Von Jürgen Weser

Kopf an Kopf, der Kopf im Profil, der Kopf reduziert auf Lippen oder Nase – im Werk des französischen Künstlers Alain Signori dreht sich fast alles um den Kopf, kündigt der Einladungsflyer zur ersten Ausstellung 2019 im Kulturhaus der BASF Schwarzheide an. Mehr als 100 Werke belegen das auf verblüffende und den Kopf des Besuchers anregende Weise. „Die Ausstellung „Un film dans la tete – Kopfkino“ mit Bildern und Holzskulpturen ist bis zum 24.März zu sehen.

Zunächst sieht der Betrachter auf Signoris Acrylbildern zumeist dicke schwarze Linien, daraus erwachsen Lippen, Nasen, Gesichter. Schließlich nimmt man kleine Figuren, Tiere oder Gegenstände wahr, die auf der Nase herumtanzen, an den Lippen hängen oder im Kopf Gedanken und Gefühle in Gang zu setzen scheinen. Dabei zeigt uns der Künstler den Kopf oder das Gesicht zumeist im Profil. „Das geheime Leben des Profils“, wie es der französische Schriftsteller Stephan Lévy-Kuentz in seinem Essay bezeichnet, startet. Das „Kopfkino“ kann beim Betrachter beginnen. Dabei dürften ganz unterschiedliche Filme laufen.

Den Kunstbetrachter erwarten keine Porträts in üblichen Ansichten. Die „symbolischen Porträts“ Sig­noris, wie sie Gerald Nierste, Vorsitzender des Kunstvereins Nordhorn e.V., als Laudator bezeichnete, brauchen weder Perspektive noch Räumlichkeit. Die „graphischen Profilzeichnungen“ geben nicht ein bestimmtes Gesicht wieder, sie wollen mit wenigen Linien den menschlichen Kopf allgemein visualisieren.

Trotz der knappen Formensprache oder gerade wegen der Reduzierung auf das Wesentliche gelingt es dem Künstler, seine Emotionen und Gedanken auszudrücken und welche beim Betrachter zu wecken und in Gang zu setzen, der sie mit individuellen Erfahrungen dechiffrieren kann. Für ihn, so Signori, sei der Kopf und das Profil Basis seiner Ausdrucksweise, die seine Gedanken symbolisch erzählen. Dabei sind erotische Empfindungen und Sexualität für Signori auslösende Motivationen wie Fragen, die er sich selbst stellt oder Albträume als Monster im Kopf. 1962 in Paris geboren, hat sich Alain Signori gegen den Willen der Eltern die bildende Kunst autodidaktisch angeeignet. Von Zeichnungen über Acrylmalereien finden sich in seinem Oeuvre auch Assemblagen, Collagen, Gouachen und Skulpturen. Er lebt inzwischen seit 14 Jahren als erfolgreicher freischaffender Künstler in der Ardèche. Das ungewöhnliche Zusammenspiel von Bildelementen bei Signori verblüfft den Betrachter, weckt Erinnerungen, führt zu Wunschvorstellungen und Gedankenflügen. Signoris Bilder entbehren nicht der Ironie. So tanzt Sie ihm, kurz berockt, auf der Nase herumtanzt oder der „Vermittler“ klebt zwischen den Lippenpaaren zweier Personen. Metapher für den Künstler selbst könnte sein, wenn er, jemandem am Mund hängend, „Wohlwollende Worte“ erwartet. Im Kontrast zu den Bildern Signoris, bei denen alles vom Kopf ausgeht, sind Holzskulpturen in der Ausstellung zu entdecken, die Alain Signori in Partnerschaft mit Michel Gianni entwickelt hat. Hier geht alles vom Körper aus wie Harmonie, Liebe oder Abscheu. Sie befinden sich im Lot oder stehen auf dem Kopf.