Es ist inzwischen das fünfte Buch von Thadeusz, der beim Rundfunk Berlin-Brandenburg eine eigene Sendung hat. Nachdem er unter anderem eigene Erfahrungen als Rettungssanitäter und Flugängstler literarisch verarbeitete, wagte er sich mit der "Sopranistin" (Kiepenheuer & Witsch) auf kriminelles Terrain. Auf terroristisches gar.

Der Bruno-Fernsehpreis wird in Berlin verliehen, es gibt eine rauschende Aftershow-Party. Da detoniert eine Bombe, drei Menschen sterben, Hunderte werden verletzt. Die Nation ist schockiert: Handelt es sich um einen Anschlag der Islamisten? Nein. Thadeuzs' Roman basiert auf der Frage: Was wäre, wenn die jungen zornigen Globalisierungsgegner, gewissermaßen als Enkel der RAF, wirklich was unternähmen?

Das Buch setzt ein in Washington D.C. Dort lebt seit Jahren Georg, ein deutscher Friseur. Er lebt auf großem Fuß, er lebt gern, ist nur ständig knapp bei Kasse. Macht nichts, denn: "Das Glück bei Frauen ist planbar." Außerdem schickt Onkel Jupp, bei dem Georg aufgewachsen ist, immer wieder Geld.

Also ran ans nächste Date: "Gestern Vormittag hatte sie in seinem Laden gestanden und gekichert. Nach zwölf Jahren unter Amerikanern wusste Georg, wie großzügig hier Heiterkeit verschenkt wurde. Während sich der durchschnittliche Deutsche jedes Lächeln so gründlich überlegte, als solle er einem Fremden eine Niere spenden, freuten sich hier viele mitunter grundlos."

Die Freude vergeht Georg aber plötzlich: Der Onkel ist gestorben, muss beerdigt werden. Da bittet die Sopranistin Sofia Georg um einen Gefallen . . .

Thadeusz schreibt eine klare, pointierte Sprache, legt zahlreiche Handlungsstränge, baut Spannung auf. Und karikiert den Unterhaltungs-Betrieb, übt Medien-Kritik. Auch im Gespräch mit dem Publikum am Dienstag in der Orangerie: "Es erschüttert mich, dass Sie die Meinung des Journalisten erfahren, bevor Sie erfahren, was überhaupt los ist. Das ist für mich kein Journalismus."

Der 1968 in Dortmund geborene Jörg Thadeuz, der für seine Außenreportagen bei der Sendung "Zimmer frei" den Grimmepreis erhalten hat, plaudert angeregt aus dem Nähkästchen. Gibt sich als Fan skandinavischer Thriller, gut geschriebener Biografien und amerikanischer Fernsehserien zu erkennen. Und als Freund des "Tatorts", in einem hatte er mal eine kleine Rolle. Sowieso als Fan von Borussia Dortmund, des alten und neuen Fußballmeisters. Begeistert ist er vom Spreewald. Was viele seiner Fans sicher noch nicht wussten: Thadeusz hat sogar familiäre Wurzeln in der Lausitz, seine Großeltern stammen aus Senftenberg: "Das war immer ein Thema, Opa hat immer wieder von der Region geschwärmt."