Auf der Bühne geht's um Hitze zwischen Menschen unter südlicher Sonne, während ich über einen Glühwein nachdenke. Lange Unterhosen wären nicht schlecht gewesen, man glaubt es nicht.

Schlagerette also. "Oh La Paloma Blanca" auf "MS Madagaskar" umgedichtet, "Mokka-Milch-Eisbar", Karel Gotts "Babitschka". Die Frau neben mir sagt: "Ganz schön klamottig."

Ich will nicht streiten. Nehme nämlich an, dass das das genau so gewollt ist: das amüsante Sommerstück im Amphitheater. Die Bade-Urlauber sind eher nicht an Heiner Müller interessiert. Sondern an Beziehungskisten, Stress zwischen Paaren, Trennung und Versöhnung, regionalem Kolorit, guter Laune -"Hopp hopp, rin in'n Kopp!"- schicker Choreografie, an Sweets "Ballroom Blitz", Liedern von Vicky Leandros, den Puhdys, von Frank Schöbel, Katja Ebstein, Howard Carpendale, Drafi Deutscher . . . Und gern süffisant dargeboten.

Und sie sind interessiert an Ostalgie. Was für ein Publikums-Chor: "Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer . . ."

Die Frau neben mir hat sich erwärmt: "Bei der Singerei ist nicht alles perfekt, aber: tolles Bühnenbild, tolle Kostüme, tolle Band, tolle Stimmung!!!"

Sehe ich genau so.