschichten werden auch in vielen Lesungen zu neuem Leben erweckt. "Kleiner Mann, was nun?" hat sogar eine regelrechte Renaissance erfahren. Hinter den Schriftsteller aber verbirgt sich eine schillernde, widersprüchliche Persönlichkeit, die Hans-Jürgen Gaudeck in einem Band aus dem Steffen-Verlag auf ungewöhnliche Weise sichtbar werden lässt. "Ich weiß ein Haus am Wasser" zitiert der Titel eine Textzeile des Autors. Auf dem Einband aber ist eben dieses Haus in einem Aquarell von Hans-Jürgen Gaudeck abgebildet, der Rückzugsort im Mecklenburgischen, der im Band anhand von Briefen und anderen Textauszügen lebendig wird. Wer seine Biografie kennt, weiß, dass Fallada 1933 im nahe der mecklenburgischen Kleinstadt Feldberg gelegenen Dorf Carwitz ein Anwesen erwarb. Dort schrieb er Romane, die für Aufsehen sorgten wie "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt", in dem er seine Erfahrungen im Zentralgefängnis Neumünster verarbeitete. Die Jahre auf dem Anwesen in Carwitz am gleichnamigen See sollten die glücklichsten, ausgefülltesten und schaffensreichsten im Leben des weltberühmten Autors werden, des Familienvaters und Landwirtes. Freilich offenbart dieser Band das dem Betrachter nicht sofort. Am Ende gibt es eine kleine biografische Stütze, auch zum Maler Gaudeck, Jahrgang 1941, der in Berlin geboren wurde und 1987 in die Künstlergruppe Mediterraneum eintrat. Eine kleine Fallada-Vorbildung jedenfalls ist wünschenswert, wenn man die Auszüge aus Werken und Briefen einordnen will. Sie wird belohnt durch starke sinnliche Eindrücke, die die Aquarelle auf jeder Seite hinzufügen. Eigenständig und doch mit Fallada und der ihn beglückenden Landschaft verbunden.