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Eine Manie, die man weiter treibt

Lothar Böhmes "Bildnis C.B.", 1979, Öl auf Leinwand, 130 x 81 cm. Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.
Lothar Böhmes "Bildnis C.B.", 1979, Öl auf Leinwand, 130 x 81 cm. Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst. FOTO: Andreas Kämper
Cottbus. Der Berliner Maler Lothar Böhme ist des Lobes voll über die Präsentation seiner meist großformatigen, expressiven Bilder in den Räumen des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BlmK) in Cottbus. Das sei selbst in der Nationalgalerie Berlin nicht so gewesen oder im US-amerikanischen Philadelphia. Renate Marschall

"Wenn Bilder in diesen Räumen nicht wirken, sind sie schlecht", sagt der 1938 in Berlin geborene Künstler kategorisch.

Sichtlich berührt ist Lothar Böhme, als er vor den Arbeiten seiner 1991 verstorbenen Frau Christa steht. Seit 1972 in der Galerie im Turm in Berlin hatten sie keine gemeinsame Ausstellung mehr. "Wir hatten uns damals bewusst dafür entschieden, unsere Bilder nicht gemeinsam zu zeigen", sagt er und scheint es im Nachhinein zu bedauern. "Diese Ausstellung hier ist für mich ein Schritt in die Vergangenheit, die lange Verdrängtes wieder hervorholt, aber ich freue mich sehr, nach so langer Zeit unsere Bilder in einer Ausstellung zu sehen."

So verschieden sie auch sind, treten sie doch auf eine vertraute Weise in Korrespondenz zueinander, spürt man die Verbindung beider Künstler. Und das nicht nur, weil sie sich im Wesentlichen auf Motive wie Stillleben, Figur, Interieur, manchmal auch Landschaft beschränken. Ein privater Rückzugsraum in der vom sozialistischen Realismus der 1960er-Jahre geprägten Kunstlandschaft der DDR. Dass Lothar Böhme Künstler in der DDR wurde, war ebenso ein Zufall wie für viele Berliner, die der Mauerbau 1961 in den Ost- oder Westteil verortete. Sein Grafik-Studium an der Meisterschule für das Kunsthandwerk in Berlin-Charlottenburg konnte er nicht beenden. Auch Christa studierte dort. Für sie schloss sich die Hochschule der Künste an. 1964 übersiedelte sie in die DDR - der Liebe wegen. Ideologisch vereinnahmen aber wollten sich beide nicht lassen.

In erdigen Farben gehalten, meist von Schwarz dominiert, sind die Öl-Bilder von Lothar Böhme. "Konservatorisches Malen" nennt er sein immer wieder Zurückkommen auf ähnliche Motive, "eine Manie, die man weiter treibt". "Aber man muss spannend bleiben in der Einseitigkeit, in der Wiederholung", formuliert er seinen Anspruch. Tatsächlich scheinen sich die Bilder zu ähneln - auf den ersten Blick. Da ist auch immer etwas Individuelles. Mal sind die Gesichter stärker ausformuliert, dann wieder muten sie an wie hinter dem Helm einer Ritterrüstung verborgen. Kein Gesichtsausdruck, der Gefühlsregungen verraten könnte. Auch die Haltung der Figuren ist eher statisch, gewinnt Dynamik durch den Pinselstrich. Mitunter mit kreisförmigen Schwüngen markiert er die Figur, dann wieder fast grafisch. Die Farbe zum Teil so dick aufgetragen, dass das Bild plastisch wird.

"Man sieht, wie ich immer wieder experimentiere", kommentiert der Maler. Auch was die Farbe betrifft. In den Aktbildern ist außer Schwarz Farbe nur punktuell eingesetzt. Ein Selbstbildnis von 2001, auf einer naturbelassenen Leinwand, die so aussieht, als hätte sie schon ein Weilchen im Atelier herumgestanden, malt er sich in Brauntönen, mit einem schwer zu deutenden Gesichtsausdruck. Zufriedenheit sieht anders aus.

In den Aktdarstellungen von Christa Böhme spürt man eine ähnliche Auffassung von der Figur, dabei eine völlig andere künstlerische Umsetzung. Ihre hier ausgestellten Akte sind meist grafisch, zeigen die Könnerin. Besonders berührend ihr "Selbstbildnis mit grün-schwarzem Streifenpullover" von 1985. Mit ernstem Blick schaut die Künstlerin in die Welt, mit der sie nicht zufrieden zu sein scheint.

In den Stillleben nähern sich beide Maler vielleicht am stärksten an - in der Farbigkeit, auch das eine oder andere Interieur erkennt man wieder. Unterschiedlich ist die Art und Weise, wie die Farbe auf die Leinwand gebracht wird. Bei Lothar Böhme sind die Gegenstände klar umgrenzt, während sich bei Christa Böhme Konturen verwischen, die Farbe dünn auf die Leinwand aufgetragen ist, sodass deren Struktur sichtbar bleibt. Gegensätzlich und doch verwandt, oder wie Lothar Böhme sagt: "Zwei Maler, die zusammen studiert und gelebt haben, von denen jeder seine eigene Art zu malen entwickelt hat, die den anderen nicht bedrängt."

Eine sehenswerte Ausstellung, wie überhaupt das BLmK gerade eine Vielfalt künstlerischer Äußerungen zu bieten hat, von der Klassischen Moderne bis zum Comic, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Ausstellung bis 19. November, BLmK, Uferstraße, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.