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| 18:20 Uhr

Neue Ausstellung in Altenau 04
Beseelte Figuren und gerissener Asphalt

E.R.N.A. mit „Body“ (weißer Ton, Engobe, Glasur 2017) und „Oval“ (weißer Ton geritzt, Oxyd, Mattglasur 2018) und Peter Zimolong mit Bodenfotografien „Ente“ 2016 und „Tropfen auf dem heißen Stein“ 2018 (recht oben) in der Altenauer Ausstellung.
E.R.N.A. mit „Body“ (weißer Ton, Engobe, Glasur 2017) und „Oval“ (weißer Ton geritzt, Oxyd, Mattglasur 2018) und Peter Zimolong mit Bodenfotografien „Ente“ 2016 und „Tropfen auf dem heißen Stein“ 2018 (recht oben) in der Altenauer Ausstellung. FOTO: Jürgen Weser
Altenau. Das Memoryprojekt Kulturerbe mit Arbeiten von E.R.N.A. und Peter Zimolong ist gegenwärtig in Altenau zu sehen. Von Jürgen Weser

Unter dem Schwerpunkt Kulturerbe stehen 2018 die kulturellen und künstlerischen Aktivitäten des Landkreises Elbe-Elster. Die Galerie Altenau 04 im Alten Pfarrhof realisiert in diesem Zusammenhang zum zweiten Mal ein Miteinander unterschiedlicher Kulturtechniken. „Memoryprojekt Kulturerbe“ zeigt keramische Plastiken von der Altenauer Künstlerin Erna und strukturelle Fotografien von Peter Zimolong aus Dresden im Kontext.

Mit verblüffender Selbstverständlichkeit begegnen sich die zwei künstlerischen Welten, wie Laudator Heinz Weißflog aus Dresden zur Vernissage beschrieb, und gehen für den Betrachter trotz aller Unterschiedlichkeit eine Symbiose ein.

Als „lustbetontes Unisono“ zeigen sich die Figuren Ernas: weibliche Torsi und fantasiereiche Zwitterformen zwischen Gestalt und Gefäß. Sie ziehen mit dekorativ leuchtender Bemalung oder auch im glänzenden Schwarz wie die „Sirenen“ die Blicke der Betrachter auf sich. Zwischen archaisch animalischer Körperlichkeit und beseelter Lebendigkeit durch einfallsreiche Ausformung sowie Bemalung und mit grafischer Finesse versehener Dekorativität hat Erna ihre selbst gebrannten, geformten, gewalzten und geschnittenen Tonfiguren und Gefäße, die allesamt Unikate sind, in eine fiktive Realität geholt.

Trotz aller Exotik erzählen die keramischen Plastiken reale Geschichten wie etwa das eingeschnürte „Denk mal“ in bewusster Zweideutigkeit oder die sich aus vorgegebener Realität befreien wollenden Figuren und Vasen. Die Keramiken von Erna zeigen aufs Schönste das Zusammenspiel von Modellierungskunst, fantasievoll-farbenstarker Malerei und filigraner Grafik.

Als Gast haben sich Erna und Paul Böckelmann diesmal den Dresdener Fotokünstler Peter Zimolong in ihr Altenauer Kunstrefugium geholt. Seine fotografierte Welt bildet zunächst einen scheinbar unspektakulären Kontrast zu Ernas auffälliger keramischer Plastik. Gerissener Asphalt, alte, zersprungene Gehwegplatten und Treidlerwege am Elbufer mit grünen Grasinseln und eisernen Arretierungsringen bilden die fotografierte Welt Zimolongs. Dabei erlebt der Betrachter eine Illusion aus sich kreuzenden Linien und Flächen, die eine neue Wirklichkeit suggerieren.

Fotografisch entstanden im Zustand des Gehens und Stehens, ergibt sich in spielerischer Auseinandersetzung zwischen Realität und Fiktion eine Umdeutung im Bewusstsein des Betrachters. Die Bodenstrukturen, Risse und Beschädigungen werden zu Bildern der besonderen Art. So lassen sich Felslandschaften, amorphe Gestalten, Gesichter durch betonte Farbtupfer und von Betrachter zu Betrachter verschiedene Bilderfindungen oder Botschaften aus einer anderen, unbewussten Welt deuten. Peter Zimolong, der seit 2005 freischaffend als Fotograf tätig ist und seit 2012 Mitglied im Künstlerbund Dresden, kommen bei der Auswahl und Gestaltung der Bildansichten sozialwissenschaftliche Kenntnisse zugute.

„Memory – zusammengefügt“ bieten die zwei künstlerischen Gestaltungswelten einen Deutungsaustausch: die Grundlage der stillen, festgefügten Basis mit den Fotografien Zimolongs und dazu die Fülle der kräftig leuchtenden und exzessiv gelebten Welt mit Ernas keramischen Plastiken, die der Basis bedürfen. Der Galerie Altenau 04 ist mit Förderung durch Kulturträger im Landkreis die Zusammenführung verschiedener Kunstpraktiken gelungen.

Zur Ausstellung sind zwei Kataloge mit je einem Vorwort von Heinz Weißflog erschienen.