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Erste Klangexperimente auf Mutters Kochtöpfen

Peter Sadlo sieht einem anspruchsvollen Trommelwirbel beim Konzert in Cottbus entgegen.
Peter Sadlo sieht einem anspruchsvollen Trommelwirbel beim Konzert in Cottbus entgegen. FOTO: Priska Ketterer
Ergebnisse des "Cottbuser SoundLabs" als Uraufführung, Edward Elgars Enigma-Variationen sowie ein Feuerwerk für Schlagzeug und Trommelsolo: Damit wartet das 5. Philharmonische Konzert des Staatstheaters Cottbus am Freitag und Sonntag auf. Solist ist Peter Sadlo, einer der renommiertesten Schlagzeuger weltweit. Es dirigiert Markus Frank.

Herr Sadlo, ab wann haben Sie geahnt, dass Sie eine musikalische Laufbahn mit dem Schlagzeug einschlagen werden, welches Erlebnis war für Sie der Beginn Ihrer außergewöhnlichen Karriere?
Es hat sich früh herauskristallisiert, dass ich rhythmisch sehr begabt bin. Als Kind habe ich die Kochtöpfe aus dem Küchenschrank geholt und nach Tonhöhen geordnet. Ein Onkel hat gesehen, wie begeistert ich damals ein Röhrenradio bediente und schenkte mir mein erstes Schlagzeug. Eine Dame aus unserer Straße hat mich dann beim Spielmannszug angemeldet. Ich begann eine klassische Schlagzeugerausbildung. Mit zwölf Jahren kam ich an das Meistersinger-Konservatorium nach Nürnberg, an der Musikhochschule Würzburg traf ich auf den Papst der Schlagzeuggilde, Siegfried Fink.

Sie sind mit gerade mal 20 Jahren als Solopauker zu den Münchener Philharmonikern gegangen und wurden mit nur 28 als Professor an das Mozarteum nach Salzburg berufen. Das ist ungewöhnlich.
Genau. Ich habe versucht, mich frühzeitig mit den Problematiken der Unterrichtsmethoden zu beschäftigen, viel zu experimentieren und war immer schon jemand, der sein musikalisches Wissen weitergeben wollte. Ich kenne wenige Leute, die so früh eine feste Professur mit so hoher Verantwortung bekommen, junge Schüler zu unterrichten.

Wie haben Sie Ihre Jugend als Wunderkind erlebt?
Da war viel Spielraum. Schlagzeug war für die damalige Zeit nicht vergleichbar mit einer Geige, was den Anspruch und die Literatur anbelangt. Da reichte es, anderthalb, zwei Stunden zu üben, und das auch nicht unbedingt täglich. Die Bühnenroutine kam, als wir am Wochenende mit der Blaskapelle ausrückten.

Welche Rolle spielten dabei Ihre Lehrer und Ihr Elternhaus?
Siegfried Fink brachte mir bei, Techniken mit einer gewissen Leichtigkeit zu erlernen. Er hat mich klanglich sehr geprägt, hinzu kam die mentale Vorbereitung für den Anschlag. Sergiu Celibidache, Chefdirigent der Münchener Philharmoniker, war es, der mich an die große Literatur wie Tschaikowski heranführte und meinen Horizont erweiterte. Was meine Familie anbelangt, so war mein Großvater Geiger, mein Vater hat Blas- und Tanzmusik gemacht und meine Mutter hatte eine Vorliebe für Gesang. Aber es waren keine Profis.

Was schätzen Sie so sehr am Schlagzeug?
Mich fasziniert die klangliche Vielfalt. Ich experimentiere gern mit Soundvarianten. Außerdem ist es der Rhythmus. Die essenziellste Form, Musik zu machen.

Neben Ihrer Konzerttätigkeit beschäftigen Sie sich seit einigen Jahren auch damit, die Klangmöglichkeiten des Instruments zu erweitern. Sie haben das auch in Ihrer Dissertation thematisiert. Was genau machen Sie bei dieser Klangerweiterung?
Es geht darum, durch unterschiedliche Anschläge den Klang zu manipulieren, zu verändern. Als Solist betreibe ich Soundforschung, gehe an keinem Stück Metall vorbei, ohne die Möglichkeiten des Klangs auszuloten und neu zu entdecken.

Sie werden in Cottbus den Solopart in "Focs d'artifici" (Feuerwerk) vortragen. Machen Sie dem Titel alle Ehre und brennen ein akustisches Feuerwerk ab?
Das kann man so sagen. Es wird ein anspruchsvolles Trommelfeuerwerk geben. Dabei geht es um eine katalanische Tradition. Um Menschen, die sich in Barcelona Feuerräder auf ihren Rücken schrauben und damit durch die Straße laufen, um böse Geister zu vertreiben.

Mit Peter Sadlo sprach

Rüdiger Hofmann

Konzert am Freitag um 20 Uhr und Sonntag um 19 Uhr, Ticket-Telefon: 0355/78242424.