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Feierliche Einweihung
Durch die Hände der Freunde

Gestern wurde der rekonstruierte Sarkophag im Schlosspark Brody vom Branitzer Parkleiter Claudius Wecke, dem Bürgermeister von Brody, Ryszard Kowalczuk, Restaurator Radoslaw Okon, Elisabeth Freifrau von Ketteler sowie Carolin Vogel von der Reemtsma Stiftung feierlich eingeweiht.
Gestern wurde der rekonstruierte Sarkophag im Schlosspark Brody vom Branitzer Parkleiter Claudius Wecke, dem Bürgermeister von Brody, Ryszard Kowalczuk, Restaurator Radoslaw Okon, Elisabeth Freifrau von Ketteler sowie Carolin Vogel von der Reemtsma Stiftung feierlich eingeweiht. FOTO: Renate Marschall
Brody. Ein kulturhistorisch wertvoller Sarkophag wurde gestern im Schlosspark Brody übergeben. Von Renate Marschall

Es ist kaum zu glauben, was Hartnäckigkeit, finanzielle Unterstützung, Sachverstand und Handwerkskunst bewirken können. Noch vor gut einem Jahr war er nur ein Haufen Steine, der Sarkophag, der mit seinem hellem Sandstein im Park des Schlosses Brody (Polen) am Donnerstagnachmittag in der Sonne leuchtet und seiner Einweihung harrt. Wie er da, etwas erhöht im Park thront, ist er eine Bereicherung für den Landschaftsgarten, der in den zurückliegenden Jahren mithilfe zahlreicher Parkseminare, an denen sich 1200 polnische und deutsche Enthusiasten beteiligten, an Ausstrahlung gewonnen hat. Oder wie Brodys Bürgermeister Ryszard Kowalczuk sagt: „Langsam kehrt die Perfektion von damals zurück.“

Damals, das ist Ende des 18. Jahrhunderts. Brody hieß noch Pförten und war Sitz derer von Brühl. 1780 ließ Aloys Friedrich Graf von Brühl, der älteste Sohn des berühmten kurfürstlich sächsischen Ministers, den Sarkophag als eine Art Gedenkstein für zwei Freunde errichten. Das war Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts stark in Mode. Die Gebeine eines Toten hat er nie beherbergt. Vielmehr war er dem Andenken des Reichsfreiherrn von Hund, einem der bekanntesten Vertreter der deutschen Freimaurerei, der auch Aloys von Brühl anhing, sowie Christian Ludwig von Gablenz gewidmet. Gablenz hatte während seiner Reise von Warschau nach Dresden, wo er das Amt des Oberhofjägermeisters übernehmen sollte, in Pförten Station gemacht und war hier gestorben.

Und auch wenn sich während der Einweihungsfeier zwei Deutungen der Inschrift „Piis manibus amicorum“ ergaben: „Durch die treuen Hände der Freunde“ oder wie der polnische Restaurator Radoslaw Okon meint „Durch die gläubigen Hände der Freunde“ – freundschaftliches Miteinander hat in Brody viel bewegt. Da attestiert Carolin Vogel von der Hamburger Reemtsma Stiftung, die für die Rekonstruktion des Sarkophags mehr als 75 000 Euro zur Verfügung gestellt hat, dem Branitzer Parkleiter Claudius Wecke, dass ihm nie die Puste auszugehen scheint in seiner Begeisterung für diesen wiedererwachenden Park. Für Claudius Wecke war er eine Liebe auf den ersten Blick. 2007 hatte er seine Diplomarbeit über Brody geschrieben und seither nicht locker gelassen, aus der Wildnis wieder eine Parkanlage zu machen. Hartnäckig. Eine Eigenschaft, die auch Ryszard Kowalczuk auszeichnet. Er ist nicht müde geworden, seinen Bürgern dieses Kleinod nahezubringen, um ihr Engagement zu werben – mit Erfolg. Brody ist Mitglied im Europäischen Parkverbund Lausitz, dem inzwischen neun deutsche und polnische Anlagen angehören.

2016 hatte die Geschichte um diese besondere Gartenskulptur mit einem Steinhaufen hinter dem Schloss begonnen, überwuchert von Gras und Unkraut. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass einzelne Bruchstücke Verzierungen trugen. Erste Forschungen brachten zutage, dass es sich vermutlich um die Trümmer des auf alten Bildern zu erkennenden, von zwei Obelisken gesäumten Sarkophags handelt. Aber eben nicht nur die, hier war auch Schutt abgeladen worden. Schließlich lagen die Bruchstücke seit 1945 hier. Damals war der Sarkophag durch Vandalismus zerstört worden, weil offenbar ein Schatz darin vermutet wurde.

Zunächst musste also katalogisiert werden. Diese wichtige Vorarbeit für das Puzzle: Welches Trümmerstück passt wohin?, hat Tomasz Filar geleistet. Als sie endlich so was wie den 2,30 Meter breiten Steinkoloss ergaben, zeigten sich zum Teil große Lücken, und auch die originalen Überbleibsel waren nicht in bestem Zustand. Radoslaw Okon beschreibt die vielen Schritte, die nötig waren, den Original-Sandstein zu reinigen und ihm Festigkeit zu verleihen. Für die fehlenden Teile fand sich passender Sandstein in Oberschlesien. Jetzt strahlt der Sarkophag wie neu.

Freilich, die Patina fehlt ein bisschen, aber die stellt sich ja von ganz alleine ein. Bis die Pflänzchen am Fuße des Denkmals es üppig umwuchern, wird Mutter Natur wohl auch am Sandstein ihr Werk getan haben und der helle Kies auf dem Rundweg wird keinen hellen Staub mehr auf die Schuhe legen. Freilich aber wird man jetzt im Park wieder das leise Wimmern hören, das die Brühlschen Kinder das Gruseln lehrte, wie in der Familie bis heute erzählt wird. Es konnte ja nur von diesem Schrein kommen. Elisabeth Freifrau von Ketteler, geborene Gräfin von Brühl, ist noch selbst durch den Park gestreift und freut sich, dass in den letzten Jahren so viel hier passiert ist. „Wenn meine Eltern von Zuhause sprachen, dann meinten sie immer Pförten“, sagt sie. Christine von Brühl würdigt das in die Zukunft weisende Engagement so vieler. So hat dieser Sarkophag, Zeugnis einer längst vergangenen Zeit, schon wieder Geschichte geschrieben, zukunftsweisend und ganz im Sinne des in seinen Stein gemeißelten Mottos „Piis manibus amicorum“ – wie auch immer es zu übersetzen ist.