Mit seinem neuesten Roman greift er ein schwieriges Kapitel in der Geschichte seiner Wahlheimat auf. Für eine deutsche Emigrantenfamilie ist es beinahe so, als ob sich Geschichte wiederholte. Die Tante des Ich-Erzählers hat unter der letzten Militärdiktatur in Argentinien ihre beiden Kinder verloren, die der Guerilla angehört hatten. Nun sucht sie gemeinsam mit den "weißen Frauen" nach ihrem verschwundenen Enkel, der in der Folterhölle geboren und dann zur Adoption freigegeben wurde. Unmenschliches tritt zutage, das zivilisatorische Vorstellungskraft aufs Äußerste strapaziert. Dem deutsch-jüdischen Autor gelingt es, ein lange verschwiegenes Kapitel Argentiniens so aufzublättern, dass es Unaussprechliches ans Licht und zur Sprache bringt, ohne es bei einseitigen Schuldzuweisungen oder Mythifizierungen zu belassen.

Robert Schopflocher: Die verlorenen Kinder, LangenMüller, 260 Seiten, 19,99 Euro.