Das aber lag - wie sonst fast immer - nicht nur an Eisner und Fellner, die sich in der Folge "Gier" ein ganzes Stück weit zurückgenommen haben, um den übrigen wirklich beeindruckenden Darstellern genügend Raum zu geben für einen Fall, bei dem man schon ein bisschen mitdenken musste. Schön, dass Eisner und Fellner auch mal die Abteilung wechseln und nicht nur Mord und Totschlag auf der To-Do-Liste haben. Diesmal ging es um einen Arbeitsunfall - ein völlig neues Metier nicht nur für die Österreich-Ermittler, sondern für den gesamten Tatort. Dass natürlich dann irgendwann auch noch ein Mord passieren musste, hat nicht wirklich gestört. War aber auch nicht der Höhepunkt im 950. Tatort-Fall.

Der Höhepunkt war ohne Frage Anian Zollner, der den in der Psychiatrie festgehaltenen Peter Wendler mit so wenig Mimik so toll spielt, dass man tatsächlich - und so wollten es die Macher wohl auch - am Ende nicht weiß, ob man ihn nun hassen oder mögen soll. Auch seine skrupellose Ehefrau hat Maria Köstlinger derart überzeugend dargestellt, dass es schwerfallen dürfte, die Dame in einer anderen Rolle noch einmal liebenswert finden zu können. Ein kleines bisschen überflüssig war vielleicht der Motorrad fahrende Witwer, der Selbstjustiz viel besser findet als das Vertrauen in die Ermittler, die sich - quasi dem Chef zum Gefallen - mit seinem Verlust kriminalistisch auseinandersetzen müssen.

Aber diesen kleinen Makel kann man am Ende des Tatorts auch getrost vergessen, tut man sowieso, weil die finale Szene, als sich Wendler den Polizisten bei der Beerdigung der tragisch verunglückten Laborantin stellt, dem ohnehin tollen Krimi noch einmal ein Krönchen aufsetzt.
Dankenswert war es auch, dass der Tatort diesmal - und das ist bekanntermaßen äußerst selten - so glaubwürdig war, dass man, würde man nun in der nächsten Zeit mal in einen Schutzanzug steigen müssen, selbiges mit einem durchaus mulmigen Gefühl tun würde. Eine würdige 950. Folge war das, was das Erste da am Sonntagabend gezeigt hat, die einmal mehr ein bisschen etwas von einem Agentenfilm hatte. Das können Eisner und Fellner gut, haben sie schon einmal bewiesen und dürfen sie gerne auch noch ein paar Mal tun.