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| 10:03 Uhr

Rezension
Ein Liebestrank als letzter Strohhalm

 Welch Liebelei am Staatstheater Cottbus: L´elisir d´amore (Der Liebestrank) von Gaetano Donizetti überzeugte mit gesanglichen Spitzenleistungen. Im Vordergrund v.l.n.r. Nils Stäfe (Belcore), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores.
Welch Liebelei am Staatstheater Cottbus: L´elisir d´amore (Der Liebestrank) von Gaetano Donizetti überzeugte mit gesanglichen Spitzenleistungen. Im Vordergrund v.l.n.r. Nils Stäfe (Belcore), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores. FOTO: Marlies Kross / Marlies Kross/Theaterfotografin
Cottbus. Gefeierte Premiere am Samstag im Staatstheater Cottbus: Donizettis Liebestrank ist frisch, anmutig und rührend. Ein kontrastreicher Wechsel von komödiantischen und leidenschaftlichen Szenen. Von Rüdiger Hofmann

Welch Liebesklamauk, welch Gesang! Der naive Nemorino ist unglücklich in die launische Adina verliebt. Diese lässt ihn kaltherzig abblitzen und gibt kurzfristig dem schneidigen Hauptmann Belcore ihr Eheversprechen. Jetzt kann eigentlich nur noch ein Zaubertrank helfen. Der fahrende Doktor und Quacksalber Dulcamara hat genau den im Angebot. Es ist zwar „nur“ Bordeaux, aber das war ja bekanntermaßen auch schon Loriots Weinverkäufer Blümel egal.

Die Wirkung soll mit einem Tag Verzögerung einsetzen. Um ganz sicherzugehen, kauft Nemorino noch eine zweite Flasche. Doch er muss sich dafür als Soldat verpflichten lassen, da er sonst nicht zahlen kann. Schon am nächsten Tag sind alle Mädchen des Dorfes hinter Nemorino her, wozu das Gerücht einer beträchtlichen Erbschaft wohl nicht unwesentlich beiträgt. Und Adina?

Die komische Oper „Der Liebestrank“ von Gaetano Donizetti ist ein Juwel der italienischen Belcanto-Kunst. Frisch, anmutig und rührend ist der kontrastreiche Wechsel von komödiantischen und leidenschaftlichen Szenen in einer italienischen Kleinstadt. Die eng verschmolzenen Arien und Duette gehen am Samstag im Staatstheater Cottbus bei der Liebes-Premiere nahtlos ineinander, sie sind gekonnt gearbeitet wie in einer klassischen Romanze, deren Ausgang bekannt ist, aber deren „wie“ jederzeit spannend bleibt. Leichtfüßig, mit verschwenderischen Melodien und unerschöpflichem Einfallsreichtum erzählt Donizetti von der Liebe, die in all ihren Spielarten heiter belächelt oder wehmütig ersehnt wird.

Mit der berühmten Arie „Una furtiva lagrima“ („Eine verstohlene Träne“), in der Nemorino über sein lang ersehntes Liebesglück seufzt, komponierte Gaetano Donizetti eine Tenor-Arie par exellence. Es wird in Cottbus die beste Arie des Abends, vorgetragen vom russischen Tenor Andrei Danilov. Szenenapplaus! Ab der kommenden Spielzeit ist der 1988 in Irkutsk geborene Danilov Mitglied des Ensembles an der Deutschen Oper Berlin.

Die 36-jährige Mirjam Miesterfeldt gehört seit dieser Spielzeit hingegen fest zum Cottbuser Opernensemble. Bloß gut. In ihrer bisher größten Herausforderung vor Ort schlüpft sie in die Rolle der „Adina“ – und wie! Von Anfang an ist Man(n) ihr verfallen. Ihr gelingt der geforderte virtuose Gesang mit zahlreichen Koloraturen und Melodie umspielenden Verzierungen bravourös. Auch die schauspielerischen Passagen wirken passend, Mimik und Gestik folgen der Musik, nichts ist zu viel, aber auch nichts fehlt.

Nils Stäfe besingt den Hauptmann Belcore – mit fordernden und forschen Stimmausbrüchen, rabiat und von Selbstherrlichkeit gezeichnet. Er kann jede haben, und so verfällt ihm scheinbar auch Adina. Wenn da nicht das Liebeselixier von Dulcamara alias KS Matthias Henneberg wäre. Als Gast von der Semperoper Dresden spielt er den Wunderheiler, wie man ihn kaum besser verkörpern kann. Schließlich gelingt es Nemorino nicht nur, seinen Nebenbuhler auszustechen, sondern letztlich auch Adinas Herz zu gewinnen.

Orchester, Chor und Vokalsolisten meistern bei der Premiere die übersprudelnde Musik und ihre melodisch effektvollen Nummern mit gehöriger Verve. Die musikalische Leitung hat Sergey Simakov inne, Regie führt Anthony Pilavachi. Erstmalig an diesem Haus entwirft Markus Meyer das Bühnenbild für eine Produktion, während Kostümdirektorin Nicole Lorenz für die Kostüme verantwortlich zeichnet.

Seit das Publikum der Mailänder Uraufführung 1832 von Gaetano Donizettis „Liebestrank“ gekostet hat, ist das Stück nicht mehr aus dem Repertoire der Opernbühnen wegzudenken. In selbst für Vielschreiber Donizetti (600 Werke, darunter 75 Opern und 16 Sinfonien) rekordverdächtig kurzer Zeit von nur wenigen Wochen ist ihm ein Meilenstein gelungen. Denn bei aller Sonne, die durch die Partitur scheint, lässt die Musik doch immer wieder tief in das Seelenleben der Protagonisten blicken.

Weitere Vorstellungen am Staatstheater Cottbus: Dienstag, 2. Juli und Samstag, 6. Juli, jeweils 19.30 Uhr, Großes Haus. Karten sind erhältlich im Besucherservice sowie online über www.staatstheater-cottbus.de, Ticket-Telefon 0355/7824242.

 Welch Liebelei am Staatstheater Cottbus: L´elisir d´amore (Der Liebestrank) von Gaetano Donizetti überzeugte mit gesanglichen Spitzenleistungen. Im Vordergrund v.l.n.r. Nils Stäfe (Belcore), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores.
Welch Liebelei am Staatstheater Cottbus: L´elisir d´amore (Der Liebestrank) von Gaetano Donizetti überzeugte mit gesanglichen Spitzenleistungen. Im Vordergrund v.l.n.r. Nils Stäfe (Belcore), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores. FOTO: Marlies Kross / Marlies Kross/Theaterfotografin