Irgendwann Anfang dieses Monats begann es, das Wettrüsten in Lausitzer Vorgärten und an den Fenstern und Balkonen Lausitzer Wohnscheiben. Wer am meisten blitzt, blinkt und leuchtet, zieht die meisten Blicke der Nachbarn, der Passanten.

Die Schoko-Weihnachtsmänner hatten da schon ihre besten Tage gesehen – schließlich waren sie Anfang September in die Supermärkte gezogen. Einige von ihnen hatten zu Beginn der Adventszeit schon ihr Leben gelassen. Die Täter: Allzu ungeduldige Kinder und – seien wir ehrlich – auch Erwachsene. Mittlerweile sind die Preise für Schoko-Weihnachtsmänner, Domino-Steine und Spekulatius drastisch gesunken. Klar, schließlich sind jetzt die Osterhasen aus Milch, Zucker und Kakao an der Reihe. Einige Lausitzer Supermärkte haben sie schon im Sortiment. Freundliche Erinnerung: Ostern 2020 ist am 12. April.

Schnitt zum Flughafen Berlin Tegel. Ferienbeginn. Platz zum Treten ist kaum noch, wer’s eilig hat, seinen Bus, seine Bahn, seinen Flug zu erwischen, sollte statt zwei Stunden vor Abflug gleich einmal drei davon einplanen. Schließlich geht es für viele in die Heimat, Studenten haben ihre Siebensachen gepackt, um zumindest einmal im Jahr statt mit Kommilitonen mit Mama, Papa, Opa, Oma Party zu machen. Ohne Döner, ohne Bier, stattdessen mit Gans und Glühwein, bis Oma fragt, ob die Kleine (21 Jahre alt) denn überhaupt schon Glühwein trinken dürfe.

Besinnlichkeit oder Konsum?

Kurz vor dem Finale der Weihnachtszeit, dem Weihnachtsfest selbst, stellt sich da nicht nur in der Lausitz, aber auch dort, die Frage, wie viel Besinnlichkeit in dieser Zeit denn eigentlich noch herrscht, oder ob dieses Weihnachten nichts mehr ist als ein großes Konsumfest, das genauso gut an jedem anderen Tag des Jahres stattfinden könnte. Nicht einmal Schnee gibt es in diesem Jahr, stattdessen tauscht TV-Promi Elton seinen hässlichen Weihnachtspullover gegen ein noch hässlicheres Weihnachts-T-Shirt (gesehen in „Wer weiß den sowas?“). In England surfen Weihnachtsmänner, anstatt den Rentierschlitten zu nutzen (siehe Bild). Ist das überhaupt noch das Weihnachten, das in unzähligen internationalen Weihnachtsfilmen beworben wird? Müssen die ganzen Weihnachtsprodukte-Hersteller in den Werbungen umdenken und den Schnee einfach weglassen? Trägt Santa künftig Shorts und T-Shirt und rasiert sich den langen Bart ab, weil  der zu warm ist?

Und dann auch noch der fast vorprogrammierte Streit an der Weihnachtstafel. Klar, aus irgendwelchen Konventionen heraus gehört die Familie zu Weihnachten an einen Tisch – auch dann, wenn sie sonst an keinem Tag im Jahr einen Tisch teilt. Das kann ja nicht gutgehen.

Es gibt Dutzende, Hunderte, vielleicht Tausende Gründe, Weihnachten doof zu finden. Wenn man Teenager ist, ist das cool, wenn man erwachsen wird, obsiegt die Konsumkritik. Und trotzdem – ein Großteil der Lausitzer wird in den kommenden Tagen das Weihnachtsfest feiern, im kommenden Jahr wieder pünktlich zur Adventszeit Gärten und Balkone schmücken, sich den Stress antun, pünktlich zum Fest an alle gedacht zu haben, die eine Karte oder gar ein Geschenk verdient haben. Selbst wenn der erste Radiosender im kommenden Jahr „Last Christmas“ ins Programm aufnimmt, werden viele wieder mit Freude zuhören, wie sich George Michael an die schönen Tage mit seiner Verflossenen (später: seinem Verflossenen) erinnert.

Streit bei Gans und Rotkohl

Weihnachten ist das Fest der Liebe, sagt man. Und selbst wenn es Streit zwischen Gans und Rotkohl gibt, selbst wenn der Kartoffelsalat „in diesem Jahr aber nicht so gut gelungen ist wie im letzten“, selbst dann versuchen zumindest viele, eben dieser Liebe zu eben diesem Datum eine ganz besondere Bedeutung zu geben. Das kann nichts Schlechtes sein. Auch ohne Schnee, auch unter Dauerbeschallung mit „Last Christmas“, auch trotz aller Überfüllung an Flughäfen, an Bahnhöfen und auf der Autobahn. Insofern: Frohe Weihnachten.