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Erneut "In Zeiten des abnehmenden Lichts"?

Matti Geschonneck wurde 1952 in Potsdam geboren und wuchs in der DDR auf. Er führte bei vielen Filmen für Kino und Fernsehen Regie und drehte mehrere "Tatort"-Folgen. In der Komödie "Boxhagener Platz" erzählt er vom Ostberlin der 60er-Jahre. Matti Geschonneck gewann mehrere TV-Preise, darunter die Goldene Kamera und den Adolf-Grimme-Preis. Er ist der Sohn des Schauspielers Erwin Geschonneck.
Matti Geschonneck wurde 1952 in Potsdam geboren und wuchs in der DDR auf. Er führte bei vielen Filmen für Kino und Fernsehen Regie und drehte mehrere "Tatort"-Folgen. In der Komödie "Boxhagener Platz" erzählt er vom Ostberlin der 60er-Jahre. Matti Geschonneck gewann mehrere TV-Preise, darunter die Goldene Kamera und den Adolf-Grimme-Preis. Er ist der Sohn des Schauspielers Erwin Geschonneck. FOTO: dpa
Berlin. (dpa/ik) "In Zeiten des abnehmenden Lichts" nach dem preisgekrönten Roman von Eugen Ruge hatte am Donnerstag Premiere in der Sektion Berlinale Special. Der Film erzählt von einem ranghohen SED-Funktionär (Bruno Ganz), dessen Leben kurz vor der Wende aus den Fugen gerät.

Im Interview spricht Regisseur Matti Geschonneck über Parallelen zur Gegenwart.

Sie sind in der DDR geboren, gingen aber Ende der 1970er-Jahre in die Bundesrepublik. Wie haben Sie dann die Wende erlebt?
Geschonneck Ich war hier bei meinem Stiefvater in Berlin. Das war aber reiner Zufall. Keiner hat damals gewusst, dass es passiert, aber dass etwas passiert. Das kam dann für alle überraschend.

Der letzte Satz im Film - nach der Wende - ist eine Frage: "Haben wir alles verdorben?" Was meinen Sie: Erklärt das das Ende der DDR?
Geschonneck Ich glaube, das sind Zyklen, die sich in der Geschichte der Menschheit immer wiederholen. Ich habe bei diesem Satz natürlich an die DDR gedacht, an das System und die gescheiterte Utopie des Kommunismus. Ich glaube aber, dieser Satz geht weit darüber hinaus.

Welche Parallelen sehen Sie zu heute?
Geschonneck Es sind ja Umbrüche. Wir befinden uns gerade in einer Zeit, wo niemand weiß, wie es weitergeht und ob es so weitergeht. Ich will nicht sagen, dass wir am Ende einer Epoche oder in einem gesellschaftlichen Umbruch sind, aber wir spüren deutlich die Anzeichen. Ich glaube, wir sind uns in der Welt sehr schnell klar geworden darüber, dass es nicht so bleiben wird, wie es war. Wir alle sind überrascht, obwohl wir alle wussten, dass es passiert. Nicht, was passiert, aber dass es passiert. Das Interessante an den Menschen ist ja, dass wir es auf uns zukommen lassen.