Sebastian Osterhaus, 1981 in Ibbenbühren (NRW) geboren, absolvierte sein Kunststudium in Osnabrück, danach an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und bis 2014 als Meisterschüler von Professor Peter Bömmels. Die BASF- Ausstellung zeigt, wie Osterhaus facettenreich und hintergründig das Verhältnis Mensch-Tier bildnerisch beschreibt.

Blaupause für Verhalten

Dabei geht es nicht um ein bloßes Freund-Feind-Verhältnis, sondern der Künstler nutzt das ,,Tierische" als Blaupause für menschliche Verhaltensweisen aller Art. So gelingt es ihm, seine surreal-fantastischen Figuren, die zumeist als Chimären daherkommen, in Bezug zu gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit zu setzen.

Osterhaus zeigt mit seiner facettenreichen und schon erstaunlich umfangreichen Bilderwelt (alle in der Ausstellung gezeigten knapp 80 Arbeiten sind zwischen 2012 und 2016 entstanden) eine im besten Sinne zeitgenössische moderne Kunst, die sich an der heutigen Welt mit gesellschaftspolitischen Erscheinungen und dem ganz konkreten Leben der Menschen orientiert.

Dem schmunzelnden Betrachter präsentiert sich Osterhaus mit comichafter Attitüde in seinen Zeichnungen und Digitalzeichnungen, wenn er den modernen Hipster mit tierischem Vogelkopf und ,,Edward, das NSA Häschen" getarnt karikiert oder das ,,Katholische Schwergewicht" Bischof Firlefanz Teearsch als Elster humorvoll der Kritik preisgibt.

Staunend und amüsiert hinterfragten die Besucher der Ausstellungseröffnung die Mischwesen auf den zumeist großformatigen Ölbildern und Öl-Mixed-Media-Arbeiten auf Leinwand. Mit malerischer Meisterschaft holt Osterhaus Bezüge zu uralten Gottheiten und kunstgeschichtliche Bezüge ebenso wie zeitgemäße Sichtweisen und Rollenbilder in seine Chimären. Verblüfft erkennt der Betrachter, wie sehr Tierisches die heutige menschliche Seele bloßlegt. Osterhaus spielt mit Masken, mit erotischen Sinnbildern und verkehrt Geschlechterklischees. Lange können Besucher über ,,Gestreifte Realitäten" aus der Tierwelt mit menschlichem Gesicht ebenso wie über das ,,Flatterhafte Nachtgewächs" nachdenken. Im Katzengewand präsentiert sich eine nach Beute ausschauende selbstbewusste Femme fatale, während der Mann ,,Naturumsponnen" von Osterhaus im übertragenen Sinn weich gezeichnet wird. Die deformierte Symbiose Natur-Landschaft auf den großformatigen Ölbildern ,,Kein schöner Land" stößt den Menschen mit morbider Schönheit auf Versäumnisse.

Trotz aller Ironie und Kritik an menschlichen Eitelkeiten und seelischen Verwerfungen verdeutlicht Osterhaus' Bilderwelt: Hier ist ein Künstler mit viel Empathie am Werk, der die Menschen liebt, sie humorvoll in den Spiegel eigener Verhaltensweisen schauen lässt und sich selbst in die ironische Betrachtung einschließt. Seine surreal-realistischen Bilder sind Angebote zum Dialog, wie die lebhaften Gespräche während der Vernissage im Kulturhaus der BASF zeigten.

Ästhetik der Moderne

Für Dr. Karl Heinz Tebel als Vorsitzender Geschäftsführer der BASF Schwarzheide GmbH zeigt ,,die unterhaltsame Ausstellung einen vielversprechenden Nachwuchskünstler mit Zukunft" und die Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin Christiane Hoffmann attestierte Sebastian Osterhaus mit ihrer temperamentvoll-klugen Laudatio eine ,,gelungene Ästhetik der Moderne mit Bezug auf Traditionen".

Die Ausstellung im Kulturhaus der BASF Schwarzheide ist bis zum 5. Juni täglich von 12 bis 18 Uhr zu sehen. Am 26. Mai bleibt die Schau geschlossen und am 18., 21., 25. und 27. April ist sie erst ab 15 Uhr zu sehen. Öffentliche Führungen gibt es am 26. April und 24. Mai jeweils um 17 Uhr. Gruppenführungen unter Telefon: 03575262295.