| 17:59 Uhr

"Eine Wolke konnte sie glücklich machen"

Szene mit (v.l.) Lutz Wessel und Arne van Dorsten (Freikorpsler), Susanne Jansen (Rosa).
Szene mit (v.l.) Lutz Wessel und Arne van Dorsten (Freikorpsler), Susanne Jansen (Rosa). FOTO: Zé de Paiva
Cottbus. "Rosa Luxemburg – Trotz alledem" ist ein Theaterprojekt von Anja Panse und Barbara Kastner, das ab morgen an drei Abenden im Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus zu erleben ist. Im Interview spricht Anja Panse über Beweggründe, sich diesem Thema zu widmen.

"Rosa Luxemburg - Trotz alledem" ist ein Theaterprojekt von Anja Panse und Barbara Kastner, das ab morgen an drei Abenden im Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus zu erleben ist. Im Interview spricht Anja Panse über Beweggründe, sich diesem Thema zu widmen.

Frau Panse, was fasziniert Sie am Leben Rosa Luxemburgs, dass Sie ein Theaterstück daraus gemacht haben?
Panse: Ihr ungeheurer Kampfgeist, aber ebenso ihre Fähigkeit zur scharfen Analyse der gesellschaftlichen Zustände. Sie hat ja ganz klar dargelegt, warum es den Massen schlecht geht, warum das Kapital nur bei den Herrschenden ist, und dass die Akkumulation noch zunehmen wird. Was wir heute als Globalisierung bezeichnen. Genauso interessant ist ihre innere Welt. Wenn man ihre Briefe aus dem Gefängnis gelesen hat, ist man zutiefst berührt von dem inneren Wesen der Rosa Luxemburg. Das ist das Zentrum, aus dem sie höchstwahrscheinlich ihre Kraft geschöpft hat. Aus ihrer Liebe zur Natur beispielsweise. Eine einzelne Wolke konnte sie glücklich machen. So hat sie ihre Gefängniszeit mit Würde ertragen. Das hat mich unheimlich fasziniert.

Das ist hundert Jahre her.
Panse: Ja, aber die Gedanken und Analysen treffen für uns heute noch zu in bestimmten Bereichen. Und ich finde es schade, dass Rosa Luxemburg für viele vergessen ist, obwohl sie uns in unseren heutigen politischen Zuständen noch viel zu sagen hat.

Worum geht es in dem Stück?
Panse: Wir greifen Teilaspekte aus Rosa Luxemburgs Leben auf und setzen das szenisch um. Inhaltlich verschneiden wir diese Szenen mit dem Hier und Jetzt. Sodass wir die Zusammenhänge nachvollziehbar machen zwischen dem damals von ihr Gesagten und dem, was wir erleben.

Wie viele Personen sind auf der Bühne?
Panse: Wir sind zu viert auf der Bühne, die Rosa-Darstellerin, ein Schauspieler, ein Puppenspieler und eine Musikerin. Es ist also ein interdisziplinäres Theaterprojekt. Zum einen, weil ich gern wollte, dass es einen sinnlichen Anspruch hat, dass es humorvoll ist, ich viele Personen auf die Bühne bringen kann, auch wenn ich nicht massenhaft Schauspieler habe. Unsere Rosa wird live singen, Lieder des Lieblingskomponisten von Rosa Luxemburg, Hugo Wolf. Zum Beispiel "Blumengruß". Die Lieder sind sehr anspruchsvoll. Die Texte stammen von Goethe, dem Lieblingsdichter Rosa Luxemburgs. Am Tage ihres Todes hatte sie den "Faust" in der Tasche.

Welche heutigen politischen Akteure stellen Sie Rosa Luxemburg gegenüber?
Panse: Wir benennen sie gar nicht so direkt. Aber es gibt ja Haltungen, denen man immer wieder begegnet. Die neoliberale etwa, dass uns die Wirtschaft schon den Weg weisen wird. Oder wir haben einen Vertreter der Verteidigungs- und Rüstungspolitik.

Ohne Namen zu nennen, sind politische Ideen von heute zu erkennen.

Das klingt stark nach Denkarbeit, wie bringen Sie es als Denkvergnügen auf die Bühne?
Panse: Das klingt vielleicht theoretisch und trocken, aber von Anfang an war es mein Anspruch, dass es lebt, dass es auch lustig ist, man fasziniert ist von dem, was sich auf der Bühne abspielt. Wir haben ja Puppen dabei, die natürlich viel mehr können als ein menschlicher Darsteller. Zum Teil ist es sehr witzig, auch berührend. Da wir interdisziplinär arbeiten, haben wir die Möglichkeit, verschiedene Aspekte des Theaters zu beleuchten, sodass es nie langweilig wird.

Wie wird das Kunstmuseum zur Bühne?
Panse: Da bin ich auch gespannt. Wir bauen eine kleine Podesterie, auf der das Publikum sitzen wird, spielen ebenerdig. Und dann schauen wir mal, wie wir einen Theaterraum zaubern werden.

Mit Anja Panse

sprach Renate Marschall

Zum Thema:
Zum Stück: Rosa Luxemburgs Nachlass lässt ihr politisches Wirken, ihre flammenden Reden lebendig werden, aber auch ihre Situation als Frau und ihre stillen, privaten Momente, in denen sie erschöpft vom politischen Kampf innehielt: ihre Liebe zur Ornithologie, zur Literatur, ihre Liebesbeziehungen und Freundschaften. Es spielen: Susanne Jansen ist Rosa Luxemburg, Lutz Wessel spielt diverse Rollen, unter anderem Leo Jogiches, den langjährigen Freund Rosa Luxemburgs, Arne van Dorsten ist Puppenspieler und ist außerdem Karl Liebknecht, Annegret Enderle spielt Geige und Klavier. Vorstellungen: 21. und 22. September, 19.30 Uhr; 23. September, 20 Uhr, zuvor um 19 Uhr Podiumsgespräch mit Evelin Wittich, Rosa-Luxemburg-Stiftung im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus, Uferstraße. Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 12 Euro, Tel.: Kunstkasse: 0355/ 49494040