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| 17:01 Uhr

Fallada und der Zwang seiner Träume

Peter Walther (l.) und Hendrik Röder im Fallada-Sog.
Peter Walther (l.) und Hendrik Röder im Fallada-Sog. FOTO: Tino Schulz/tsz1
Cottbus. Biograf Peter Walther gibt in der Lausitzer Lesart kenntnisreich und anschaulich Einblick in ein berauschtes Schriftstellerleben. Ida Kretzschmar

Ungläubiges Staunen verspricht Uta Jacob von der Stadt- und Regionalbibliothek im 25. Cottbuser Bücherfrühling Dienstagabend den Besuchern, die zur Lausitzer Lesart gekommen sind. Was passt da besser als Hans Falladas so widersprüchliches Leben? Hätte es ein Dichter erdacht, wäre er wohl der Unglaubwürdigkeit bezichtigt worden.

Biograf Peter Walther zieht im Gespräch mit Hendrik Röder die Zuhörer fast augenblicklich in einen Fallada-Sog. Beide gehören zur Geschäftsstellenleitung des Brandenburgischen Literaturbüros, das gemeinsam mit der RUNDSCHAU und der Bibliothek die Lausitzer Lesart veranstaltet.

Peter Walther, der während seiner Greifswalder Studienjahre so manchen Blick in den Gefängnishof warf, in dem einst Fallada seine Strafrunden drehte, und später in Berlin öfter am Sanatorium vorbeikam, wo der Schriftsteller vielmals seine Süchte zu besänftigen versuchte, fand nicht geradewegs Zugang zu dessen Literatur. "Wer Thomas Mann liest, hat das Gefühl, einen großen Raum zu betreten. Bei Fallada gelangt man in eine stickige Stube", zitiert er einen Kritiker, um dann einzuräumen: "Aber beide entwerfen Figuren auf schwankendem Grund."

Aus einer unglaublichen Materialfülle, unzähligen neu zugänglichen Briefen schöpfend, schildert der Germanist, wie aus der verkrachten Existenz Rudolf Dietzen (1893-1947) der Schriftsteller Hans Fallada wurde, dessen Bücher sich durch seinen Erfindungsreichtum und die ungekünstelte, genaue Beschreibung großer Beliebtheit erfreuten. Selbst, wenn sich Widersprüche auftun, auch in seinem Verhältnis zum Nazi-Regime, Falladas Bücher erleben eine wahre Renaissance. Walther macht aber auch klar: Es ist ein rücksichtsloses Leben im Rausch. Künstler und Psychopath sind untrennbar miteinander verwoben: "Auch beim Schreiben folgt Fallada dem Zwang seiner Träume."

Peter Walther: Hans Fallada. Aufbau-Verlag, 527 Seiten, 25 Euro.Die nächste Lausitzer Lesart gibt es am 9. Mai in der Cottbuser Bibliothek mit Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern.