Am Ende des Tages) vor. Der Autor liest in sorbischer Sprache. Das Buch ist im Domowina-Verlag Bautzen erschienen. Die Geschichte, die Jurij Koch aufgegriffen hat, führt an das Ende des 18. Jahrhunderts zurück. "Ich fand diesen historischen Stoff in einem Oberlausitzer Heimatkalender", erklärt der Autor im RUNDSCHAU-Gespräch. "Eine Geschichte wie aus einem Pitaval, wo Kriminalfälle abgehandelt und der Gang der Ereignisse dargestellt werden. Ich fand erzählerische Substanz darin. Das war mehr als nur ein Fall." Die Brandstiftung Die Geschehnisse ranken sich um den 19-jährigen Kuhhirten Jurij Rycer (George Rietscher). Der stammte aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Kamenz und aus einer unteren sozialen Schicht. Weil es eine allgemeine Schulpflicht in Sachsen erst ab 1813 gab, war Rycer Analphabet. Eines Tages, es war im Jahr 1792, zündet er in zwei Nachbarorten, wo er arbeitete, Bauernhöfe an. Da die Häuser aus Holz und Stroh gefertigt waren, griff das Feuer schnell über und verwüstete große Teile der Ortschaften. Den Brandstifter hatte man bald gefasst. Wegen seiner Straftaten wurde er von einem Bautzener Obergericht zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Wegen seiner Jugend und seiner misslichen Lebensumstände fanden sich einige Fürsprecher, die sich für eine Begnadigung einsetzten. Das Gnadenrecht lag beim sächsischen Kurfürsten Friedrich August II., und er übte es auch aus. Er entschied, dass der Delinquent nicht qualvoll durch das Feuer, sondern barmherzig schnell durch das Schwert sterben soll. Rycer wurde 1794 in Cescha/bei Königswartha enthauptet. Mit der Anwesenheit von mehreren hundert Leuten wurde eine große Öffentlichkeit hergestellt. Jurij Koch erkennt in Jurij Rycer eine Art sorbischen Michael Kohlhaas. Diesem Rosshändler, dem Unrecht geschah und der sich brandschatzend zur Wehr setzte, hatte Heinrich von Kleist mit einer Meisternovelle ein bleibendes Denkmal gesetzt. Indem Koch dem Rycer einen biografischen und sozialen Hintergrund gibt, die Authentizität also durch Erzähl-Fiktion erweitert, geht er der Frage nach: Wie wird einer zum Brandstifter, wie und warum wird er zum Terroristen? Denn für ihn ist Rycer "ein Terrorist des ausgehenden 18. Jahrhunderts". In Kochs Geschichte muss der junge Kuhhirt bei seiner Herrschaft mit den Schweinen aus dem Trog (fr)essen. Er wird des Diebstahls bezichtigt. Seine Braut macht man ihm mit Niedertracht, List und Betrug abspenstig, vor allem, weil er für sie nicht standesgemäß ist. Wut und Zorn treiben ihn ins Verbrechen. Oder drängen ihn die sozialen Umstände zum Brandschatzen? Maria Matschie, Geschäftsführerin im Domowina-Verlag, schwärmt von der klaren poetischen Sprache des Autors und einer schönen, überzeugend dargebotenen Geschichte. Etwas für alle, die die Historie lieben. Mit dem Wort vom "Terroristen des ausgehenden 18. Jahrhunderts" lässt Koch aber erkennen, dass er tiefer loten und mit Historie in die Gegenwart zielen will. "Elektrisierende Erscheinung" Er sagt: "Terror ist eine elektrisierende Erscheinung unserer Zeit. Und wer Terror bekämpfen oder gar vermeiden will, muss wissen, woher er kommt, wie er entsteht. Diese Gründe müssen öffentlich gemacht werden, weil auch der Terror öffentlich ist." Zwei Dinge verdienen noch erwähnt zu werden. Koch lässt Jurij Rycer die Geschichte auf dem Wege von Bautzen zur Hinrichtungsstätte selbst erzählen. Das verspricht eine sprachlich-stilistische Delikatesse. Außerdem singt in einer Nebenhandlung ein Bänkelsänger die Ballade des Michael Kohlhaas, in dem Koch wendische Wurzeln oder Züge (wend. kolaso , dt. Rad; wend. kolas , dt. Radmacher) vermutet. Nach Verlagsangaben soll, wenn möglich (Finanzierungsfragen!?) noch 2009 die deutsche Ausgabe folgen. Klaus Wilke