In der 40. Foyerausstellung bei Vattenfall in Cottbus ist eine Auswahl von 26 Werken aus etwa 300 Grafiken, Gemälden, Fotografien und Skulpturen, zu sehen, die im Laufe der Jahre angekauft wurden. Dabei sind Arbeiten, die noch zu DDR-Zeiten vom BKK Senftenberg und dem Gaskombinat Schwarze Pumpe erworben wurden, auch Laubag und Veag hatten ihren Anteil. So ist eine eindrucksvolle Sammlung entstanden, in der zahlreiche namhafte Künstler, vor allem der Region, vertreten sind. Paul Böckelmann, Dieter Dressler, Gerhart Lampa, Günther Friedrich, Jürgen von Woyski, Kurt Klinkert, Hans Scheuerecker, Daniel Sambo-Richter, Hans Georg Wagner, Matthias Körner . . . Die frühesten Arbeiten entstanden zu Beginn der 1960er-Jahre, wie Dieter Dresslers Porträt des Arbeiters "Linus Hettenbach" und Günther Friedrichs "Kühltürme in Schwarze Pumpe". Es sind Bilder, die ganz ihrer Zeit verpflichtet sind, von jenen Jahren des Aufbruchs zeugen, da es die Künstler zu den industriellen Großbaustellen des Landes zog, sie sich bewusst als Chronisten ihrer Zeit einbrachten.

Nicht nur Bergbaulandschaft

Eine Zeitreise sei diese Schau, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Hartmuth Zeiß. "In dieser Ausstellung geht es nicht um eine Dokumentation räumlicher und gesellschaftlicher Veränderungen, sondern um die künstlerische Auseinandersetzung mit verschiedensten Themen in einer sich verändernden Umwelt." Schaufelrad und Bergbaulandschaft gibt es hier auch - aber eben nicht nur. Hans Scheuereckers aus acht Einzelbildern zusammengefügtes "Horizonte" von 2006 zeigt variantenreiche Deutungen des Begriffs. Die acht Einzelbilder sind nicht nur farblich ganz unterschiedlich, in jedem kann man einem ganz eigenen Horizont entgegenblicken - mit Silhouette auf dem einen, auf einem anderen sieht es aus, als ob sich die Scheibenwischer eines Autos in den Weg stellen und manchmal ist der Blick ganz unverstellt.

Bei anderen Bildern wiederum ist man gleich beim Thema. Jan Bucks 1999 gemalte "Tagebaulandschaft" ist sofort als solche erkennbar. Ein paar Baumstümpfe, längst abgestorben, ragen wie mahnende Finger aus der Landschaft, die ein Tagebaurestloch sein könnte, bereits teilweise mit Wasser gefüllt und also auf dem Wege der Rekultivierung. Noch aber Ödnis.

Es spricht für Vattenfall, dass auch die Kritiker zu Wort kommen konnten. Wer Umwelt so vernutzt, muss mit Widerspruch rechnen. Zumal Kunst ja dazu angetan ist, "den Blick auf die Welt zu schärfen", wie die Kuratorin der Ausstellung, Ulrike Kremeier, es formuliert.

"Spiegel des Zeitgeistes"

Auf das eine oder andere Bild schaut die Direktorin des Cottbuser Kunstmuseums Dieselkraftwerk (dkw) sicher auch neidvoll, es würde die Bestände ihres Hauses sinnvoll ergänzen. Und so schwärmt sie von der Vattenfall-Kunstsammlung, die keineswegs klein sei und schon gar nicht sei sie ein Potpourri. "Sie ist ein Spiegel des Zeitgeistes, der Entwicklung von Themen und Formen der Kunst ebenso wie der Unternehmenskultur."

Selbst dort, wo es direkt um Tagebau geht, sind die Handschriften ganz unterschiedlich. Willi Frommberger hat in sein minimalistisches "Braunkohlebild mit Graphitband" Kohleschlacke und -staub eingearbeitet. Ganz anders Uwe Mücklausch, der in seiner Arbeit "Erzählung" tatsächlich eine Geschichte erzählt. Da sind im Vordergrund ein Schaufelrad und alle möglichen in den Tagebau gehörenden Utensilien zu sehen, dahinter bunt bemalte Bauwagen, die nicht nur farblich einen Kontrapunkt zur in Ocker gehaltenen Sandwüste setzen, sondern auch inhaltlich. Die drei Wagen sind Blau, Rot und Weiß wie die Flagge der Sorben. Vielleicht markieren sie die Stelle, an der einst eine sorbische Siedlung stand. Auch hier hat der Künstler sein Statement hinterlassen - tatsächlich eine Erzählung. Ganz anders Alex Ignatius, der für sein "Schaufelrad" nur einen kraftvollen Pinselstrich benötigt, um den Betrachter spüren zu lassen, wie hier das Unterste zuoberst gewendet wird.

Eine sehenswerte Ausstellung - die trotz des Verkaufs von Vattenfall hoffentlich nur eine Zwischenbilanz ist.

Die Ausstellung ist bis zum 1. September wochentags während der Geschäftszeiten in der Vattenfall-Hauptverwaltung zu sehen. Eine öffentliche Führung mit der Kuratorin Ulrike Kremeier wird am 27. Mai um 14 Uhr angeboten.