Liebe und Leidenschaft, Untreue und Verrat, Sex und Ehebruch - das sind die Themen, die ihn interessieren und die er mit unnachahmlicher Beobachtungsgabe virtuos erzählt. Seit Jahren gehört er zu den aussichtsreichsten Anwärtern auf den Literatur-Nobelpreis. Morgen wird er 75.
Vor allem der Romanheld Harry Angstrom aus der Rabbit-Tetralogie ist zu einer Schlüsselfigur geworden. Vom Auftaktroman "Hasenherz" (1960) bis zum vierten Band "Rabbit in Ruhe" (1990) und der zusätzlichen abschließenden Erzählung "Rabbit, eine Rückkehr" (2002) entsteht ein umfassendes Sittengemälde Amerikas. Mit Liebe zum Detail, auch und gerade in Sachen Sex, zeichnet Updike darin die Entwicklung der Gesellschaft von den späten fünfziger Jahren bis fast zur Jahrtausendwende nach. Der Held, ein einstiger Basketball-Star, wegen seiner hasenartigen Schlaksigkeit "Rabbit" genannt, versucht immer wieder, der kleinbürgerlichen Enge seiner familiären und beruflichen Existenz zu entgehen - und scheitert jedes Mal kläglich. Am Schluss bleibt ihm nur das Gefühl, "dass nichts unter dir ist außer einem s chwarzen Loch". Zwei der Romane wurden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.
Updike gibt sich wenig Mühe, zwischen sich und seinen Helden zu unterscheiden. Immer sind seine Geschichten ein Stück eigenes Leben. Offen bis zur Schonungslosigkeit gibt er in seiner Memoirensammlung "Selbst-Bewusstsein" (1989) Auskunft über sich selbst: über die ärmliche Kindheit in der Provinz des US-Bundesstaates Pennsylvania, die Beziehung der Eltern und seine Krankheiten. "Ich hatte das Gefühl als Kind, dass da in unserem Haus irgendwie mehr vorging - die Unzufriedenheit der beiden Eltern, die Spannungen und sogar das Theater, das wir für unsere kleine Hausgemeinschaft inszenierten." Damit war das Thema für den Beziehungsexperten gesetzt. Auch seine eigene erste Ehe scheitert später - trotz der vier Kinder. Seine zweite Frau bringt drei eigene Söhne mit in die Ehe.