Die Hollywoodstars kamen gleich scharenweise angereist, große Themen waren angesagt, es gab Filme über den Irakkrieg, über die Musiklegende Bob Dylan. Es gab einen Thriller mit George Clooney, ein "Theaterstück" (vom Literaturnobelpreisträger Harold Pinter) mit Michael Caine und Jude Law. Nur auf die große Begeisterung, die große Überraschung, den großen Film hat man am Lido vergeblich gewartet. Wenn heute in einer feierlichen Gala der Goldene Löwe überreicht wird, dürfte es daher spannend werden wie lange nicht mehr. Die Jury unter Leitung des chinesischen Filmemachers Zhang Yimou hat es schwer.
"Es gibt schöne Filme und halb schöne Filme", schreibt Natalia Aspesi, Kritikerin der angesehenen römischen Zeitung "La Repubblica". Das klingt nach Ernüchterung. 22 der Wettbewerbsfilme kamen diesmal aus den USA (darunter drei US-Ko-Produktionen). Niemals zuvor gab es eine derart starke Hollywoodpräsenz am Lido. Für die "Revolution" am Lido ist Festivaldirektor Marco Müller verantwortlich, er hat in nur vier Jahren das Festival entstaubt, neuen Schwung gebracht.
Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn vor vier Jahren hat Hollywood das Thema Irak-Krieg enttabuisiert. Hollywood-Regisseur Brian De Palma präsentierte "Redacted", sein Kollege Paul Haggis "In the Valley of Elah", beides sehenswerte, bedrückende Streifen. "Aber was zeigen Sie uns, was wir nicht schon zuvor gewusst haben„", fragte ein Kritiker De Palma. Dennoch: De Palmas Streifen über die Vergewaltigung und Ermordung einer 14-Jährigen durch US-Soldaten wird immer wieder als Anwärter für den Löwen gehandelt.
Als "Kontrastprogramm" wird ein anderer Anwärter genannt, ein Film ohne großen Aufwand, ohne große Kosten, ohne "großes Thema". "La Graine et le mulet" heißt der Beitrag, den der aus Tunesien stammende Regisseur Abdellatif Kechiche mitbrachte. Es geht um nichts weiter als den ganz normalen Alltag einer nordafrikanischen Einwanderfamilie in Frankreich, die alltäglichen Probleme "kleiner Leute", doch wie der Regisseur das in Szene setzt, vielfach nämlich über die Gespräche der Familie am Esstisch - das ist bemerkenswert.
Noch bemerkenswerter ist da "Les Amours d' Astrée et de Céladon", vom französischen Altmeister Eric Rohmer, eine Liebesgeschichte aus einer Zeit, in der griechischen Göttern gehuldigt wird. Ein Geheimfavorit“