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Ex-Leibwächter packt aus

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Fidel Castro umgab sich immer gern mit der Aura asketischer Bescheidenheit. Alles Lüge, sagt Juan Reinaldo Sánchez. Klaus Blume

Der 66- jährige Kubaner war nach eigenen Angaben 17 Jahre Leibwächter Castros, bevor er 1994 in Ungnade fiel, für zwei Jahre im Gefängnis landete und 2008 in die USA fliehen konnte. In seinem jetzt auf Deutsch erschienenen Buch "Das verborgene Leben des Fidel Castro" rechnet er mit dem "Comandante en Jefe" ab. Demnach führte Kubas Chefkommunist ein Leben in Saus und Braus. Während die Kubaner nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hungerten, aß Castro (88) in seiner Residenz mit seiner Familie à la carte. Der Autor weiß von ungefähr 20 Häusern auf Kuba, die Castro ausschließlich selbst benutzte und von einem üppig gefüllten Sonderkonto - der "reserva del Comandante". Dort, wo es um nachprüfbare Ereignisse geht, sind Fakten, Jahreszahlen und Namen in den meisten Fällen korrekt. Das Buch krankt daran, dass Sánchez Handlungsweisen von Castro als Regierendem im Präsens schildert, obwohl dieser ja schon seit etlichen Jahren nicht mehr im Amt ist.

Juan Reinaldo Sánchez mit Axel Gyldén. Das verborgene Leben des Fidel Castro. Lübbe, 304 Seiten, 19,99 Euro