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"Eine der schönsten Phasen meines Schaffens"

Bevor seine letzte Vorstellung in dieser Spielzeit gestern Abend über die Bühne ging, fragten wir den scheidenden Schauspieldirektor: Mario Holetzeck, was bedeutete Ihnen die Zeit in Cottbus? Das Staatstheater Cottbus war für mich eine der wichtigsten und schönsten Phasen meines künstlerischen Schaffens. Hier habe ich ein kreatives Zuhause gefunden und konnte über viele Jahre ein tolles Ensemble aufbauen, wo wir uns als Menschen und Künstler auf Augenhöhe begegneten.

Wir haben uns als Schauspiel-Ensemble gegenseitig befruchtet, gefordert, gestritten, aber auch viel gelacht, Spaß gehabt. Immer waren wir auf der Suche, was Theater heute und hier noch bewirken kann, und so haben wir uns als Künstler weiterentwickelt. Unsere Zuschauer, aber auch die Öffentlichkeit nahmen diese Art der Zusammenarbeit wahr und honorierten sie.

Was war das Schwierigste, was das Beste, was Sie erreichen konnten?
Ich habe nicht nur meine Fähigkeiten als Theaterregisseur hier weiterentwickeln können, sondern auch die als Chef, als Schauspieldirektor der Sparte, der jährliche Spielzeit-Konzepte entwickelt, mindestens drei Inszenierungen realisierte, die Auswahl der Künstler traf, die am Haus arbeiteten, aber auch Vertragsverhandlungen führte. Ich war für die Finanzierung verantwortlich und führte das Ensemble . . . Mit bis zu 200 Vorstellungen, einer halben Million Einnahmen ist die Schauspielabteilung ein sehr relevanter Teil dieses Theaters. Dies gilt es, unbedingt zu erhalten. "Wie im Himmel, Schimmelreiter, Laden 1 & 2, Shockheaded Peter, Diener zweier Herren, Der gute Mensch von Sezuan, Hamlet, Die spanische Fliege oder zuletzt Mamma Medea - unterschiedlicher kann man als Regisseur nicht arbeiten . . . Chapeau!", so ein Zuschauer in einem Brief, über den ich mich sehr gefreut habe. Denn er beschreibt genau, wie sehr ich auf der Suche nach neuen Themen, nach verschiedenen ästhetischen Umsetzungen und Spielweisen bin. Mit meinem Ensemble haben wir emotionale, bildgewaltige und doch sehr unterschiedliche Arbeiten in Cottbus realisiert, und so haben wir etwas geschaffen, das unvergesslich bleibt, auch wenn mein Vertrag als Schauspieldirektor nicht verlängert wurde.

Wie geht es für Sie weiter?
In der ersten Phase werde ich freischaffend als Theaterregisseur arbeiten: Ich inszeniere zu Spielzeitbeginn "Die Frau vom Meer" am Staatstheater Braunschweig, anschließend "Othello" am Rheinischen Landestheater Neuss. Weitere Arbeiten sind bereits in Verhandlungen. Ziel ist es aber für mich, entweder als Schauspieldirektor wieder ein Ensemble zu führen oder aber als Intendant ein Theater zu leiten. Warum nicht Cottbus?

Die Fragen an Mario Holetzeck

stellte Ida Kretzschmar