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| 15:17 Uhr

Jubiläum
Der Prototyp des alternden Rockgottes

Mick Jagger im Februar 2016 in São Paulo (Brasilien).
Mick Jagger im Februar 2016 in São Paulo (Brasilien). FOTO: dpa / Sebastiao Moreira
London. Er ist seit mehr als 50 Jahren Leadsänger und Songwriter der Rolling Stones. Kaum zu glauben: Mick Jagger wird 75. Von Uli Hesse

Anzahl und Alter seiner Kinder sind Beweis genug für sein ausschweifendes Leben, Inbegriff von Sex, Drugs und Rock‘n‘Roll: Rockstar Mick Jagger, Frontmann der Rolling Stones seit mehr als einem halben Jahrhundert, hat seinem Ruf als Playboy immer Ehre gemacht und mit 72 noch ein Kind gezeugt, mit seiner derzeitigen Lebensgefährtin, der Ballerina Melanie Hamrick. Am Donnerstag (26. Juli) wird er 75.

Die Hassliebe zwischen Stones-Gitarrist Keith Richards und ihm hat in den Jahrzehnten nicht nachgelassen; Richards lästerte im „Wall Street Journal Magazin“: „Es ist Zeit für eine Vasektomie – du kannst in diesem Alter kein Vater mehr sein. Die armen Kinder!“ – und entschuldigte sich danach auf Twitter. Inzwischen ist die Rocklegende mit den prägnanten Lippen Urgroßvater, fünffacher Großvater und Vater von acht Kindern zwischen einem und 47 Jahren.

Obwohl es regelmäßig zwischen Jagger und Richards kracht, schreiben sie wie ein altes Ehepaar seit über einem halben Jahrhundert einen Hit nach dem anderen, darunter Klassiker wie „(I Can‘t Get No) Satisfaction“, „Sympathy For The Devil“, „Honky Tonk Women“ und „Jumpin‘ Jack Flash“. Die Musik kittet sie zusammen – sowie die Interventionen von Gitarrist Ron Wood und Schlagzeuger Charlie Watts.

Mick Jagger kam aus einer Lehrerfamilie – Vater, Mutter und Großvater unterrichteten, für ihn selbst kam das nie in Frage. Der junge Mick testete seine Bühnenpräsenz mit  zwölf Jahren heimlich bei Auftritten mit örtlichen Rockbands, sang und tanzte bei Familienfesten. Am 17. Oktober 1961 traf er seinen früheren Schulkameraden Keith Richards auf Plattform 2 des Dartforder Bahnhofs wieder. Der Rest ist Geschichte: Auftritt im legendären Marquee-Club in London, ihre erste Single als Rolling Stones, dann der erste weltweite Hit mit „(I Can‘t Get No) Satisfaction“ 1965. Seither haben sie mehr als 300 Millionen Platten verkauft und spielen in ausverkauften Stadien auf der ganzen Welt.

Trotzdem war es ein Schock für Jaggers Eltern, als er ihnen eröffnete, dass er sein Studium an der renommierten London School of Economics gegen eine Karriere als provokanter Anti-Beatle eintauschen wollte.

Neben den Stones gab es für Jagger auch immer eigene Musik-Projekte. 1985 erschien sein erstes Soloalbum „She‘s The Boss“. Beim Live-Aid-Konzert 1985 trat er an der Seite von Tina Turner auf, später veröffentlichte er mit David Bowie „Dancing In The Street“.

Touren wie die kürzlich beendete Europatour „No Filter“ übersteht er mit strikter Routine: Ein frühes Abendessen, ein letzter Check auf der Bühne, dass nichts während des Auftritts herunterfallen kann. Dann wärmt er sich auf, bevor er 45 Minuten lang Stimmübungen macht, damit er die zweistündige Show durchsteht.

Aufhören wird er noch lange nicht, im Gegenteil: „Ich schreibe gerade“, gestand er dem „Independent“.