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Einzigartiges im Kupferstich-Kabinett

Aus Platzgründen wird nur ein kleiner Teil des 100 Meter langen Entwurfs gezeigt. Komplett ausgerollt wurde er zuletzt in den 70ern.
Aus Platzgründen wird nur ein kleiner Teil des 100 Meter langen Entwurfs gezeigt. Komplett ausgerollt wurde er zuletzt in den 70ern. FOTO: dpa
Dresden. Der Fürstenzug gehört zu Dresdens weltberühmten Sehenswürdigkeiten. Das Kupferstich-Kabinett bewahrt den formatgleichen Entwurf. Simona Block

Eine Schau erlaubt nun erstmals einen Blick in das Monumentalwerk aus Kohle auf Papier.

Sachsens Kurfürsten Friedrich der Weise und Johann der Beständige reiten nebeneinander. Jedes mit Kohle gezeichnete Detail ist genau erkennbar: die Sporen an den Schuhen, der Hermelin der Mäntel, die gepflegten Bärte, aber auch Löwenzahn oder Eichenlaub am Wegesrand. "Hier sieht man genau die Vorzeichnung und die Quadrierung des auf Leinen aufgelegten Papiers", zeigt die Direktorin des Dresdner Kupferstich-Kabinetts, Stephanie Buck, auf das Original. Es ist nur ein kleines Stück der Vorzeichnung des weltberühmten Dresdner Fürstenzugs auf Karton - aber "Inbegriff eines Unikats von höchster Seltenheit."

Die monumentale Zeichnung von Wilhelm Walther (1826-1913) aus dem 19. Jahrhundert wird seit Jahrzehnten im Depot des Museums verwahrt - in vier Teilen, jeweils gerollt in über vier Meter langen Holzkisten. Eine der Rollen wird nun erstmals ausgestellt. "Wir können nur einen Ausschnitt zeigen und haben uns im Reformationsjahr für die Fürsten dieser Zeit entschieden", sagt Buck. Der Rest des Abschnitts ist mangels Platz aufgerollt. Der Entwurf für das überlebensgroße Bild eines Reiterzuges der von 1123 bis 1904 herrschenden Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Geschlecht der Wettiner misst insgesamt mehr als 100 Meter in der Länge und vier Meter in der Höhe.

Der knapp 1000 Quadratmeter große Wandfries an der Fassade des zum Stallhof gehörenden Langen Ganges am Residenzschloss ist das größte Porzellanbild der Welt. 1872 bis 1876 schuf Walther ihn als Sgraffito - einer Kratzputztechnik. Das allerdings verwitterte. Von 1904 bis 1907 wurde er auf rund 24 000 Kacheln aus Meissener Porzellan übertragen. "Die Zeichnung war also zwei Mal die Grundlage", sagt Buck. Sie hätte gern ein Forschungsprojekt zu dem Werk, das letztmalig in den 1970er-Jahren vollständig entrollt war - in der Hofkirche.

Der spektakuläre Schatz aus dem Depot ist der Höhepunkt der Schau "Einzigartig!" (30. Juni bis 25. September) der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD). Sie zeigt, was ein Bild, auch ein vervielfältigtes Bild, dazu macht. Ausgangspunkt ist das Buch von Kunsthistoriker Hans Wolfgang Singer, der 1911 "Unika und Seltenheiten" der Sammlung publizierte - vom 15. Jahrhundert bis in seine Zeit. "Das sind verblüffenderweise Druckgrafiken, nicht Meisterzeichnungen, wie man es erwarten würde", sagt Buck. In der Schau gehe es um die Frage, "was verstehen, was sehen wir als einzigartig an".