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| 20:01 Uhr

Rezension - My fair Lady im Staatstheater Cottbus
Ergötzlich, aber nicht durchweg

Am Samstagabend feierte das Musical „My fair Lady“ im Staatstheater Cottbus Premiere. Szenenfoto mit Holger Hauer als Henry Higgins, Eve Rades als Eliza Doolittle und Andreas Jäpel als Oberst Pickering.
Am Samstagabend feierte das Musical „My fair Lady“ im Staatstheater Cottbus Premiere. Szenenfoto mit Holger Hauer als Henry Higgins, Eve Rades als Eliza Doolittle und Andreas Jäpel als Oberst Pickering. FOTO: Statstheater / Klaus Gigga / Fotograf
Cottbus. Das erfolgreichste Musical aller Zeiten erlebte am Samstagabend nun auch in Cottbus Premiere. Alexander Merzyn dirigierte, der Buchautor, Schauspieler und Regisseur Michael Wallner inszenierte. Von Irene Constantin

„Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“, das ist nur der bekannteste der vielen berühmten Songs aus „My fair Lady“. „In der Straße, mein Schatz, wo du lebst“, „Ich hätt‘ getanzt heut‘ Nacht“ – man mag gar nicht aufhören, sie alle aufzuzählen und sich ihre Ohrwurm-Melodien noch einmal vorzusummen.

Die Musiktitel sind der unfehlbare Erfolgsgarant jeder Aufführung; so auch in Cottbus. Alexander Merzyn fand nicht nur das richtige Tempo und den perfekt runden Schwung für die Melodien, die ja gute 60 Jahre auf dem Buckel haben; man mag es kaum glauben.

Merzyns Orchestersound hatte folgerichtig genau den Hauch von Nostalgie, der einem 1956 in Amerika uraufgeführten und 1961 in Deutschland herausgekommenen Werk der „heiteren Muse“ ansteht. Jede der 17 Musiknummern war eine Freude für sich.

Leicht modernisiert im Stimmklang sang die Musicalsängerin Eve Rades die Eliza Doolittle, fein differenziert im sehr unterschiedlichen Ausdruckscharakter ihrer Lieder, witzig vor allem im Umgang mit dem „feinen“ Ton. Als blonde Ballkönigin war Rades beeindruckend. Holger Hauer war ihr Pygmalion Henry Higgins. In der Wahl der Methoden seiner Spracherziehung am Gossenkind Eliza unterschied er sich nicht sehr von seinem mythologischen Vorbild, dem antiken Bildhauer Pygmalion, der sich in seine eigene Statue verliebt. Higgins hämmert und meißelt bis zur gegenseitigen Erschöpfung auf sie ein: „Ich sehe Krähen in der Nähe, Rehe noch eher näher“ bis nachts um drei. Hauer machte diese Unerbittlichkeit auch stimmlich-gesanglich deutlich. Einen wirklichen Gentleman stellte er nicht vor, er gab den Grobian.

Elizas eher originell als ordinär versoffenen Vater Alfred P. Doolittle sang und spielte Ulrich Schneider mit wahrer Hingabe. Singen, Tanzen, rabulistisch Schwadronieren, alles da. Hardy Brachmann als schwärmerischer Liebhaber Freddy war auf die tenoralen Schnulzen abonniert. Man spürte förmlich den von ihm herbeigesungenen Fliederduft in Elizas Wohnumgebung. Trotzdem blitzt er bei ihr ab, wegen mangelnder Entschlussfreude.

In den vielen kleineren Rollen amüsierten die wohlvertrauten Mitglieder des Cottbuser Opernensembles, voran Andreas Jäpel als Higgins‘ Freund Oberst Pickering. Dass er Eliza nicht nur als Objekt von Sprachdrill und Benimm-Training sieht, spielte Jäpel mit feinem Understatement. Gesine Forberger und Carola Fischer sind die Frauen um Henry Higgins, Mutter und Haushälterin. Forberger muss nur innerlich mit dem Kopf schütteln, Fischer nur mokant die Unterlippe verziehen und schon ist mehr gesagt als in längeren Dialogen. Sie haben es eben drauf, ebenso Matthias Bleidorn mit ein paar Blicken oder Dirk Kleinke und Ingo Witzke als kammermusikalische Saufkumpane von Vater Doolittle.

Weit weniger ergötzlich die Bühne und die Regie. Keine Blüten in Spaniens Grün, dafür ägyptische Finsternis. Das Bühnenbild von Till Kuhnert stellte irgendetwas zwischen Pharaonengrab und Art déco in monströs dar. Gewaltige dunkle Marmorsäulen mit seltsamen Halbreliefs sollten sowohl als Markt und Theater von Covent Garden als auch als Higgins‘ junggesellische Wissenschaftlerwohnung fungieren. Als Einheitsbühnenbild für verblüffend schnelle Szenenwechsel praktisch gedacht aber noch düsterer als der unablässige Londoner Regen wirkend.

Ebenso unbefriedigend die Chorregie mit stehenden Bildern, teilweise steifen Arrangements, eigentümlichen Handbewegungen und einer absolut misslungenen Einbeziehung des Ballettensembles. Die Körperlichkeit, Mimik, Gestik der auf realistisches Spiel trainierten Chorsänger und der ganz auf den artifiziellen Ausdruck durch Bewegungen spezialisierten Tänzer sind einfach nicht zu einer „Volksmenge“ vermischbar. Das Ergebnis hatte, bei hoher Qualität beider Ensembles, etwas herbeigezwungen Peinliches.

Musikalisch-solistisch eine durchaus nette „faire Lady“. Die lebendigen und auch in der deutschen Übertragung sprachlich originellen Musiktitel lohnen den Gang ins Theater unbedingt – und mit dem leicht abgeänderten Schluss kann man gut leben.

Nächste Vorstellungen: 24. Oktober, 9. November, 7. Dezember, Beginn jeweils 19.30 Uhr im Staatstheater Cottbus, Großes Haus, Schillerplatz 1, Karten unter www.staatstheater-cottbus.de oder telefonisch unter 0355 78242424.