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Ein wiedererwachtes Epos

"Horcynus Orca" ist ein Epos über das Meer. Über Jahrzehnte schlummerte Stefano D'Arrigos Lebenswerk still und fast unbeachtet in der italienischen Literatur. Sebastian Fischer

Unübersetzbar, hieß es. Unlesbar sowieso. Jetzt, 40 Jahre nach seiner Mailänder Erstausgabe, ist das Buch endlich in deutscher Übersetzung erschienen. Es ist ein Meisterwerk, ein Genuss, eine wunderbare Anstrengung. Schon der Handlungsort von "Horcynus Orca" ist sagenumwoben: "Sullo scill'e cariddi", schreibt D'Arrigo, bei Skylla und Charybdis. An der Meerenge zwischen Kalabrien und der Insel Sizilien verschlingt im antiken Mythos die fürchterliche, sechsköpfige Skylla mit ihren drei Reihen gespitzter Zähne alle Lebewesen, die sich dem Festland nähern. Und Charybdis, die das Meerwasser mal ausgurgelt, mal schrecklich einschlurft, reißt alles und jeden ins Verderben. Hier ist die Welt des 'Ndrja Cambrìa, eines einfachen Oberbootsmannes der italienischen Marine, der im Oktober 1943 desertiert. Traum und Realität, Gegenwart und Rückblenden verwischen ineinander in einer faszinierenden Sprache.

Stefano D'Arrigo: "Horcynus Orca". S. Fischer Verlag, 1472 Seiten, 58 Euro