ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:51 Uhr

Rolf Zuckowski
"Es ist falsch, die Elektronik zu verteufeln"

Wie Kleinkinder am besten für Musik begeistert werden können und wie ihre Liebe zu einem Instrument entfacht wird.

Düsseldorf In Rolf Zuckowskis Liederreich gehe die Sonne nie unter, heißt es. So erfolgreich ist der 71-jährige Musiker und Komponist, Musikproduzent und Texter von Kinderliedern. Mehr als 14 Millionen Tonträger konnte er bisher verkaufen. Worauf er sich zunehmend konzentriert, ist die Förderung des Nachwuchses in Kindergärten. Nun ist er auch einer der Paten für den bundesweiten Aktionstag am kommenden Samstag: "Deutschland macht Musik - spiel mit!"

Macht man in Deutschland zu wenig Musik, dass jetzt zur Unterstützung ein Aktionstag nötig ist?

Zuckowski Das glaube ich nicht. Es gibt so viele Musikschulen, Orchester und Chöre. Woran es allerdings extrem mangelt, ist der Musikunterricht an vielen Schulen und das Musizieren in Kitas. Schon an den Hochschulen wird die Musik vielfach stiefmütterlich behandelt und zu selten vom Kinde her gedacht. Das führt letztlich dazu, dass Kinder in einem wichtigen Alter kaum Anregungen bekommen.

Am Elternhaus liegt es nicht?

Zuckowski Das muss man differenzierter sehen. Es fehlt nämlich die Zeit für Dinge, die eine Entwicklung brauchen. Ein Instrument zu lernen heißt auch, sich mit Ausdauer und Leidenschaft diesem Instrument zu widmen. Viele Eltern haben dann kaum die Chance dazu, dies zu begleiten und zu unterstützen.

Welches Instrument eignet sich zum Einstieg denn ganz besonders?

Zuckowski Da denke ich ganz traditionell; also: zuerst sollten Kinder singen, möglichst auch in einer Gruppe. und wenn sie erst einmal ein gewisses Liedrepertoire haben, fangen sie automatisch an, sich dazu auch zu bewegen und Musik selber zu gestalten. Da beginnt dann die Lust zur Musik. Die eigene Stimme ist der allerwichtigste Türöffner.

Und dann kommen Blockflöte oder Trommel?

Zuckowski Die Blockflöte ist für ganz kleine Kinder nicht so ratsam; es ist eher das klassische und bewährte Grundschulinstrument. Und eine Trommel macht ja erst einmal nur Rhythmus. Und den kann man mit den eigenen Händen auch auf den Oberschenkeln oder dem Kochtopf erzeugen. Aber es gibt ja auch Glockenspiele und vor allem sehr schöne Klangblöcke. Wenn man dann merkt, dass das den Kindern Spaß macht, ist der Weg zu einem Tasteninstrument möglich. Kleinere Keyboards etwa.

Sie selbst aber haben mit die Gitarre angefangen ...

Zuckowski ... das stimmt, aber da war ich schon14. Meine Generation hat ja kaum Musikschulen gekannt. Bei uns war es darum normal, erst als Jugendlicher zu sehen, wie toll es sein kann, Musik zu machen. Ich war damals total begeistert von einer Pfadfindergruppe in einem Ferienlager, wie wir von romantisch bis kitschig um ein Lagerfeuer herum saßen und Musik gemacht haben. Mit diesem Eindruck bin ich dann nach Hause gefahren und wollte unbedingt auch Gitarre spielen. Das war meine musikalische Muttermilch. Das war zwar einfach, aber Musik darf gerade am Anfang nicht überfordern.

Ihre erste Schülerband hieß "the beAthovens" Was war der erste Hit?

Zuckowski"Blow Up Machine". Die Single handelte von einem Gerät, dass kleine Menschen größer machen konnte.

Müssen Kinder heute nicht viel stärker an Rap, Hip-Hop und Computermusik herangeführt werden?

Zuckowski Das ist immer eine Frage des Alters. Für sehr kleine Kinder ist erst einmal der eigene Körper das Instrument. Mit einem Computer umgehen ist für viele eine Überforderung. Zumal das Körperliche meines Erachtens unverzichtbar ist, die Musik erst einmal zu verstehen. Aber: Die Elektronik zu verteufeln, ist ganz falsch. Für manche Jugendliche kann das der Schlüssel sein, die sonst alles andere uncool finden. Ich fördere ja seit vier Jahren "Deine Freunde", das ist die erste Gruppe, die richtig guten Hip-Hop für Kinder macht. Das ist schon ein Musikstil, der in der späteren Grundschule von den Kindern gepflegt werden kann. Allerdings ist in vielen Rap-Stücken meist sehr wenig Melodie, und das ist deshalb nicht unbedingt eine Musik für die singende Gemeinschaft.

Sind denn musizierende Menschen andere Menschen als nicht-musizierende?

Zuckowski Sie sind bestimmt keine besseren Menschen. Sie haben aber in der Regel offene Ohren für andere, weil man Musik nur machen kann, wenn man auch gut zuhören kann. Es sind Menschen, die sich in einer Gemeinschaft meistens besonders wohlfühlen, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass es in der Gemeinschaft besser vorangeht. Sie sind oft auch kreative, selbstbewusste Menschen. Und manchmal sind das dann auch Leute, die es in ihrem Leben später wagen, das Wort zu ergreifen, wo andere sich nicht trauen. In diesem Sinne kann Musik stärker machen.

LOTHAR SCHRÖDER FÜHRTE DAS INTERVIEW

(RP)