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Eine Ausstellung zum Staunen

Im Kunstmuseum Dieselkraftwerk sind gegenwärtig in der Ausstellung "Der Funke springt über" auch diese Porträtköpfe, die unter der Leitung von Rita Grafe entstanden, zu sehen.
Im Kunstmuseum Dieselkraftwerk sind gegenwärtig in der Ausstellung "Der Funke springt über" auch diese Porträtköpfe, die unter der Leitung von Rita Grafe entstanden, zu sehen. FOTO: M. Helbig/mih1
Cottbus. "Der Funke springt über" zum mittlerweile 9. Mal in der Cottbuser Dependance des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (vor dem 1. Renate Marschall / mar

Juli 2017 Kunstmuseum Dieselkraftwerk). Gezeigt werden Arbeiten, die im vergangenen Jahr in Kursen und Workshops der Museumspädagogik entstanden.

Besser gewählt könnte der Titel nicht sein. Einerseits charakterisiert er, was Kursteilnehmer mit unterschiedlichen Interessen und Handschriften zum Teil über Jahre in ihrem Hobby verbindet, andererseits bezieht er den Ausstellungsbesucher ein. Es ist überraschend, wie viel Fantasie diesen Raum erfüllt - wie schnell der Funke überspringt. Natürlich ist nicht alles meisterlich. Darum geht es auch gar nicht. Es ist eine Ausstellung zum Staunen. Zum Beispiel über die aus alten Zirkelkästen entstandenen Reisetagebücher - Kunstbücher. Museumspädagogin Anke Palme erzählt, dass die Blätter mit einer Gummiheftung flexibel eingesetzt sind, damit das Kästchen auch die nächsten Reiseabenteuer beherbergen kann. Malereien, Notizen, kleine Fundstücke finden darin Platz.

Ein paar Schritte weiter trifft man auf Gestalten - nicht von dieser Welt. Schrottskulpturen. Tatsächlich waren die Mitglieder des Jugendkurses auf dem Schrottplatz, haben zusammengetragen, was ihnen brauchbar erschien. Witzige Figuren sind daraus entstanden. Bei Luke Nitschke ist es eine Raupe, bei Helena Pätzold eine lässig sitzende Drahtgestalt - mit einer Krone?

Erstaunlich auch, was mit der Stadt Cottbus so anzufangen ist. Die Teilnehmer des Frottage-Kurses waren unterwegs, um Abriebe herzustellen. Jeder kennt das vom mit Bleistift durch Papier durchgerubbelten Euro. Hier ist das von Wänden beispielsweise Durchgerubbelte Basis für künstlerische Gestaltung. Conny Werner hat daraus kunstvolle Modeentwürfe gemacht, Andrea Wasserka einen Riss in der Hauswand verarbeitet. Anders als im Erwachsenenkurs sind die Frottagen bei den Senioren 60+ viel erzählerischer, findet Museumspädagogin Simone Fanninger. Die Arbeiten sind meist stärker übermalt wie bei Siegrid Rogaß' "Im Auge der Nacht". Gesichter und Fantasiege stalten bevölkern das Bild, das zum Entdecken einlädt.

Neben den Frottagen sind Siebdrucke, Linolschnitte, Collagen, Zeichnungen, Malereien und Plastiken zu sehen. Tanzende Pferde und Clowns zaubern Zirkusatmosphäre in den Raum. So wie eine Etage höher in der Ausstellung "Zirkuszauber", die Inspiration für die Laienkünstler war. Bemerkenswert, wie Kinder und Jugendliche diese Welt zu ihrer gemacht haben. Christian Breuß (Gruppe 9 bis 11) hat einen "Zirkus umgekehrt" per Monotypie aufs Papier gebracht. Bei ihm sind Tiere die Dompteure, und sie sitzen auch im Publikum. Er hat sogar daran gedacht, dass das Schild Zirkus von der Manege aus spiegelverkehrt zu lesen ist. Ebenso beeindruckend ist, wie Helena Pätzold mit dem Thema umgeht. Ihre Kaltnadelradierung reduziert sich nicht auf eine Szene, sondern schafft ein Sinnbild für Zirkus. Im Mittelpunkt ein überdimensionaler Clown, auf dem und um den herum alle möglichen zirzensischen Attraktionen zu entdecken sind. Das wirkt schon ziemlich professionell.

Dass die Zeit etwas Wunderliches ist, wissen wir spätestens seit Albert Einstein. In der "Funken"-Ausstellung hängt sie auch so an der Wand. Als "Eiszeit" in den üblichen Sorten Vanille, Schoko, Erdbeere, als gespenstischer "Zeitgeist", explosive "Zeitbombe", in der Wanne als "Badezeit" und etwas aus den Fugen geratene "Zeitreise" - witzige Uhren, die tatsächlich funktionieren.

Viele der Kurs- und Workshop-Teilnehmer kommen seit Jahren ins Dieselkraftwerk, haben inzwischen Vorlieben für Techniken und eine eigene Handschrift entwickelt. Am besten ist das im Ausstellungsbereich des Kurses "Freies Malen" sichtbar, den die Cottbuser Künstlerin Bettina Winkler leitet. Neben Porträtgrafiken von Diana Mielke hängt der "Zauberwald" von Eckehard Schäfer, dessen scheinbares Gewirr an Linien eben doch eine Ordnung bildet, während sich aus den kräftigen Farben in Uwe Seles Ölbild ein Kirchturm heraushebt.

Der Cottbuser Maler und Holzbildhauer Hans Georg Wagner steuerte mit seinen Kursteilnehmern Aktbilder zur Ausstellung bei. Bemerkenswert der mit nur ein paar Pinselstrichen umrissene von Ralf Radochla.

Viel Sehenswertes, Witziges, Überraschendes bietet diese Ausstellung mit ausgewählten Arbeiten eines Jahres aus 25 Kursen. Vielleicht ist sie ja Anregung, sich selbst mal auszuprobieren - der neue Kursplan steht bereits.

Die Ausstellung ist bis 27. August, von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Zum Thema:
Aquarellmalerei: 13. September, mittwochs 19 bis 21.30 Uhr, Material- und Kursgebühr 110 Euro.Keramik - Herbstspiel mit Wind und Blättern: 14. September Kurs 60+, donnerstags 13.30 bis 15.30, Gebühr 85 Euro.Platt und Plastisch - Relieff in Plattentechnik: 12. September, dienstags 19 bis 21.30 Uhr, Gebühr 110 Euro.Wochenendworkshop Siebdruck: 23. und 24. September, 9 bis 17 Uhr, Gebühr 120 Euro.Anmeldungen: telefonisch 0355/49494045 oder per Mail mukk@museum-dkw.de mar