Weihnachtsgeschichten am Kamin und oder Christkindl-Morde auf dem Wiener Prater - zwischen den Klassikern zum Fest finden sowohl Weihnachtsfest-Liebhaber als auch Gegner in diesen Tagen reichlich neuen Lesestoff. Da wird in der besinnlichsten Zeit des Jahres ordentlich gefeiert und geliebt, geraubt und gemordet.

In Samt eingeschlagene Gedichtbände finden sich unter den Neuerscheinungen ebenso wie Liebesgeschichten und Krimispannung. Und zwischendrin wartet auch der ein oder andere Autor mit Denkanstößen auf - besonders für die Zeit unterm Tannenbaum.

Als Fest der Liebe steht Weihnachten auch weiterhin hoch im Kurs: So schickt etwa Jasna Mittler wieder einmal Gott höchstpersönlich auf die Erde, um die Liebe zu retten. Vor allem seinem Schützling Erwin, zu dem Gott schon in Mittlers Geschichte "Der heilige Erwin" seinen ganz speziellen Weg gesucht hatte, will er in Sachen Liebe auf die Sprünge helfen. In "Der heilige Erwin und die Liebe" - einer Weihnachtsgeschichte in 24 Kapiteln - nimmt der Schöpfer diesmal im Körper eines kleinen Jungen Kontakt zu Erwin auf.

Von Wundern zur Weihnachtszeit im historischen Hamburg erzählt Autorin Petra Oelker in ihrem liebevoll gestalteten und illustrierten Bändlein "Drei Wünsche". Im Dezember 1773 suchen darin drei Frauen auf dem Weihnachtsmarkt in der alten Domkirche das Glück.

Ebenfalls mit einem Weihnachtswunder im Norden und wunderbaren Illustrationen wartet das 64 Seiten dünne Büchlein "Inselweihnachten" auf. Sandra Lüpkes schickt darin die Journalistin Finja, die von Ehe und Job eine Auszeit nehmen will, über Weihnachten an die Nordsee. Sie begegnet einer alten Frau, der Malerin Janette, die noch immer am Strand auf ihren Verlobten wartet - seit Ewigkeiten.

Um Liebe, Wunder und weiße Weihnachten in London geht es bei Amy Silver. Dabei hat Bea - eine ihrer drei Heldinnen - eigentlich überhaupt keine Zeit für die Liebe, sondern als Besitzerin des Cafés "Honey Pot" und als alleinerziehende Mutter alle Hände voll zu tun. Olivia, frisch verlobte Redakteurin bei einer Frauenzeitschrift, und Chloe, die eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat, machen das ungleiche Frauen-Trio komplett.

Fast 50 "Weihnachtsgeschichten am Kamin" hat Barbara Mürmann zusammengetragen. Es ist der nunmehr 26. Band der Reihe, die von Ursula Richter begründet wurde - und der erste, der nicht unter dem Namen der langjährigen, im Januar 2010 gestorbenen Herausgeberin erschienen ist. Überwiegend Erzählungen enthält die Sammlung, aber auch einige Gedichte finden sich darin.

Ausschließlich "Schneegedichte" hat Ron Winkler im gleichnamigen Samtbüchlein herausgegeben. Deutschsprachige Gedichte der vergangenen 100 Jahre hat er dafür ausgewählt. Denn: "Was Schnee ist, wissen die Meteorologen", schreibt Winkler. "Was er aber bedeuten kann, sagen uns die Dichter. Immer wieder neu."

Hochspannung unterm Weihnachtsbaum versprechen internationale Autoren, die in "Alle Morde wieder" 13 Weihnachtskrimis erzählen. In "Christkindmord" von Claudia Toman etwa geht es dem Christkind auf dem Wiener Prater in Tomans Heimatstadt an den Kragen. "Das Christkind ist unsterblich", erklärt die Mutter ihrem Sohn darin. "Sein Blut ist aus Gold. Das hört nie auf zu fließen." Sie wird das Gegenteil erfahren.

Kriminell geht es auch in Ralf Günthers skurriler Geschichte "Ach du fröhliche" zu, aber - wie der Titel schon verspricht - dann doch eher heiter. Zwar ist der Weihnachtsmann, der da plötzlich im Wohnzimmer der Bethmanns sitzt, bewaffnet und hat einen Baumarkt überfallen. Aber drei Polizisten sind ihm auf der Spur, obwohl diese viel lieber im Dienst "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" schauen wollten.

Denkanstöße zu den Feiertagen will hingegen Heribert Prantl, Leitartikler der "Süddeutschen Zeitung", liefern. Unter dem Titel "Der Zorn Gottes" hat er Festtags-Leitartikel und Essays ausgewählt. "Die Texte handeln von Gott und der Welt; von der Bedeutung, die Religion hat, und von der Rolle, die die Kirchen haben könnten", schreibt Prantl.

Und "Warum Sie diesmal "wirklich keine Weihnachtsgeschenke kaufen sollten", erklärt in dem gleichnamigen Büchlein US-Ökonomieprofessor Joel Waldfogel. Irrer Verschwendung zum Fest und gigantischem volkswirtschaftlichen Verlust müsse endlich Einhalt geboten werden, fordert er.

Zum Thema:

Bücher zum FestJasna Mittler: Der heilige Erwin und die Liebe, Ullstein Buchverlage, Berlin, 240 Seiten, 12,99 Euro Petra Oelker: Drei Wünsche, Kindler, Reinbek, 128 Seiten, 12,00 Euro Sandra Lüpkes: Inselweihnachten, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 64 Seiten, 8,00 Euro Amy Silver: All I want for Christmas, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 320 Seiten, 8,99 Euro Barbara Mürmann: Weihnachtsgeschichten am Kamin - 26, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 224 Seiten, 8,99 Euro , Ron Winkler (Hrsg): Schneegedichte, Schöffling & Co, Frankfurt am Main, 160 Seiten, 14,95 Euro Uta Rupprecht (Hrsg): Alle Morde wieder, Wunderlich, Reinbek, 224 Seiten, 14,95 Euro Ralf Günther: Ach du fröhliche, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 176 Seiten, 7,99 Euro Herbibert Prantl: Der Zorn Gottes, Süddeutsche Zeitung Edition, München, 167 Seiten, 14,90 Euro Joel Waldfogel: Warum Sie diesmal wirklich keine Weihnachtsgeschenke kaufen sollten, Verlag Antje Kunstmann, München, 160 Seiten, 9,90 Euro