Als dieses schöne Biest vor über 50 Jahren auch in Deutschland auftauchte, sorgte es sofort dafür, dass sich etliche ältere Herrschaften (und ihre Gattinnen) mächtig über sie echauffierten. Im Westen genauso wie im Osten, wo man die neue Remmidemmi-Musik nicht nur als schlimme Bedrohung für Moral und Anstand betrachtete, sondern gleich als eine gezielte Diversion gegen den Sozialismus.
Im Gegensatz zu dem erfreuen sich die stilistischen Nachkommen der Skandalnudel zwar heute weltweiter Beliebtheit, aber die Rockmusik und ihre verschiedenen Ableger sind fast nur noch Unterhaltungsware mit Potential für künstliche Aufregung. Kein Wunder, dass der Rock immer öfter reif fürs Museum ist. Eine besonders imposante Ausstellung im Berliner Kronprinzenpalais, die am Sonntag zu Ende geht, ist die Exposition "Rock! Jugend und Musik in Deutschland". Die von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik gestaltete Multimediaschau macht deutlich, wie immens die Bedeutung der Rockmusik im Osten wie im Westen war. Die Ausstellung mit ihren 1200 Exponaten dokumentiert auch den im Wesentlichen gescheiterten Versuch des DDR-Staates, eine eigenständige Jugendmusik als Alternative zur Westmusik zu entwickeln. Wobei nicht zuletzt die staatliche Plattenfirma Amiga Hilfe leisten sollte.
Die Mitarbeiter des Labels sind inzwischen abgewickelt, weshalb Amiga seinen 60. Geburtstag in diesem Jahr praktisch ohne Angestellte begeht. Aber ein besonderes Präsent gab es nun doch noch, denn Amiga kann sich rühmen, einen musikalischen Beitrag zum Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen" geliefert zu haben. Regisseur Florian von Donnersmarck hatte sich von Ex-Amiga-Chef Jörg Stempel intensiv für den Soundtrack beraten lassen. Das Ergebnis: Musik von Bands wie Bayon, Pankow und Silly ist nun Teil eines Oscar-Films. Das konnten die Ausstellungsmacher freilich noch nicht ahnen.