Eine Entwicklung, in Stein gemeißelt

Fast jeder hat schon mal erlebt, dass Bulldozer, Bagger und Kräne anrücken, um eine der wenigen noch vorhandenen Brachen im eigenen Stadtrandbereich zu Gunsten künftiger Verkaufsstandorte zu tilgen. In Dresden wird beispielsweise eine Einkaufsmeile in den Bahnhof implementier. Über 40 Läden und 60.000 Besucher am Tag sollen hier angezogen werden. Hintergrund ist ein immer größer werdender Konkurrenzkampf im Einzelhandel, der bis 2014 zu einer steten Steigerung der Verkaufsfläche pro Einwohner geführt hat, wie eine statistische Erhebung der RegioData Research belegt. Für jeden Bundesbürger stehen tendenziell immer mehr Einkaufsmöglichkeiten zur Verfügung, die Versorgung soll möglichst flächendeckend gewährleistet sein, so die Verkaufsstrategen - und das nicht nur in Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet, sondern besonders auch in strukturschwachen Regionen wie beispielsweise der Lausitz. Dabei haben die Verkaufsflächen absolut gesehen in den letzten 40 Jahren um mehr als 300 Prozent zugelegt, wie eine weitere Auswertung bei Statista zeigt

Shop around the clock

Geht der Trend zu immer mehr Verkaufsfläche hin, so ist Gleiches für die zur Verfügung stehenden Zeitfenster festzustellen, in denen eingekauft werden kann. So hat die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten in letzten zwei Jahrzehnten bereits zu einer drastischen Reduktion der Zeitspanne geführt, in der die Geschäfte nach Rechtslage überhaupt noch geschlossen sein müssen. Fast ein Drittel der Deutschen allerdings würde laut einer Studie der Markforschungsgesellschaft GfK mittlerweile sogar noch einen Schritt weitergehen und das Verkaufsverbot selbst an Sonntagen kippen.

Aktuell dürfen die Läden selbst in den meisten Bundesländern an vier Sonntagen im Jahr geöffnet werden, was 31,5 Prozent der Deutschen befürworten. 18,5 Prozent wünschen sich sogar noch häufigere Ausnahmen von der im Grundgesetz verbrieften allgemeinen Sonntagsruhe. Häufigeres Sonntags-Shopping gibt es bereits in Brandenburg und Berlin. Hier können aber auch Kunden aus den umliegenden Ländern profitieren, denn der Weg in geöffnete Läden ist manchmal gar nicht weit. Wenn allerdings eine gewisse Unsicherheit bleibt, ob die eigenen Annahmen stimmen, kann sich für Verbraucher in Grenznähe also die  /spanRecherche im Internet lohnen . So stehen sie im Zweifelsfall nicht vor verschlossenen Türen oder können auch anderweitig im Bedarfsfall schnell über die Grenze fahren, um dort die Einkäufe zu tätigen.

So hat sich der Dachverband der Einzelhändler (HDE) bereits für eine umfassende Freigabe der Öffnungszeiten ausgesprochen, um sich laut ihres Hauptgeschäftsführers Stefan Genth der immer stärker werdenden Online-Konkurrenz im Internethandel vor Ort erwehren zu können.

Wenn hier nichts geschehe, könnten die Folgen laut Genth dramatisch sein und sich in Massenschließungen von Einzelhandelsgeschäften und einer Verödung von innerstädtischen Bereichen manifestieren. Gerade in historischen Innenstädten gäbe es noch viel Handlungsbedarf, was längere Ladenöffnungszeiten angehe.

Besonders in Ballungsräumen und größeren Fußgängerzonen und Einkaufspassagen wollen Händler verstärkt selbst darüber entscheiden können, wann sie öffnen wollen, wie der Geschäftsführer des Handelsverbands, Bernd Ohlmann, im Hinblick auf München in der Augsburger Allgemeine bestätigt.

Die Flucht nach vorne

Doch bis zu einer endgültigen Preisgabe der Einkaufsbeschränkungen scheint noch ein weiter Weg zu sein. Das haben sich offenbar Handelsverbände, Planer, Architekten und Kommunen auch gedacht, und in den letzten Jahren immer größere Konsumtempel in Stadtrandzonen aus dem Boden gestampft, um so der drohenden Internet-Konkurrenz etwas Gewichtiges entgegensetzen zu können.

Um dem anonymeren, mehr auf den reinen Kauf-Akt reduzierten Online-Einkauf Paroli bieten zu können, soll ein attraktives Umfeld in bewusster Abgrenzung zur Internetkonkurrenz geschaffen werden, um den Einkauf zu einem persönlichen, interaktiven Erlebnis für jeden Einzelnen werden zu lassen:

Geschultes, freundliches Fachpersonal führt eine ausführliche, persönliche Produktberatung vor Ort durch und erleichtert so die Kaufentscheidung.Eine Konzentration an thematisch verwandten Einzelhandelsgeschäften unter einem (Groß-) Dach soll möglichst alle eventuellen Konsumwünsche aus vorab definierten Sparte(n) des täglichen Lebens abdecken.Auf riesigen Arealen werden ausreichend Parkmöglichkeiten geschaffen, die vielfach kostenfrei oder zu äußerst günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt werden.Ein immer breiteres Warensortiment wird auf immer größeren Verkaufsflächen angeboten:Strukturelle Aufgliederung einzelner Konsumbereiche in thematische, räumlich voneinander getrennte Bereiche, z.B. in einem Wohnboulevard: Möbel, Küche, Badezimmer, Raumausstattung, SchlafkomfortSchaffung großzügiger, überdachter Verbindungswege zwischen einzelnen Shopping-BereichenAttraktiv gestaltete Ruhezonen mit angeschlossenen gastronomischen Angeboten laden zwischen den Kaufaktivitäten zum Verweilen ein.Integrierte Kindergärten betreuen den Nachwuchs, während Mama und Papa ungestört einkaufen können.Das Woonboulevard Heerlen - Ein Zukunftsmodell Shopping

Viele dieser Features vereinen die modern gestalteten "Kaufstädte in Städten", wie ein Beispiel über die Grenze im holländischen Heerlen zeigt.

Seit rund zweieinhalb Jahrzehnten ist der "Woonboulevard Heerlen" der größte Wohnboulevard Europas mit 50 Fachgeschäften und Einrichtungshäusern, verteilt auf 120.000 Quadratmetern. Der Wohnboulevard ist auf den Bereich Heim und Haus spezialisiert und beherbergt eine Reihe von Möbelhäusern, Küchencentern, Baumärkten und Gartenfachcentern. Ob Küche, ­Terrassenmöbel, Schlafsofa oder Blumenampel, es gibt vermutlich nichts rund um die Themen Haus und Garten, was es in den zahlreichen Geschäften dieser Einkaufsmeile der Superlative nicht zu kaufen gibt.

Eine günstige Verkehrsanbindung über die A4 ist zunächst einmal das A und O eines jeden Großraum-Projekts. Außerdem wurde im Sommer 2010 ein neuer Haltepunkt am Woonboulevard in Heerlen eingeweiht, der den Boulevard auf der Achse Kerkrade - Heerlen - Maastricht mit dem niederländischen und euro-regionalen Schienennetz verbindet. Die Züge halten dort im 30-Minuten-Takt.

Die Öffnungszeiten des Boulevards sind je nach Geschäft variabel, die Ladenbetreiber bestimmen selbst, wann sie geöffnet haben möchten und wann nicht. Jeden Samstag und Sonntag im Monat können die Geschäfte bis 17 Uhr geöffnet sein. Das gilt auch für Feiertage wie Karfreitag, Ostermontag, 1. Mai, Pfingsten, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, dem 3. Oktober, Allerheiligen und dem 2. Weihnachtsfeiertag.

Das großzügige Parkangebot ist gratis, von dem jährlich über vier Millionen Besucher Gebrauch machen. Und nach dem Einkauf kann an die gekaufte Ware an Selbstbedienungskassen selber eingescannt und bezahlt werden.