Äußerlich fällt an Pückler vor allem der englische Einfluss auf. Insbesondere seine bedeutenden Gartenkunstwerke in Muskau und Branitz sind vom Vorbild englischer Landschaftsarchitektur erheblich inspiriert. Zudem waren sein Habitus als Dandy und beispielsweise seine Kleidung, seine Kutschen und Duellpistolen von den britischen Inseln importiert. Das betonte Hermann Graf von Pückler, der Urgroßneffe des berühmten Lausitzers, in seinem Grußwort zur Eröffnung der Tagung. Zugleich wies der Nachfahre auf die starke französische Prägung der Familienlinien Pückler und Callenberg hin. In den Schlössern in Branitz und Muskau sei, wie das in der adeligen und gebildeten Gesellschaft Europas seit dem absolutistischen Zeitalter üblich war, Französisch gesprochen worden. Graf Pückler erzählte, er selbst sei noch im Zweiten Weltkrieg in Obhut einer französischen Erzieherin in Branitz aufgewachsen – und nur deren ungeliebter Zwiebelsaft als Medizin habe ihn als Kind vom Einfluss des westlichen Nachbarlandes entfremdet.

Die historische Bibliothek, die heute noch im Schloss zuhause ist, weist überwiegend französischsprachige Bücher auf. Entsprechend vielfältig waren die Bezüge des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) zum Geistes- und Kulturleben Frankreichs. Die Tagung arbeitete diese Verbindungen in zahlreichen Vorträgen und Diskussionen heraus. Französische und deutsche Wissenschaftler erörterten unter anderem Pücklers wiederholte Reisen durch Frankreich, seine Kontakte zur dortigen Gesellschaft sowie seine Ansichten zur französischen Kunst, (Garten-)Architektur, Wohnkultur, Literatur, Orientforschung und Philosophie.

Keine konfliktlose Nähe

Dabei wurde schnell deutlich, dass die Nähe des Fürsten zur französischen Kulturnation keineswegs konfliktlos war, was auch seine familiäre Identität berührte. Pückler war über seine Mutter Clementine von Callenberg Enkel einer Französin: Olimpia de la Tour de Pin, die einem alten Adelsgeschlecht in der Dauphiné angehörte.

Wie die Pariser Forscherin Vivianne Prest hervorhob, habe der Lausitzer diese Verwandtschaft jedoch in seinen Schriften mit einem „sonderbaren Stillschweigen“ bedacht. Zudem habe er mehrfach versäumt, das französische Familienschloss, wo seine Mutter lebte, kennenzulernen.

Die Tagungsteilnehmer erwogen verschiedene Gründe für seine Distanzierung. Vivianne Prest vermutete mit Rückgriff auf eine Bemerkung Pücklers, dass dessen französische Herkunft aus Sicht des preußischen Adels als „unstandesgemäߓ galt. Der Berliner Kultursoziologe Ulf Jacob, der die Tagung als Moderator und Organisator betreute, brachte einen politischen Hintergrund ins Spiel. Er wies auf das starke Nationalbewusstsein hin, das sich in den verschiedenen deutschen Staaten im 19. Jahrhundert entwickelte. In den Jahren 1813 und 1814 nahm Pückler als junger Mann in preußisch-russischen Diensten an den Freiheitskriegen gegen Napoleons Truppen teil.

Im Alter von fast 85 Jahren meldete er sich 1870, kurz vor seinem Tod, nochmals gegen Frankreich zu den Waffen. In den Augen Ulf Jacobs sei der Fürst zwar „kein Nationalist“ gewesen, aber er habe sich durch Bemerkungen in seinen Büchern zumindest „in den nationalistischen Diskurs eingeschrieben“.

Figur der Kulturgeschichte

Demgegenüber stehen auch entschieden frankophile Bekundungen. Marie-Ange Maillet aus Paris zitierte im Hauptreferat der Tagung eine Passage aus Pücklers Werk „Tutti Frutti“ (1834). Darin habe sich der Fürst als Beispiel einer „innigen Durchdringung, Einigung und Verbrüderung deutscher und französischer Nationalität“ bezeichnet. Entsprechend nannte Graf Pückler seinen Vorfahren „einen echten Europäer“. Michel Espagne, der Leiter der Pariser Forschungsgruppe, kennzeichnete den Lausitzer Gartenkünstler und Reiseschriftsteller als „ungenügend untersuchte Figur der deutsch-französischen Kulturgeschichte“. Durch den Gedankenaustausch der internationalen Forscher in Branitz sind die Umrisse dieser schillernden Figur nun deutlicher geworden.

Die Tagung wurde von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz sowie der Forschungsgruppe „Groupe de recherche sur les transferts culturels“ des Pariser Centre National de la Recherche Scientifique in Zusammenarbeit mit dem Napoleonmuseum Thurgau Schloss und Park Arenenberg und der Universität Potsdam veranstaltet.